Provokation mit Ansage "Pro Deutschland"-Chef will Mohammed-Film in Berlin zeigen

Die rechtspopulistische Kleinpartei "Pro Deutschland" begrüßt die wütenden Proteste in der muslimischen Welt - und damit nicht genug: Partei-Chef Rouhs will nach Informationen des SPIEGEL den umstrittenen Mohammed-Film "Die Unschuld der Muslime" in Berlin zeigen. In voller Länge.
Demonstration gegen Mohammed-Film vor der US-Botschaft in Kairo

Demonstration gegen Mohammed-Film vor der US-Botschaft in Kairo

Foto: AMR ABDALLAH DALSH/ REUTERS

Hamburg - In dem Film "Die Unschuld der Muslime" wird der Prophet Mohammed als blutrünstig und sexuell abartig dargestellt. Das Video ist offenbar mit dem Ziel gemacht worden, Muslime möglichst heftig zu provozieren. Dieses Ziel hat er auch erreicht und für wütende Reaktionen in der muslimischen Welt gesorgt. US-Außenministerin Hillary Clinton nannte den Film "widerlich und verwerflich".

Angesichts der Eskalation hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) die Veröffentlichung eines Werbetrailers für einen antiislamischen Film auf der Website von "Pro Deutschland" scharf kritisiert. "Solche Gruppen und Organisationen wollen die Islamisten auch in Deutschland provozieren", so Friedrich. "Damit gießen sie grob fahrlässig Öl ins Feuer."

Im SPIEGEL beharrte "Pro Deutschland"-Chef Manfred Rouhs darauf, er wolle den umstrittenen Film in voller Länge in Berlin zeigen. "Uns geht es um die Kunst- und Meinungsfreiheit", sagte Rouhs.

Der Bundesinnenminister kündigte an: "Dagegen muss man mit allen rechtlich zulässigen Mitteln vorgehen." Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) bekräftigte, "die Protagonisten der salafistischen Szene in Nordrhein-Westfalen ab sofort noch stärker ins Visier" zu nehmen.

Werden Muslime gegen Einrichtungen in Deutschland vorgehen?

Der Angriff auf die deutsche Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum war offenbar eine Vergeltungsaktion für das Zeigen von Mohammed-Karikaturen in Berlin. Bereits am ersten Freitag im September hatten mehrere radikale Vorbeter in Khartum in ihren Predigten auf eine Demonstration der rechtspopulistischen "Pro Deutschland"-Bewegung hingewiesen, bei der am 18. August in Berlin Karikaturen des Propheten vor drei Moscheen gezeigt worden waren.

In ihren Gebeten hatten die Imame auch auf die Entscheidung des Berliner Verwaltungsgerichts hingewiesen, das Zeigen der Mohammed-Karikaturen zu erlauben.

Am Dienstag vergangener Woche hatten sich daraufhin mehrere islamistische Organisationen in Khartum getroffen und mit Verweis auf die Berliner Gerichtsentscheidung zu einer Demonstration vor der deutschen Botschaft aufgerufen.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat bereits am Vorabend der Attacke in Khartum vor Angriffen auf deutsche Einrichtungen gewarnt. Es sei damit zu rechnen, schreiben die Staatsschützer vom BKA in einem internen Papier, dass das islamfeindliche YouTube-Video eine "breite Mehrheit der Muslime" erreichen und "empfindlich ansprechen wird". Auch Muslime in Deutschland könnten sich aufgerufen fühlen, Aktionen gegen amerikanische und jüdische Einrichtungen zu starten.

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jjc
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