Pressekonferenz mit Hu Jintao Verwirrung um die Menschenrechtsfrage

Bei einer Pressekonferenz mit US-Präsident Obama antwortete Chinas Präsident Hu nicht auf die Frage nach den Menschenrechten in seinem Land. Nun rätseln Reporter: Hat Hu die Frage ignoriert? Oder hat er sie einfach nicht verstanden?

Hu Jintao mit einem Dolmetscher: Pressekonferenz mit Hindernissen
dpa

Hu Jintao mit einem Dolmetscher: Pressekonferenz mit Hindernissen


Washington - Lange Pausen, genervte Staatsmänner und Übersetzungsprobleme: Die Pressekonferenz von Chinas Staatschef Hu Jintao und US-Präsident Barack Obama am Mittwoch im Weißen Haus hätte besser laufen können. Sie dauerte eineinhalb Stunden - und wurde besonders unangenehm, als der chinesische Politiker nach den Menschenrechten in seinem Land gefragt wurde.

Eine Simultanübersetzung gab es bei dieser Pressekonferenz nicht - warum, ist bis jetzt nicht geklärt. Obama sagte selbst nach seiner ersten Antwort: "Es tut mir leid. Ich dachte, es gäbe Simultanübersetzung."

Dolmetscher mussten also jede Frage und jede Antwort übersetzen. Das führte zu langen Pausen. Obama, so ein Journalist vom Wirtschaftsmagazin "Forbes", habe immer wieder breit gelächelt, um die Verzögerungen zu überbrücken. Reporter berichten, beide Männern hätten sich mehrmals ungeduldig gezeigt.

Als erstes stellte der amerikanische Journalist Ben Feller von der Nachrichtenagentur Associated Press seine Fragen. "Wie können die USA so eng mit einem Land verbündet sein, das seine Menschen so schlecht behandelt? Das Zensur und Gewalt benutzt, um seine Bürger zu unterdrücken?" Die Frage richtete sich an Obama. Anschließend fragte Feller Hu: Wie will er die Menschenrechtsbilanz seines Landes rechtfertigen?

Obama antwortete zuerst und sprach einige Minuten. Er sagte, er habe "sehr offen" mit Hu über die Frage der Menschrechte gesprochen. Anschließend übersetzte ein Dolmetscher die Fragen für Hu. Doch der antwortete darauf nicht.

Ein Reporter von Bloomberg erinnerte den chinesischen Präsidenten später daran, dass dieser nie auf die Frage nach den Menschenrechten eingegangen sei. Hu sprach von "Übersetzungsproblemen", daher habe er die Frage nicht gehört. Anschließend antwortete Hu: "China bemüht sich um den Schutz und die Förderung der Menschenrechte". Es müsse aber noch viel getan werden.

Mitarbeiter des Weißen Hauses beharrten nach der Pressekonferenz aber, Hu sei die Frage voll übersetzt worden.

kgp



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lab61, 20.01.2011
1. .
Oder der chinesische Dolmetscher hat sie - in vorrauseilendem Gehorsam - seinem Staatschef tatsächlich nur unvollständig übersetzt, um ihm gewisse Peinlichkeiten zu ersparen. Der im Artikel geschilderte Einwurfe eines chinesischen Reporters legt diese Vermutung durchaus nahe.
elmarfudd 20.01.2011
2. Kein Titel
Da denke ich beim Lesen des Titels, dass ich hier über das Treffen dieser beider Staatsmänner informiert werde und was ist? 2/3 des Artikels beschäftigen sich mit nicht anwesenden Simultandolmetschern. Hallo? Jemand zuhause? Das interessiert nun wirklich niemand, oder fast niemand. Ich wollte genauere Informationen über das Treffen, die Themen, die besprochen wurden usw.
Josarian 20.01.2011
3. Selbst wenn er die Frage richtig verstanden haette ....
... ist es doch unwahrscheinlich, hierauf eine ernsthafte Antwort zu erwarten. Weder von Obama, noch von Hu. Die wirtschaftlichen Interessen stehen im Vordergrund. Alibipassagen zum Umgang mit Menschenrechten auf beiden Seiten finden sich als vorgefertigte Statements. Dass ein chinesicher Staatsapparat gar nicht daran denken kann und will, zeigen die Ereignisse der letzten Monate. Dem nationalen Interesse werden individuelle Rechte untergeordnet - und das ist aus chinesischer Sicht nicht diskutierbar. Hieraus nun einen Vorwurf an das Land der Mitte abzuleiten, waere nur die eine Seite der Medaille. Wie auch im Umgang mit Ben Ali (Tunesien) zeigt sich, der Westen hat unter Beruecksichtigung seiner wirtschaftlichen Plaene gar kein Interesse an Demokratie und der Einhaltung von Menschenrechten in China. Ein Rechtsstaat und eine sich aus Parteien zusammensetzende Regierungs- wie auch Oppositionslandschaft wuerden den scheinbar ungebremsten Wachstumsverlauf in China nur aufhalten. Was wir heute wirtschaftlich, kulturell und auch politisch beobachten, geht in China nur mittels Autokratie. Das wissen auch Obama, Merkel und neben ihnen zB. Ackermann, Winterkorn, Zetsche und Loescher. Sollen die Investitionen weiterhin ihre Gewinne erwirtschaften, muessen zumindestens Wirtschaft und Politik einhergehen, wobei letztere eher nur noch den Weg bereitet. Interessant allerdings stellt sich die Frage: Wann kommt der Punkt, an welchem sich westliche Investitionen und Know-How Transfers nach China nicht mehr lohnen? Oder sind wir verdammt, das Spiel auf ewig weiter zu betreiben? Irgendwo hatte ich gelesen, was China ausmacht - kostenguenstig zu produzieren. Soweit ich China kenne, sehnt sich das Land nach Anerkennung. Die kann man aber nicht billig produzieren. Die bekommt man fuer zukunftsorientiertes globales Denken, fuer Forscher- und Erfindungsgeist, vielleicht auch fuer Prestige gebundene Qualitaet und Marken. Dinge, von denen China im Jahr 2011 noch weit entfernt ist und die wiederum teuer einkaufen muss.
heinz.mann 20.01.2011
4. Naja...
Zitat von sysopBei einer Pressekonferenz mit US-Präsident Obama antwortete Chinas Präsident Hu nicht auf die Frage nach den Menschenrechten in seinem Land. Nun rätseln Reporter: Hat Hu die Frage ignoriert? Oder hat er sie einfach nicht verstanden? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,740500,00.html
Hu kann sich ja mit Obama mal über Guantanamo unterhalten, Abu Greib etc. Da hat man ja bezüglich Menschenrechten etwa denselben Level.
frubi 20.01.2011
5. .
Zitat von sysopBei einer Pressekonferenz mit US-Präsident Obama antwortete Chinas Präsident Hu nicht auf die Frage nach den Menschenrechten in seinem Land. Nun rätseln Reporter: Hat Hu die Frage ignoriert? Oder hat er sie einfach nicht verstanden? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,740500,00.html
Hu hätte die Frage mit einer Gegenfrage beantworten sollen: "Wie stehen die Amerikaner zu Guantanamo?". Nur weil der eine Mann einen unbedeutsamen Preis erhalten hat, darf er sich nicht als moralischer Messias aufspielen, wenn gleichzeitig derartige Zustände wie in Guantanamo nicht geändert werden.
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