Proteste gegen China Tausende Polizisten sollen olympisches Feuer in Paris schützen

Feuerlöscher-Attacken, Griffe nach der Fackel, wütende Proteste - die Bilder aus London sollen sich in Paris nicht wiederholen: Frankreich hat 3000 Polizisten aufgeboten, um Störungen des olympischen Fackellaufs zu verhindern.

Paris/Peking - Die französischen Behörden wollen Ausschreitungen wie in London bei den Protesten gegen China und seine Tibet-Politik verhindern. Ein Großaufgebot von Polizisten ist für den heutigen Montag von den Behörden aufgeboten worden, um Störungen des olympischen Fackellaufs wie am Sonntag in der britischen Hauptstadt zu verhindern. Insgesamt sind 3000 Polizisten im Einsatz. Sie sollen das Feuer auch auf Motorrädern und Rollerblades vor Protestaktionen schützen. Auch 100 Feuerwehrleute und knapp fünfzig Fahrzeuge mit Sondereinsatzkräften werden aufgeboten.

In der Nähe des Eiffelturms protestierten gegen Mittag bereits einige Hundert Demonstranten gegen China. Sie trugen tibetische Fahnen, und auf Spruchbändern wurde ein "freies Tibet" gefordert. "Alle Pariser" sollten sich am Eiffelturm versammeln und gegen "die chinesische Wirklichkeit" demonstrieren, hatte RSF-Chef Robert Ménard am Wochenende gefordert.

Das olympische Feuer war in der Nacht zum Montag in der französischen Hauptstadt eingetroffen und wurde mit massivem Polizeischutz zu einem Hotel gebracht. Der Fackelzug sollte am frühen Nachmittag am Eiffelturm beginnen und 28 Kilometer lang durch die Hauptstadt führen. 80 französische Sportler wollten die Flamme entlang der Seine, über die Champs-Elysées und vorbei am Parlament bis zu einem Stadion im Süden der Stadt tragen.

Kritiker der chinesischen Tibet-Politik haben dennoch Demonstrationen angekündigt. Französische Bürgerrechtsaktivisten planen für den Staffellauf mit der Olympischen Flamme einen "spektakulären" Protest gegen die chinesische Menschenrechtspolitik. Für den Fackelzug am Nachmittag hatte die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) "symbolische" Protestaktionen angekündigt. Die Stadt Paris wollte ihren Einsatz für die Menschenrechte mit einem großen Banner am Rathaus kundtun.

China protestierte am Montag gegen die Störungen während des Fackellaufs in London. Einige "tibetische Separatisten" hätten versucht, die Veranstaltung "zu sabotieren", wurde ein Sprecher des Organisatorenkomitees der Olympischen Sommerspiele von der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zitiert. Ihr Verhalten sei "abscheulich".

Der Fackellauf durch London war am Sonntag wiederholt von massiven Protesten begleitet worden. Ein Demonstrant versuchte, die Flamme einem Läufer zu entreißen, ein weiterer wollte sie mit einem Feuerlöscher ausblasen. 37 Personen wurden nach Polizeiangaben festgenommen. Bürgerrechtler und Tibet-Aktivisten wollten mit den Protestaktionen auf die Menschenrechtssituation in China aufmerksam machen.

IOC-Präsident Jacques Rogge zeigte sich unterdessen tief besorgt wegen der Lage in Tibet. Die internationale Situation im Zusammenhang mit den Olympischen Sommerspielen in China bereite ihm Sorge, sagte Rogge in Peking. Die chinesische Regierung steht nicht nur wegen ihres Vorgehens gegen die Proteste in Tibet international in der Kritik, sondern - mit Blick auf die Darfur-Krise - auch wegen ihrer Beziehungen zum Sudan sowie wegen der Menschenrechtslage im eigenen Land.

Die Olympischen Sommerspiele in Peking beginnen am 8. August. Der französische Außenminister Bernard Kouchner will einen Boykott der Eröffnungsfeier nach wie vor nicht ausschließen. Frankreich lasse sich weiter alle Möglichkeiten offen, sagte Kouchner im Fernsehsender LCI. Zuvor hatte schon Staatspräsident Nicolas Sarkozy erklärt, er werde sein Verhalten von der weiteren Entwicklung in Tibet abhängig machen.

China: Totenzahlen "vollkommen falsch"

China hat die von Exil-Tibetern genannten Zahlen zu "identifizierten Toten" bei den Protesten in Tibet und benachbarten Regionen als "vollkommen falsch" bezeichnet. Eine entsprechende, von der tibetischen Exilregierung vor zwei Wochen vorgelegte Liste mit den Namen von 40 Toten sei dazu gedacht, "die von der Dalai-Clique organisierte Gewalt zu verschleiern", meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag. Die chinesische Polizei habe im Fall von fünf auf der Liste genannten Menschen ermittelt, dass einer noch lebe und die übrigen vier nicht existierten. Zu den übrigen 35, die auf der Liste lediglich mit ihren Wohnorten, aber nicht mit ihren Adressen genannt würden, konnte die Polizei demnach nichts Genaueres herausfinden.

Nach Angaben der tibetischen Exilregierung mit Sitz im indischen Dharamsala starben infolge der Unterdrückung der Proteste durch die chinesischen Behörden mindestens 150 Menschen. Die chinesische Regierung beansprucht dagegen für sich, zurückhaltend auf die Proteste reagiert zu haben. Nach ihren Angaben töteten die Sicherheitskräfte niemanden. Die tibetischen Unruhestifter seien dagegen für den Tod von 20 Menschen verantwortlich. Die jeweiligen Angaben lassen sich wegen der von Peking auferlegten Beschränkungen für Reisen von Journalisten in die betreffenden Gebiete nur schwer überprüfen.

als/AP/AFP

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