Pressefreiheit Iranische Regierung lässt Journalisten festnehmen

Ausländische Reporter werden bei der Arbeit behindert, iranische Journalisten können im Gefängnis landen: 17 Journalisten sind nach Angaben von "Reporter ohne Grenzen" seit der Präsidentschaftswahl festgenommen worden. Die Behörden wollten unliebsame Zeugen loswerden, kritisiert die Organisation.


Berlin - Die Regierung eines Millionenvolkes versucht Berichte über Demonstrationen mit vielen tausend Teilnehmern zu unterdrücken: Die Machthaber in Teheran gibt ausländischen Medien die Schuld an den Unruhen - und setzt auch einheimische Journalisten unter Druck. Nach Informationen der internationalen Organisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG) hat sich die Zahl der festgenommenen Journalisten weiter erhöht. Seit Beginn der Proteste gegen die umstrittene Präsidentenwahl seien 17 iranische Journalisten festgenommen worden.

Zu den bisher bekannten zwölf Fällen seien weitere fünf hinzugekommen: So seien in der Stadt Buschehr im Süden des Landes vier und in der Stadt Raschat im Norden mindestens ein Medienmitarbeiter festgenommen worden. "Die Behörden wollen unliebsame Zeugen der derzeitigen Ereignisse loswerden", kritisierte ROG.

"Die meisten Korrespondenten mussten schon ausreisen. Doch wenn keine ausländischen Beobachterinnen und Beobachter mehr vor Ort sind und einheimische Journalistinnen und Journalisten weiterhin verfolgt werden, öffnet das die Tür für jede Form von Missbrauch", heißt es in der Mitteilung.

Das für die Presse zuständige Ministerium für Kultur und islamische Führung in Teheran hatte am Dienstag angeordnet, dass Vertreter ausländischer Nachrichtenmedien keine Demonstrationen besuchen und über sie berichten dürfen, "die ohne Genehmigung des Innenministeriums organisiert wurden". Viele ausländische Journalisten können seitdem nur noch von ihren Büros oder Hotels aus arbeiten. Zahlreiche Reporter und TV-Teams mussten mittlerweile das Land verlassen, darunter deutsche, spanische, belgische und niederländische Journalisten.

In den vergangenen Tagen haben iranische Politiker westliche Medien beschuldigt, "Sprachrohr der Aufrührer" zu sein. Wie ROG berichtete, hat das iranische Außenministerium ausländische Medien als "Feinde" bezeichnet und gewarnt, dass sie bald "schachmatt" gesetzt würden.

sac/dpa

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