Pressefreiheit Afghanistan kontrolliert Berichte über Anschläge

Unter Androhung von Strafen schränkt die afghanische Regierung die Berichterstattung über Anschläge von Taliban ein. Journalisten müssen künftig die Erlaubnis des Geheimdienstes einholen. Menschenrechtler kritisierten, die Regierung wolle die Sicherheitslage verschleiern.

Anschlag in Kabul im Februar: Afghanistan will Berichte darüber künftig einschränken
REUTERS

Anschlag in Kabul im Februar: Afghanistan will Berichte darüber künftig einschränken


Kandahar - Für Journalisten wird ihre sowieso schon gefährliche Arbeit in Afghanistan noch schwieriger: Die Regierung grenzt die Berichterstattung über Anschläge der Taliban stark ein. So dürfen Reporter künftig nur noch im Nachhinein und nur mit Erlaubnis des afghanischen Geheimdienstes NDS über Angriffe berichten. Live-Berichte sollen ganz verboten werden, erklärte ein Geheimdienstsprecher am Montag.

Die Taliban fühlten sich durch die Aufmerksamkeit der Medien bestärkt, begründete er die neuen Regelungen. "Live-Berichterstattung kommt nicht der Regierung zu Gute, sondern den Feinden Afghanistans." Verstoßen Journalisten gegen die neuen Vorschriften, droht ihnen die Festnahme und die Beschlagnahmung ihrer Ausrüstung.

Medienverbände und Menschenrechtler kritisierten die Einschränkungen. Die Entscheidung verhindere, dass die Öffentlichkeit wichtige Informationen über die Sicherheitslage in dem Land erhalte, kritisierte Abdul Hamid Mubares von der Afghan National Media Union.

Laila Nuri von der Organisation Afghanistan Rights Monitor warf der Regierung vor, sie wolle Anschläge vertuschen. "Die Regierung sollte ihre Unfähigkeit nicht verbergen, indem sie Medien die Berichterstattung verbietet", sagte sie. Die Menschen wollten über die Fakten vor Ort informiert werden, wann immer es zu Anschlägen komme.

Mehrere Soldaten und Zivilisten bei Anschlägen getötet

Auch am Montag verübten Taliban wieder blutige Attacken auf Zivilisten und Nato-Truppen. Dabei starben vier Soldaten und mehrere Zivilisten. Mindestens sechs Menschen kamen in dersüdlichen Provinz Kandahar ums Leben, als Attentäter zwei Autobomben in die Luft sprengten.

Eine der Bomben zündete ein Selbstmordattentäter, als ein Nato-Konvoi vorbeifuhr. Bei diesem Anschlag starben nach Angaben eines Arztes mindestens vier Zivilisten und ein Isaf-Soldat. Nur wenige Stunden später explodierte vor der Hauptpolizeiwache der Stadt erneut eine Autobombe. Dabei wurde ein Beamter getötet, erklärte der stellvertretende Polizei-Chef der Provinz. Sechzehn weitere Menschen wurden verletzt.

Bei Kämpfen und Angriffen im Westen und Süden des Landes starben drei weitere Isaf-Soldaten. Die Truppe gab dazu aber keine Einzelheiten bekannt. Auch die Nationalität der Toten wurde nicht genannt.

mmq/Reuters/AFP



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