Protest gegen Gewaltwelle Ägypten zieht Botschafter aus Syrien ab

Wegen ihres brutalen Vorgehens gegen Demonstranten steigt der Druck auf die syrische Führung: Jetzt hat auch Ägypten seinen Botschafter aus Damaskus abgezogen. Damit gerät Syrien auch in der arabischen Welt zusehends in die Isolation.

Trauermarsch von Aktivisten in Damaskus: Syrien gerät in die Isolation
AFP/ LCC Syria

Trauermarsch von Aktivisten in Damaskus: Syrien gerät in die Isolation


Kairo/Damaskus - Nach dem anhaltend brutalen Vorgehen der syrischen Führung zieht jetzt auch Ägypten Konsequenzen und zieht seinen Botschafter Shukri Ismael aus Damaskus ab. Das meldete die ägyptische Nachrichtenagentur Mena am Sonntag, wobei ein konkreter Grund für die Entscheidung des ägyptischen Außenministers Mohammed Amr zunächst nicht bekannt gegeben wurde.

Wie das Außenministerium bekanntgab, soll Ismael bis auf weiteres in Kairo bleiben und vorerst nicht wieder an seinen Dienstort Damaskus zurückkehren. Der ägyptische Botschafter war für einen Besuch in die Hauptstadt gereist. Es wird aber vermutet, dass die Regierung Ägyptens mit dieser diplomatischen Maßnahme den Druck auf den syrischen Staatschef Baschar el Assad verschärfen will.

Ägypten folgt damit anderen arabischen Ländern, die ihre Botschafter teilweise schon vor einigen Monaten aus Syrien abgezogen hatten. Dazu gehören Tunesien, Libyen, Katar, Kuwait, Bahrain und Saudi-Arabien.

Die Gewalt im Syrien und die zunehmend blutige Unterdrückung von Protesten durch das Regime gehen unvermindert weiter. Die Regierungstruppen setzten auch am Sonntag nach Angaben von Aktivisten den Beschuss des Viertels Baba Amr in der Stadt Homs und anderen Provinzen Syriens fort. In der Stadt Idlib wurden ein Richter und ein ranghoher Staatsanwalt erschossen.

Staatsanwalt und Richter getötet

Laut einem Bericht der amtlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana haben die bewaffneten Täter das Feuer auf ein Auto eröffnet, in dem die beiden Männer saßen. Außer dem Staatsanwalt der Provinz Idlib und dem Richter sei auch ihr Fahrer erschossen worden, alle drei seien sofort tot gewesen.

Aufständische kontrollieren Teile der Provinz, die an die Türkei grenzt. Sie ist eine der Regionen, die vom Vorgehen der Truppen der Regierung von Präsident Baschar Assad gegen Aufständische besonders betroffen ist.

Tags zuvor wurde laut Sana ein Mitglied des Stadtrats von Aleppo erschossen. Die im Norden des Landes gelegene größte syrische Stadt gilt als eines der Zentren der Anhänger von Assad, dort blieb es seit Beginn der Proteste im vergangenen März vergleichsweise ruhig. Der Stadtrat wurde in der Nähe von Aleppo getötet.

Regierungstruppen hätten auch die im Osten gelegene Stadt Suchna gestürmt, teilte das in London ansässige syrische Observatorium für Menschenrechte weiter mit. Dort hätten sie nach untergetauchten Oppositionsmitgliedern gesucht. Dabei sei eine Frau erschossen worden.

In der Hauptstadt Damaskus hatten am Samstag Hunderte Syrer gegen Assad demonstriert. Bisher galt die Hauptstadt als Hochburg des Regimes, die kaum von der Protestbewegung erfasst wurde.

Unterdessen haben die syrischen Behörden drei bekannte Aktivistinnen freigelassen, die Mitte vergangener Woche bei einer Razzia im Zentrum für Medien und Meinungsfreiheit festgenommen worden waren. Menschenrechtler berichteten am Sonntag, Hanadi Sahlut, Rasan Ghassawi und Jara Badr seien am Samstagabend wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Der Direktor des Zentrums, Masen Darwisch, und zwölf weitere Männer, die nach der Razzia eingesperrt worden waren, befinden sich den Angaben zufolge noch in Haft. Für mehrere der festgenommenen Demokratie-Aktivisten war dies nicht die erste Festnahme gewesen.

In Syrien lässt die Führung um Präsident Assad seit fast einem Jahr eine Protestbewegung blutig unterdrücken. Dabei kamen nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen bisher mehr als 6000 Menschen ums Leben. Bei landesweiten Protesten gegen die Regierung wurden am Freitag erneut mindestens 30 Menschen getötet.

cib/Reuters/dapd/dpa

insgesamt 8 Beiträge
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spondascampagnenmedium 19.02.2012
1. Die Arabische Welt
"...auch in der arabischen Welt zusehends in die Isolation..." Protest gegen Gewaltwelle: Ägypten zieht Botschafter aus Syrien ab - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816215,00.html)[/QUOTE] Was genau verstehen Sie unter der "Arabischen Welt"?
AKI CHIBA 19.02.2012
2. Sunnitische Welt!
Zitat von spondascampagnenmedium"...auch in der arabischen Welt zusehends in die Isolation..." Protest gegen Gewaltwelle: Ägypten zieht Botschafter aus Syrien ab - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816215,00.html)[/QUOTE] Was genau verstehen Sie unter der "Arabischen Welt"?
Was genau verstehen Sie unter der "Arabischen Welt"?[/QUOTE] Nicht in der arabischen Welt! In der sunnitischen!
aeronaut79 19.02.2012
3. Grotesk
Ein Land in dem die Scharia herrscht, zieht seinen Botschafter wegen einer Gewaltwelle aus einem anderen Land zurück. Bemerkt jemand die Ironie?
ceilks 19.02.2012
4.
Zitat von AKI CHIBAWas genau verstehen Sie unter der "Arabischen Welt"?[/QUOTE] Nicht in der arabischen Welt! In der sunnitischen!
Naja, die zwei bevölkerungsreichsten unter den Ländern mit sunnitischer Mehrheit haben bisher recht wenig getan um Syrien in Isolation zu bringen.
ceilks 19.02.2012
5.
Zitat von aeronaut79Ein Land in dem die Scharia herrscht, zieht seinen Botschafter wegen einer Gewaltwelle aus einem anderen Land zurück. Bemerkt jemand die Ironie?
Der Militärrat, der im Grunde mit den Menschen/Protestierenden so umgeht wie es Mubarak vorher tat, heißt also Scharia?
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