Protest gegen NS-Verbrecher Priebke bricht Urlaub am Lago Maggiore ab

Unerwünschter Gast: Ein Richter hatte dem deutschen NS-Kriegsverbrecher Priebke einen Kurzurlaub am Lago Maggiore genehmigt, aber Lokalpolitiker und Bevölkerung wehrten sich gegen den Aufenthalt des 92-Jährigen.


Erich Priebke: Am Lago Maggiore unerwünscht
DPA

Erich Priebke: Am Lago Maggiore unerwünscht

Rom - Priebke habe auf eigenen Wunsch beschlossen, seinen Aufenthalt abzubrechen, nachdem Bevölkerung und Lokalpolitiker offen ihrem Unmut über seine Präsenz an dem norditalienischen See Luft gemacht hatten, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Priebke sei von Sicherheitskräften in die italienische Hauptstadt zurückbegleitet worden.

Priebke hatte wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands von einem römischen Richter die Erlaubnis erhalten, einige Tage am Lago Maggiore zu verbringen. Er wohnte dort im früheren Haus eines ehemaligen hohen SS-Manns, Hermann Bickler. Eine von linken Politikern geplante Protestkundgebung vor dem Anwesen in Caldana di Besozzo sei abgesagt worden, hieß es. "Wir haben trotzdem unser Ziel erreicht. Wir sind natürlich froh darüber, dass Priebke abgereist ist und wir wünschen uns sehr, dass er nicht mehr in diese Gegend zurückkommt", sagte der Oppositionspolitiker Giovanni Martina, einer der Organisatoren der Demonstration.

Seine Mitstreiter und er hatten in der Stadt Zettel aufgehängt, auf denen ein Ende der "skandalösen Ferien" gefordert wird. "In unserer Provinz gaben viele bereitwillig ihr Leben, um die Freiheit und die Demokratie gegen den Faschismus der Nazis zu verteidigen", sagte Martina. "Die Anwesenheit dieses ehemaligen Nazi-Offiziers hier ist eine Beleidigung ihres Andenkens".

Priebke war 1998 wegen seiner Beteiligung an dem Massaker von SS-Truppen in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom, bei dem am 24. März 1944 insgesamt 335 italienische Zivilisten erschossen wurden, zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er lebt seither unter Hausarrest in Rom.



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