Sozialprotest in Tel Aviv Demonstrant setzt sich in Brand

Ein Israeli hat sich auf einer Demonstration in Brand gesteckt, um gegen die Sozialpolitik seiner Regierung zu protestieren. Er liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. In seinem Abschiedsbrief macht der 57-Jährige Regierungschef Netanjahu für sein Schicksal verantwortlich.
Demonstration in Tel Aviv: Für soziale Gerechtigkeit und den Ausbau des Sozialstaats

Demonstration in Tel Aviv: Für soziale Gerechtigkeit und den Ausbau des Sozialstaats

Foto: Uriel Sinai/ Getty Images

Tel Aviv - Die Sozialproteste brandeten im vergangenen Jahr auf, zeitweilig beteiligten sich Zehntausende an den Demonstrationen. Jetzt wurde ein Marsch in Tel Aviv von einem Zwischenfall überschattet: Ein 57 Jahre alter Mann übergoss sich am Samstagabend mit Benzin und steckte sich in Brand. Der Mann, Mosche S., liegt mir schweren Verbrennungen im Krankenhaus, sein Zustand ist kritisch.

Er hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem er Regierungschef Benjamin Netanjahu und Finanzminister Yuval Steinitz für sein Schicksal verantwortlich machte. "Der israelische Staat hat mich bestohlen und hilflos zurückgelassen", zitiert die Tageszeitung "Haaretz" aus dem Schreiben.

Ein Aktivist sagte dem Blatt, dass S. regelmäßig an den Sozialprotesten teilgenommen hatte, die im Sommer vergangenen Jahres in Tel Aviv und anderen Städten stattfanden. "Er war ein ganz normaler Mensch, der in Tel Aviv lebte, aber dann ging sein Unternehmen unter." In der Folge habe er als Taxifahrer arbeiten müssen, bevor er nach einem Schlaganfall arbeitslos wurde. Daraufhin sei S. gezwungen gewesen, nach Haifa zu ziehen, da er sich das Leben im Tel Aviv nicht mehr leisten konnte.

In seinem Abschiedsbrief hat er angeben, dass er sich wegen seiner misslichen Lage mehrfach an das Wohnungsbauministerium gewandt habe, das eine Unterstützung jedoch verweigerte. In der Vergangenheit soll S. bereits mehrfach gedroht haben, sich selbst in Brand zu setzen.

Am Sonntag wollen Demonstranten von S. Haus zum Rathaus von Haifa ziehen, um ihre Solidarität zu bekunden. Bereits in der Nacht protestierten Dutzende vor dem Ichilov-Krankenhaus, in dem der Mann behandelt wird.

Premier Netanjahu bezeichnete die Tat des Mannes am Sonntag als "große persönliche Tragödie". Er beauftragte die Sozial- und Wohnungsbauminister, den Fall genau zu prüfen.

An der Großkundgebung auf dem Rothschild-Boulevard in Tel Aviv hatten am Samstag etwa 8000 Menschen teilgenommen. Sie erinnerten damit an den Beginn der Sozialproteste vor einem Jahr. Die Demonstranten forderten soziale Gerechtigkeit und einen Ausbau des Sozialsystems. Außerdem warfen sie der Netanjahu-Regierung Korruption vor. Trotz aller Versprechungen unternehme die Politik weiterhin zu wenig, um die Lage der Menschen zu verbessern.

syd
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.