Prodi-Nachfolge Verhofstadt zieht Kandidatur zurück

Der von Deutschland und Frankreich für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten favorisierte belgische Regierungschef Guy Verhofstadt hat seine Kandidatur zurückgezogen. Ein Kompromisskandidat ist bislang nicht in Sicht.


Will nun doch nicht EU-Kommissionspräsident werden: Guy Verhofstadt
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Will nun doch nicht EU-Kommissionspräsident werden: Guy Verhofstadt

Brüssel - "Ich stehe nicht länger zur Verfügung", sagte Verhofstadt unmittelbar nachdem der EU-Gipfel am Freitag in Brüssel die Entscheidung über die Personalie verschoben hatte. "Ich wollte nicht, dass die Unsicherheit Wochen dauert", fügte er hinzu. Die konservative Europäische Volkspartei (EVP) hatte gegen ihn den britischen EU-Außenkommissar Chris Patten ins Rennen geschickt, für den sich aber ebenfalls keine Mehrheit abzeichnete.

Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, der immer wieder als Wunschkandidat fast aller Länder im Gespräch war, bestätigte auch nach der Verschiebung der Entscheidung, er stehe nicht zur Verfügung. "Ich bin ein altmodischer Politiker. Ich finde: Wer das, was er vor der Wahl sagt, danach auch tut, sollte nicht als Dorftrottel behandelt werden", sagte er. Juncker hatte vor seiner Wiederwahl am Sonntag versprochen, er bleibe in Luxemburg.

Die Entscheidung, wer neuer EU-Kommissionspräsident wird, könnte nun nach Einschätzung des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi innerhalb von zehn Tagen und damit noch unter irischer Ratspräsidentschaft fallen.



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