Umgang mit Flüchtlingen Das sagt die internationale Presse über Deutschland

Pegida, Freital, Heidenau - war da was? Weltweit preisen Medien und Hilfsorganisationen, wie sich deutsche Behörden und Bürger um Flüchtlinge kümmern. Kritische Stimmen mahnen aber auch, an langfristige Lösungen zu denken.

In Deutschland angekommen: Sehnsuchtsort vieler Flüchtlinge
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In Deutschland angekommen: Sehnsuchtsort vieler Flüchtlinge


Bis vor Kurzem war Deutschland in der internationalen Presse das Land, das mit öffentlich ausgetragenem Hass wie in Freital und Heidenau auffiel. Mit der Aufnahme von vielen Tausend Asylsuchenden verändert sich das Bild: Deutschland wird weltweit nun als Beispiel für humanitäre Hilfe und großzügige Gastfreundschaft gesehen.

Die "New York Times" etwa berichtet auf ihrer Titelseite über freiwillige Helfer, die die Flüchtlinge am Münchener Bahnhof begrüßen: "Deutsche tragen Willkommensplakate auf Deutsch, Englisch und Arabisch zum Bahnhof, um die erste Gruppe von insgesamt 8000 Flüchtlingen zu begrüßen. Die Deutschen applaudieren, Freiwillige bieten den ersten 450 Menschen heißen Tee, Nahrung und Spielzeug an", so der Bericht in der Samstagsausgabe.

Kanzlerin Angela Merkel habe nun die moralische Führung in Europa inne, nachdem sie angekündigt hatte, alle syrischen Flüchtlinge dürften nach Deutschland kommen und einen Asylantrag stellen, so die "New York Times". Die Zeitung zitiert allerdings auch Bedenkenträger in dieser Sache wie den britischen Premier David Cameron: Ausnahmeregelungen wie die von Merkel würden nur noch mehr Flüchtlinge dazu bringen, die Lager im Libanon, in Jordanien und in der Türkei zu verlassen und sich mithilfe von skrupellosen Schlepperbanden auf den gefährlichen Weg zu machen, in Deutschland das Glück zu suchen.

Auch der britische "Telegraph" berichtet über den Empfang der Flüchtlinge. "Das ist der herzerwärmende Moment, in dem Dutzende von Migranten in Frankfurt ankommen" betitelt der "Telegraph" ein kurzes Video vom Frankfurter Bahnhof, in dem enthusiastische Willkommensszenen zu sehen sind.

Kenneth Roth, Geschäftsführer von Human Rights Watch, twitterte am Sonntag: "Hut ab für Deutschland für den herzlichen Empfang der Asylsuchenden".

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Er bezog sich dabei auf einen Bericht des britischen "Guardian". "Während die Politiker Europas weiter zanken, werden verzweifelte Reisende in München aufgenommen und versorgt", schreibt die Zeitung über deutsche Gastfreundschaft. Das Blatt übt aber auch Kritik: "Deutschland zu loben ist gut, aber die Antwort auf die Flüchtlingskrise kann nicht nur idealistisch sein. Ein effizientes Asylsystem muss nun aufgesetzt werden."

Die "Neue Zürcher Zeitung" berichtet von einer reibungslosen Organisation. Die Stadt München sei sehr gut vorbereitet, die Stimmung sei entspannt, niemand aggressiv.

Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera sieht in der Flüchtlingskrise eine Spaltung der EU: Die Europäische Union tue sich schwer, eine Lösung zu finden, während Deutschland Tausende weitere Flüchtlinge aufnehme.

Die spanische Zeitung "El País" analysiert, dass Spanien für viele Flüchtlinge nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Deutschland sei: "Während deutsche und schwedische Städte große Zeltlager aufstellen, um die vielen Neulinge zu begrüßen, ist Spanien vom größten Flüchtlingsexodus seit dem Zweiten Weltkrieg ausgenommen."

Auch das News-Portal "International Business Times" beschäftigt sich mit der Frage, warum Deutschland so anziehend auf Flüchtlinge wirkt. Die Antwort finde sich unter anderem in der starken wirtschaftlichen Lage und dem Regierungsstil Angela Merkels. Deutschland sei für viele Flüchtlinge das gelobte Land. Aber die Reaktion der deutschen Bevölkerung sei nicht durchweg positiv: Schließlich versuchten Pegida und Neonazis in Freital und Heidenau, Asylsuchende abzuschrecken.

cpa

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