Probleme mit Brennelementen Iran bangt um Pannenreaktor Buschehr

Irans Atomprogramm droht ein schwerer Rückschlag: Laut Presseberichten müssen mehr als 160 Brennelemente aus dem Reaktor in Buschehr entfernt werden. Experten vermuten neue Probleme mit dem Computerwurm Stuxnet - und schließen ein komplettes Scheitern des Projekts nicht aus.
Atomkraftwerk Buschehr: Mit deutscher Hilfe begonnen

Atomkraftwerk Buschehr: Mit deutscher Hilfe begonnen

Foto: Abedin Taherkenareh/ dpa

Stuxnet

Hamburg - Laut dem Chef der iranischen Atomenergieorganisation ist es "das außergewöhnlichste Kraftwerk der Welt". Bemerkenswert am Reaktor Buschehr ist bislang aber vor allem seine jahrzehntelange Entstehungsgeschichte. Der Bau begann schon im Jahr 1974 mit Hilfe von Siemens-Ingenieuren. Immer wieder kam es danach zu Unterbrechungen, wiederholt wurde die Baustelle im Krieg gegen den Irak sogar bombardiert. Ende vergangenen Jahres infizierte dann auch noch der Computerwurm den Reaktor. Trotz allem: Im Februar sollte Buschehr endlich ans Netz gehen.

Internationale Atomenergiebehörde IAEA

Daraus wird offenbar nichts. Teheran informierte die laut einem Bericht der "New York Times" am Mittwoch darüber, dass 163 Brennelemente aus dem Kern des Kraftwerks wieder entfernt werden müssten. Iran müsse den gesamten Reaktorkern ausbauen, berichtet auch die Deutsche Presseagentur dpa unter Berufung auf diplomatische Kreise in Wien.

Zur Ursache der neuen Panne gibt es bislang nur Vermutungen. Laut "New York Times" halten Experten es aber für möglich, dass Stuxnet erneut für Probleme sorgt. Iran hatte zwar einen Befall durch den Computervirus eingeräumt, ihn aber angeblich erfolgreich aus den Anlagen in Buschehr entfernen können. Russland, mit dessen Hilfe Iran die Anlage fertigstellt, hatte kürzlich weitere Untersuchungen von Stuxnet gefordert und vor einem Atomunglück gewarnt.

Warnung vor einem zweiten Fall Tschernobyl

Laut Agenturberichten von Anfang Februar hat Stuxnet Steuerungscomputer befallen und könnte diese auch gezielt stören. Daher habe zumindest die Möglichkeit bestanden, dass Techniker beim Hochfahren des Reaktors Buschehr im Störfall keine Fehlermeldungen bekommen hätten. Es hätte damit zu einer Kernschmelze wie in Tschernobyl kommen können.

Tschernobyl

Der US-Wissenschaftler David Albright wiederholte in der "New York Times" die Warnungen, wonach in Buschehr ein Unglück wie 1986 in der Ukraine möglich wäre. "Mit dieser Art von Reaktor kann man einen Unfall wie in haben", sagte der Präsident des privaten Institute for Science and International Security. Laut dem Nukleartechniker David A. Lochbaum könnte die Entfernung der Brennstäbe ebenso auf ein kleineres technisches Problem wie auf das komplette Scheitern des Projekts hindeuten. "Es könnte einfach und peinlich sein, aber auch bedeuten, dass das Spiel aus ist."

Der jüngste IAEA-Bericht hatte die Entfernung der Brennelemente nur am Rande erwähnt. Sein Schwerpunkt lag auf neuen Anhaltpunkten dafür, dass Irans Atomprogramm auch militärischen Zwecken dient. Demnach liegen der Behörde Informationen vor, die auf Experimente mit Komponenten nuklearer Waffen schließen lassen. In dem Bericht heißt es allerdings auch, dass die Anreicherung von Uran in Iran seit 18 Monaten unterbrochen sei, was auf Engpässe in der Versorgung mit dem Rohstoff hindeute.

dab/dpa/dapd
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