Proteste in Istanbul Polizei setzt Wasserwerfer gegen "Cumhuriyet"-Sympathisanten ein

Nach der Festnahme regierungskritischer Journalisten versammelten sich in Istanbul Demonstranten zu einer Solidaritätskundgebung - die Veranstaltung wurde von der Polizei gewaltsam aufgelöst.


Über dem Istanbuler Viertel Sisli kreisten Hubschrauber am Himmel, die Polizei rückte mit Wasserwerfern und Tränengas an. Auf diese Weise wurden Demonstranten auseinandergetrieben, die zum Redaktionsgebäude der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" ziehen wollten. Eine Solidaritätsbekundung für die Journalisten des Blattes.

Kurz zuvor hatten die türkischen Behörden Haftbefehl gegen "Cumhuriyet"-Chefredakteur Murat Sabuncu und acht weitere führende Mitarbeiter erlassen. Die türkische Justiz wirft ihnen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vor sowie zur Bewegung des im US-Exil lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen, den Ankara für den Putschversuch von Mitte Juli verantwortlich macht.

Außerdem wurden neun weitere Politiker der prokurdischen Oppositionspartei HDP festgenommen. Zuvor, in der Nacht zum Freitag, waren bei Razzien der türkischen Polizei bereits elf HDP-Abgeordnete festgesetzt worden, darunter die Parteichefs Selahattin Demirtas und Figen Yüksekdag.

Das Vorgehen des Nato-Partners Türkei gegen die HDP und "Cumhuriyet", die letzte große regierungskritische Zeitung im Land, hat international Empörung ausgelöst.

Auch in Deutschland kam es zu Protesten gegen die Festnahmen und die repressive Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. In Köln versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 3000 Demonstranten auf einem Platz in der Kölner Innenstadt. Die Veranstalter erwarteten bis zu 15000 Teilnehmer. Einige Hundert Polizisten schirmten die Kundgebung ab, laut Behördenangaben verlief der Protest friedlich.

cbu/Reuters/AFP

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