Protest in Ägypten Hunderttausende Demonstranten strömen auf Tahrir-Platz

Die Gegner von Husni Mubarak demonstrieren ihre Stärke: Hunderttausende Ägypter kommen zur Stunde auf Kairos Tahrir-Platz zusammen, um gegen das verhasste Regime zu protestieren. Der Präsident kann die Demonstranten mit seinen Zugeständnissen nicht beschwichtigen.
Protest in Ägypten: Hunderttausende Demonstranten strömen auf Tahrir-Platz

Protest in Ägypten: Hunderttausende Demonstranten strömen auf Tahrir-Platz

Foto: Emilio Morenatti/ AP

Ägyptens

Husni Mubarak

Kairo - Rot, Weiß, Schwarz, das sind die Farben auf Kairos Tahrir-Platz. Fast jeder trägt sie - auf Stirnbändern und Flaggen. Es sind die Farben und für die Demonstranten sind sie mehr als ein Bekenntnis zu dem nordafrikanischen Land. Vor allem sind sie ein Protestzeichen gegen Präsident .

Hunderttausende sind am Dienstag dem Demonstrationsaufruf gefolgt, sie kommen aus allen Teilen des Landes in die Hauptstadt, viele sind zum ersten Mal unter den Protestierenden. Wie etwa eine Kairoer Lehrerin: "Ich merke jetzt, dass man keine Angst haben muss."

Auf dem von Demonstranten gefüllten Tahrir-Platz spielen sich Szenen wie auf einem Volksfest ab: Eltern sind mit ihren Kindern gekommen, sie tragen sie auf ihren Schultern, man kann Popcorn und Datteln kaufen. Und an allen Ecken gibt es Verkaufsstände mit den Fahnen und Stirnbändern.

"Er ist ein sturköpfiger Mann"

Das Ziel der Demonstranten ist weiterhin klar: der Rücktritt von Husni Mubarak. Der Präsident habe offenbar immer noch nicht verstanden, dass seine Zeit vorbei sei, sagt Afaf Naged. "Er ist ein sturköpfiger Mann", sagte der 71-Jährige über Mubarak.

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massivem Protest seiner Landsleute

Der umstrittene Präsident muss weiter mit rechnen - die Massen strömen am Nachmittag immer weiter auf den zentralen Platz der Hauptstadt. Bei den Kontrollen durch das Militär bleibt alles ruhig. Niemand will, dass sich hier Mubarak-Anhänger mit Waffen unter die friedlichen Demonstranten mischen. Für Freitag ist die nächste Kundgebung gegen das Regime geplant. Die Demonstranten wollen ihr Durchhaltevermögen beweisen. Manchen fällt das inzwischen allerdings schwer: In dem Land leben mehr als 40 Prozent der Bevölkerung von weniger als zwei Dollar am Tag - einige sehen deshalb keinen anderen Ausweg, als wieder arbeiten zu gehen.

Der Staatschef signalisierte seinen Gegnern am Dienstag Entgegenkommen und ordnete die Überarbeitung der Verfassung an, wie Vize-Präsident Omar Suleiman im Staatsfernsehen mitteilte. Dies war am Sonntag bei Gesprächen mit Oppositionsvertretern vereinbart worden. Vergangene Woche hatte Mubarak erklärt, im September nicht mehr zur Wahl antreten zu wollen, und eine Änderung der umstrittenen Verfassungsartikel 76 und 77 zur Debatte gestellt. Diese setzen hohe Hürden für die Präsidentschaftskandidatur und erlauben dem Präsidenten eine uneingeschränkte Zahl an Amtszeiten.

Regierung spricht von Zeitplan für Machtübergabe

Als weiteres Zugeständnis ordnete der Präsident die Einsetzung einer Kommission zur Untersuchung der Gewalt gegen die Protestierenden an. Die Kommission solle die "schreckliche und inakzeptable" Gewalt am vergangenen Mittwoch auf dem Tahrir-Platz untersuchen, die zu "unschuldigen Opfern unter den Demonstranten" geführt habe.

Zahlreiche Menschen waren am vergangenen Mittwoch getötet worden, als Anhänger Mubaraks gegen die Regierungsgegner vorgingen. Dabei waren Vorwürfe laut geworden, bei den Mubarak-Anhängern handele es sich um bezahlte Schlägertrupps. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtete, die zweiwöchigen Proteste hätten bislang mindestens 297 Menschen das Leben gekostet. Die Zahl der Todesopfer werde aber vermutlich noch steigen.

Mubarak sprach sich außerdem für eine Fortsetzung des am Sonntag begonnenen Dialogs mit der Opposition aus. Dieser solle ermöglichen, "einen genauen Zeitplan für eine friedliche und organisierte Übergabe der Macht unter Achtung der Verfassung" zu erarbeiten, wie Suleiman erklärte. Am Montag hatte Ministerpräsident Ahmed Schafik nach der ersten Sitzung des neuen Kabinetts, das infolge der Proteste umgebildet worden war, erklärt, dass die Löhne von Staatsbediensteten sowie alle Renten zum 1. April um 15 Prozent erhöht würden.

Die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz lassen sich von Mubaraks Ankündigungen allerdings nicht beeindrucken. Auf ihren Transparenten steht: "Das Volk fordert den Rücktritt des Regimes".

hen/kaz/dpa/AFP/Reuters