Protest gegen China Tausende demonstrieren gegen Fackellauf in San Francisco - Obama appelliert an Bush

Tumulte und Durcheinander beim olympischen Fackellauf durch San Francisco: Aus Angst vor Protesten wurde die Route verkürzt und verändert, die Flamme fuhr zeitweilig per Bus. Präsidentschaftsbewerber Obama ermuntert US-Präsident Bush, die Olympia-Eröffnung in Peking zu boykottieren.


San Francisco - Gleich zu Beginn des Olympischen Fackellaufs in den USA haben die Veranstalter auf die Gefahr gewaltsamer Proteste reagiert: Die Fackel war unter einem großen Polizeiaufgebot gegen 22 Uhr wie geplant entzündet worden. Doch bereits wenige Minuten später verschwand der erste Läufer in den gesicherten Bereich eines Hafengebäudes. Dort könnte die Flamme auf ein Boot verladen werden, hieß es zunächst. Erst knapp eine Stunde später tauchte die Flamme in der Innenstadt, weitab der eigentlich geplanten Strecke, wieder auf. Fackel und Läufer waren mit einem Bus dorthin gebracht worden.

Angesichts der anhaltenden weltweiten Proteste gegen die chinesische Regierung bezog auch zum ersten Mal der demokratische Präsidentschaftskandidat Obama klare Position: Obama appellierte an US-Präsident George W. Bush, er solle ein deutliches Zeichen gegen die China-Politik setzen. Sollte das Land seine Politik in Tibet und in der sudanesischen Region Darfur nicht ändern, müsse Bush der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Peking aus Protest fernbleiben, sagte Obama.

Zu Beginn der Woche hatte bereits seine innerparteiliche Konkurrentin Hillary Clinton die China-Politik zum Wahlkampfthema gemacht und Bush aufgefordert, Konsequenzen aus der Niederschlagung des Aufstands in Tibet zu ziehen. Falls Peking die Menschenrechtslage nicht verbessere, solle Bush der Olympia-Eröffnungsfeier fernbleiben, sagte Clinton.

Das Weiße Haus hatte heute bekräftigt, dass Bush zu den Olympischen Spielen nach Peking reisen werde. Seine Sprecherin Dana Perino ließ jedoch die Möglichkeit offen, ob der Präsident bei der Eröffnungsfeier dabei sein werde. Bush hat sich bislang mit scharfer Kritik an China zurückgehalten. Jedoch forderte er China am Mittwoch erneut zu einem offenen Dialog mit dem Dalai Lama auf. Es würde der chinesischen Regierung zugutekommen, wenn sie Gespräche mit Vertretern des Dalai Lama beginnen würde, sagte Bush in Washington.

Brown bläst Peking-Reise ab

Am Nachmittag hatte der britische Premierminister Gordon Brown erklärt, er werde nicht an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking teilnehmen. Brown werde aber bei der Schlussfeier dabei sein, hieß es aus Browns Büro. Die Sprecherin bestand darauf, dass der Premierminister bereits lange vor den massiven Protesten gegen Chinas Tibet-Politik beim olympischen Fackellauf nicht die Absicht gehabt habe, an der Olympia- Eröffnung teilzunehmen. Es bleibe bei Browns Erklärung, dass Großbritannien die Spiele nicht boykottieren werde.

Jedoch hatte Brown noch Ende März bei einer Pressekonferenz mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy in London erklärt, Großbritannien werde in jedem Fall an der Eröffnungszeremonie teilnehmen. Menschenrechtsgruppen hatten Brown in den vergangenen Tagen aufgefordert, die Eröffnungsfeier aus Protest gegen die chinesische Unterdrückung der Tibeter zu boykottieren.

Sonderschichten in San Francisco

Der Fackellauf der Olympischen Flamme verlief am Mittwoch vergleichsweise friedlich: An der Hafenpromenade von San Francisco versammelten sich Tausende Demonstranten und Schaulustige, um die olympische Fackel zu empfangen. Eskortiert von Hunderten Sicherheitskräften trugen über 70 Läufer die symbolische Flamme durch die Stadt. Vier Fackelträger hatten aus Angst vor Tumulten ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt.

Am Rande des Fackellaufs kam es zu mehreren Zusammenstößen mit der Polizei. Ein Mann, der eine tibetische Flagge entrollen wollte, wurde festgenommen. Nach Angaben der Polizei wurde die bereits im Vorfeld auf knapp fünf Kilometer verkürzte Strecke noch weiter reduziert. "Die Menschen blockieren die Straßen, deshalb müssen wir die Strecke kürzen", sagte ein Polizeisprecher ohne weitere Details zu nennen. Bürgermeister Gavin Newsom hatte bereits angekündigt, die Strecke je nach Entwicklung kurzfristig abzuändern.

Ursprünglich sollte die Flamme entlang der Hafenpromenade getragen werden, die Golden Gate Bridge sowie Chinatown wurden ausgespart. In London und Paris waren am Sonntag und Montag anti-chinesische Proteste am Rande der Laufstrecke gewaltsam eskaliert. In Paris musste die Flamme vorübergehend sogar gelöscht werden. Zu ihrem Zielort wurde sie schließlich im Bus gebracht.

Entlang der Strecke waren die Sicherheitsmaßnahmen bereits Stunden vor Beginn des Laufs massiv verschärft worden. Auch der Zugang zur Golden Gate Bridge wurde kontrolliert, wo Demonstranten am Montag ein Protest-Transparent aufgehängt hatten. Über 700 Polizisten, darunter auch einige FBI-Agenten, waren im Einsatz. Rund um das Chinesische Konsulat standen Absperrungen und Sicherheitskräfte. Auch die Küstenwache musste Sonderschichten schieben und sicherte Hafengelände und Ufergebiete der Stadt mit Patrouillenbooten ab.

Lange vor der offiziellen Ankunft des Feuers marschierten bereits Hunderte Demonstranten durch die Straßen der Stadt an der Westküste der USA. Mit Blick auf das Vorgehen der Volksrepublik in Tibet riefen sie "Schande über China".

Gere und Tutu hielten Mahnwache

Am Vorabend versammelten sich rund 1000 Menschen zu einer Kundgebung und einer Mahnwache. Dabei forderten der Schauspieler Richard Gere und der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu US-Präsident Bush auf, die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Peking zu boykottieren. Die Proteste richteten sich nicht gegen die Fackelläufer, sagte Lhadom Tethong von der Gruppe Studenten für ein freies Tibet. "Es geht hier um die chinesische Regierung, die den Fackellauf für politische Propaganda nutzt."

Die Demonstranten verurteilen das Vorgehen der chinesischen Behörden in Tibet: Die Regierung in Peking macht den im Exil lebenden Dalai Lama für die jüngsten Unruhen in der Himalaya-Region Tibet verantwortlich. Die Tibeter lehnen sich gegen die chinesische Herrschaft auf und verlangen mehr Autonomie.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will noch in dieser Woche darüber beraten, wie der Fackellauf künftig gestaltet werden soll. IOC-Präsident Jacques Rogge hatte dementiert, das Internationale Olympische Komitee erwäge einen Verzicht auf die außerhalb Chinas geplanten Etappen der Olympischen Flamme. Nächste Station der Fackel ist Buenos Aires. Am 4. Mai trifft sie in China ein.

amz/Reuters/dpa/AP

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