Pressestimmen zum Brexit-"Super Saturday" "Ein Parlament der Esel, geführt von Fadenwürmern"

"Der Tag endete im Chaos", schreibt der "Guardian" - ganz so, als ob zuvor alles in geordneten Bahnen gelaufen wäre. Pressestimmen zum vertagten Brexit-Votum am "Super Saturday".
"Nightmare on Downing Street" - Demonstration in London am Samstag

"Nightmare on Downing Street" - Demonstration in London am Samstag

Foto: Kirsty Wigglesworth/AP

"Sunday Times":

"Die Stimmung wird sich wieder beruhigen, aber eines ist auffallend deutlich: Wenn es zu einer Neuwahl kommt, sollten wir sie nicht weiter verzögern. Nachdem Downing Street bei der Vertagung des Parlaments getrickst hat, könnten Boris Johnsons Gegner für eine Verzögerung der Wahlen eintreten, um einen No-Deal-Brexit zu verhindern. Derzeit sind solche Argumente aber nicht passend. Die Labour-Partei pocht darauf, dass sie keine Angst vor einer Wahl hat. Sie sollte dies nun beweisen."

"The Guardian":

"Der Tag endete im Chaos, mit einem schlecht gelaunten Jacob Rees-Mogg, der sich weigerte, irgendjemandem zu sagen, was genau die Regierung für die kommende Woche plant. Sie könnte versuchen, am Montag noch einmal über ihren Vorschlag abstimmen zu lassen - vielleicht aber auch nicht. Es solle Abstimmungen geben. Manche bedeutend, andere bedeutungslos. Ein Parlament der Esel, geführt von Fadenwürmern. Und nicht einmal sonderlich intelligenten."

SPIEGEL ONLINE

"Mail on Sunday":

"Der nationale Blutdruck hat einen gefährlichen Punkt erreicht. Kann unsere politische Klasse wirklich nicht verstehen, dass sie nicht länger so tun kann, als spielten sie Teenager-Spiele in einem Hochschul-Debattierclub?

Jeder weitere gescheiterte Versuch des Parlaments, sich auf einen geregelten Brexit zu einigen, verstärkt den Druck auf unsere Verfassung. Das Vertrauen ins Unterhaus, Ort der Weisheit, Erfahrung und Verantwortung, ist fast vollständig verloren. Und es wird auch nicht so bald zurückkehren. Wie der Premierminister gestern ganz richtig sagte, zerfrisst das Verhalten der Abgeordneten das Vertrauen der Öffentlichkeit. Noch viel mehr davon, und unsere gesamte Tradition der parlamentarischen Politik könnte in Gefahr geraten."

"Neue Zürcher Zeitung am Sonntag":

"Es reicht nicht, einen No Deal, also einen vertragslosen Austritt, zu verhindern. Irgendwann muss man dafür auch einem Deal zustimmen. Die Abgeordneten müssen aufhören, nur regionale oder parteitaktische Interessen zu verfolgen. Es geht nun darum, das Land aus seiner Blockade zu erlösen. Wenn das Parlament nächste Woche Johnsons Vertrag abschmettert, gibt es nur eins: Neuwahlen. Vielen wird dann das Lachen vergehen."

"Zeit Online":

"Das Gezerre mit dem Parlament wird daher - so traurig es ist - noch länger weitergehen. Denn selbst wenn dieser Deal bis zum 31. Oktober wirklich beschlossen wird, beginnen die Verhandlungen von Neuem. Schließlich soll bis Ende 2020 zwischen EU und Großbritannien ein Freihandelsvertrag stehen. Und am Ende dessen steht wieder die Gefahr des No-Deal-Brexits. Dieser Samstag war daher wieder nur ein letztlich unbedeutender Zwischenschritt auf dem zermürbend langen Weg Großbritanniens aus der EU."

pbe/dpa