Prognosen Evo Morales gewinnt Wahlen mit großer Mehrheit

Klarer Sieg bei der ersten Präsidentschaftswahl in Bolivien unter neuer Verfassung: Amtsinhaber Evo Morales errang Prognosen zufolge zwischen 61 und 63,2 Prozent der Stimmen. Damit lag der erste indigene Präsident des südamerikanischen Landes weit vor seinem ärgsten Rivalen.

Bei der Wahl: Boliviens Präsident Evo Morales gibt seine Stimme ab
dpa

Bei der Wahl: Boliviens Präsident Evo Morales gibt seine Stimme ab


La Paz - Boliviens linker Staatschef Evo Morales, 50, ist bei der ersten Präsidentenwahl unter der neuen Verfassung am Sonntag mit überragender Mehrheit im Amt bestätigt worden. Für den Präsidenten indigener Herkunft stimmten nach Prognosen zwischen 62 und 63 Prozent. Das sind fast zehn Prozentpunkte mehr als bei seiner ersten Wahl 2005. Sein schärfster Widersacher, der konservative frühere Militär Manfred Reyes Villas, kam nach Angaben der Umfrageinstitute Ipsos und Equipos Mori demnach nur auf 23 bis 24 Prozent.

Auch im Senat scheint Morales künftig auf eine Mehrheit seiner Partei "Bewegung zum Sozialismus" (MAS) bauen zu können. Nach übereinstimmenden Angaben mehrerer Meinungsforschungsinstitute eroberte die MAS 25 der insgesamt 36 Sitze im Senat. Im Abgeordnetenhaus war ihm eine Mehrheit sicher.

Nach diesen Angaben siegte Morales sogar knapp in der früheren Hochburg seiner Gegner, der wohlhabenderen Provinz Santa Cruz. Dort hätten 43,5 Prozent für den Amtsinhaber und 43,2 für seinen schärfsten Rivalen Manfred Reyes Villa gestimmt. Mit aussagekräftigen offiziellen Ergebnissen wurde erst am frühen Montag gerechnet.

"Wie jeder Bürger erfülle ich meine Pflicht, an der Wahl teilzunehmen und so die Revolution in Bolivien zu stärken und zu vertiefen", hatte Morales bei der Stimmabgabe in der Provinz Cochabamba gesagt. Dann überraschte er das Land mit der Ankündigung, er wolle eventuell 2015 ein drittes Mal antreten. Sein Argument: Die jetzige Wahl sei die erste unter der neuen Verfassung, die eine Wiederwahl erlaube.

Morales verstaatlichte Öl- und Erdgasunternehmen

Morales, dessen erste Amtszeit von zahlreichen Konflikten begleitet wurde, hatte kurz vor der Abstimmung betont, sein Reformprojekt sei noch nicht abgeschlossen. "Ich will für fünf weitere Jahre Präsident sein, um die Reformen und die industrielle Nutzung unserer Bodenschätze, die wir 2006 begonnen haben, zu vollenden", sagte er.

Morales betreibt eine Politik, die nach seinen Worten der benachteiligten indigenen Mehrheit zu mehr Rechten verhelfen soll. Die Besitzverhältnisse in Bolivien ließ er jedoch weitgehend unangetastet. Allerdings wurden Öl- und Erdgasunternehmen verstaatlicht, damit die Gewinne aus der Ausbeutung der Bodenschätze im Land bleiben. Armen Bauern soll zudem zu Land verholfen werden. Außerdem setzte Morales unter großem Widerstand der konservativen Opposition eine neue Verfassung durch.

Die Opposition wirft Morales vor, das Land in die Abhängigkeit von Venezuela geführt zu haben und eine rassistisch gefärbte kommunistische Diktatur errichten zu wollen.

otr/dpa/Reuters



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