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11. März 2013, 07:06 Uhr

Protest gegen Manöver

Nordkorea kappt heißen Draht zum Süden

Seit 9 Uhr Ortszeit am Morgen herrscht Funkstille: Nordkorea hat eine wichtige Telefonverbindung zum Süden unterbrochen. Über die Leitung liefen bisher täglich zwei Anrufe. Zuvor hatten die USA und Südkorea ein weiteres Manöver in der Krisenregion gestartet.

Pjöngjang/Seoul - Nordkorea lässt das ohnehin schlechte Verhältnis zum Nachbarn im Süden weiter eskalieren. Die Regierung hat eine wichtige Kommunikationsleitung mit Südkorea an der Grenze unterbrochen. Sie reagiert damit nach eigenen Angaben auf den Beginn neuer amerikanisch-südkoreanischer Militärübungen.

Nordkorea hebe das Telefon auf seiner Seite des Grenzorts Panmunjom nicht mehr ab, so eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul am Montag. "Wir haben um 9 Uhr angerufen, aber da war keine Antwort", sagte sie.

Über diese "Rote-Kreuz-Leitung" würden werktags normalerweise zwei Anrufe zwischen beiden Seiten erfolgen. Das Regime um Diktator Kim Jong Un hatte die Funkstille zuvor mehrfach angedroht. Eine weitere Verbindung zu Uno-Vertretern an der Grenze besteht noch - könnte aber als nächstes lahmgelegt werden.

Trotz der jüngsten militärischen Drohungen Nordkoreas starteten die südkoreanischen Streitkräfte mit US-Einheiten wie geplant ihre jährliche Übung zur Kommandoschulung ("Key Resolve"). Es handelt sich dabei um eine gemeinsame Kommandoschulung.

Seit Anfang März findet bereits die mehrwöchige Feldübung "Foal Eagle" in Südkorea statt. Insgesamt sollen bei den Waffenübungen 200.000 Soldaten zum Einsatz kommen, davon 10.000 aus den USA. Nordkorea unterstellt den USA, mit den Übungen einen Nuklearkrieg anzetteln zu wollen.

Serie von Drohgebärden

Nordkorea hatte zuletzt fast täglich vor einem Krieg gewarnt. Zugleich kündigte das kommunistische Land die Annullierung des Waffenstillstandsvertrags von 1953 zur Beendigung des Korea-Kriegs an, drohte den USA mit einem atomaren Erstschlag und erklärte einen Nichtangriffspakt mit Südkorea für ungültig.

Pjöngjang reagiert damit auf die Militärmanöver in Südkorea sowie auf den wachsenden internationalen Druck wegen seines Atomwaffenprogramms. Das Land hatte am 12. Februar einen weiteren Atomtest durchgeführt. Die Aktion war international scharf verurteilt worden. Sogar der engste Verbündete China war auf Distanz zum Regime in Pjöngjang gegangen.

jok/dpa/Reuters

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