Presseschau "Duft von Bananenrepublik"

Der Sieg Jacques Chiracs ist von der europäischen Presse mit Erleichterung aufgenommen worden. Hier eine Auswahl einiger Zitate verschiedener Tageszeitungen:


"De Standaard", Brüssel:

"Die meisten linksgerichteten Parteien hatten dazu aufgerufen, gegen Le Pen und damit für Chirac zu stimmen. Darum war der Wahlausgang in erster Linie ein Referendum gegen Le Pen, der für rassistisches Gedankengut steht."

"Tages-Anzeiger", Zürich: "Das Votum verdient auch deshalb Respekt, weil Millionen von Linkswählern ihren Gewissenskonflikt überwanden und, was sie unter "normalen" Umständen nie täten, für Jacques Chirac stimmten. (...) Das Ja ist in erster Linie ein Nein zu Le Pens Ungeist."

"Information", Kopenhagen: "Die Stimmen waren wesentlich mehr gegen Le Pen gerichtet als für Chirac bestimmt. Dass der Präsident in der ersten Runde so wenig Stimmen bekommen hatte, ist ebenfalls ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass die große Mehrzahl der Franzosen Chirac satt haben. (...) Chiracs Wähler haben ihn jetzt nebenbei auch vor einem Gerichtsverfahren bewahrt. Ein Operettenszenario mit einem Duft von Bananenrepublik."

"La Stampa", Turin: "Er (Chirac) ist das geblieben, was er war: Eine Belastung für das politische Leben Frankreichs, ein Hindernis für die politische Normalisierung des Landes vor allem im Hinblick auf die Parlamentswahlen."

"De Volkskrant", Den Haag: "Das eigentliche Urteil wird erst im Juni gefällt, wenn ein neues Parlament gewählt wird. Jetzt kommt es auf Chirac an. Gegen Le Pen konnte er nicht verlieren, aber in den zwei Wahlrunden für die Nationalversammlung kann er das sehr wohl. Dann wird sich erst zeigen, was die Wahl vom Sonntag wirklich wert war."

"The Guardian", London: "Der Verlust des Kontakts zwischen den Wählern und den Gewählten ist ein europaweites Phänomen, das sowohl das nationale und lokale Regieren als auch die Europäische Union betrifft. Es handelt sich hier um ein Problem, das, wenn man es ignoriert, noch zu weiteren unerfreulichen Mutationen führen kann, wie als nächstes vielleicht Deutschland im September erfahren wird."



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.