Pressefreiheit Zehntausende demonstrieren gegen Berlusconis Medienmacht

Silvio Berlusconi überzieht die italienische Presse mit Klagen, weil sie seine privaten Verfehlungen thematisiert, und versetzt das Volk damit in Aufruhr: Mindestens 60.000 Bürger haben in Rom gegen den Einfluss ihres Ministerpräsidenten auf die Medien protestiert.

Groß-Demo gegen Berlusconi: "Nein zum Informations-Maulkorb"
AP

Groß-Demo gegen Berlusconi: "Nein zum Informations-Maulkorb"


Rom - Zehntausende Menschen haben am Samstag in Rom für die Pressefreiheit und gegen den Einfluss von Ministerpräsident Silvio Berlusconi auf die italienischen Medien demonstriert. Zu dem Protest hatten der italienische Journalistenverband FNSI sowie linke Parteien und Gewerkschaften aufgerufen.

Nach Angaben der Organisatoren nahmen an der Veranstaltung mehr als 100.000 Menschen teil, die Behörden sprachen von 60.000 Demonstranten. Dem Journalistenverband zufolge war die Versammlung in Italien "die größte Demonstration, die jemals für die Pressefreiheit organisiert wurde".

Auslöser der Proteste waren die Schadensersatzforderungen, mit denen der konservative Berlusconi gegen die linken Zeitungen "La Repubblica" und "L'Unità" wegen der kritischen Berichterstattung über sein pikantes Privatleben vorgeht. Beide Blätter sollen dem Regierungschef Schadenersatz in Millionen-Höhe zahlen, was Journalisten als Versuch kritisieren, sie zum Schweigen zu bringen.

"Nein zum Informations-Maulkorb" lautete entsprechend einer der Slogans auf der Kundgebung. Auf Plakaten und Transparenten war Kritik an Berlusconis Medienmacht und dem daraus resultierenden Interessenkonflikt mit seinem Amt als Regierungschef zu lesen. Die Demonstranten warfen dem Medienmagnaten vor, die Arbeit der Presse zu behindern und eine kritische Berichterstattung über seine privaten Skandale unterdrücken zu wollen.

Italiens Premier besitzt drei der sieben privaten terrestrischen TV-Sender des Landes und eine Reihe weiterer Medienunternehmen. Die Organisation Reporter ohne Grenzen Italiens hatte ihn am Freitag zur Achtung der Pressefreiheit aufgefordert und ihm mit der Aufnahme in ihre Liste der "Feinde der Pressefreiheit" gedroht. Es wäre das erste Mal, dass ein europäischer Regierungschef in diese Liste aufgenommen würde.

Berlusconi hatte die Demo im Vorfeld als "absolute Farce" bezeichnet. In keinem anderen westlichen Land sei die Freiheit so groß wie in Italien.

can/AFP/Reuters/dpa



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