Proteste gegen französische Rentenreform Randale überschatten Schülerdemos

Die Rentenreform von Präsident Nicolas Sarkozy mobilisiert Frankreichs Schüler: Tausende Gymnasiasten haben gegen die Pläne demonstriert. Dabei kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Sie setzte gegen die Randalierer Gummigeschosse ein.
Französische Schüler um brennenden Müllcontainer: Proteste im ganzen Land

Französische Schüler um brennenden Müllcontainer: Proteste im ganzen Land

Foto: PASCAL GUYOT/ AFP

Nicolas Sarkozy

Paris - Französische Schüler haben sich bei Protesten gegen die Rentenreform von Präsident Konfrontationen mit der Polizei geliefert. In mehreren Orten gingen Jugendliche am Donnerstag mit Steinen und anderen Wurfgeschossen auf Sicherheitskräfte los. Diese setzten sich teilweise mit Gummigeschossen zu Wehr.

Frankreich

Tausende Schüler gingen, teils begleitet von Arbeitnehmern, in ganz auf die Straße. Nach Angaben des Erziehungsministeriums waren 342 der rund 4300 Gymnasien im Land von Blockade- und Störaktionen betroffen. Die Gewerkschaften sprachen von 500 Schulen, von denen etwa die Hälfte blockiert worden sei. Die meisten Demonstrationen verliefen friedlich

Zu Zwischenfällen kam es unter anderem in einigen Vorstädten von Paris. So griffen Demonstranten Polizisten in Montreuil und Saint-Denis mit Wurfgeschossen an, teilte die Präfektur mit. Ein 16-Jähriger wurde leicht im Gesicht verletzt, als die Polizei Gummigeschosse einsetzte. In Nîmes ging ein Auto in Flammen auf.

Auch im südostfranzösischen Chambéry und in Lyon kam es zu Auseinandersetzungen. Dort wurden wie andernorts mehrere Demonstranten festgenommen, nachdem sie Steine geworfen sowie Bushaltestellen und Autos demoliert hatten. Im westfranzösischen Rennes blieb eine Hochschule geschlossen, weil nach Angaben der Universitätsleitung etwa 50 Autonome nachts Barrikaden errichtet hatten. Aus mehreren anderen Städten wurde von beschädigten Fahrzeugen oder eingeschlagenen Schaufensterscheiben berichtet.

Erziehungsminister Luc Chatel appellierte an die "Verantwortung jedes Einzelnen". Einige wollten womöglich "einfach destabilisieren oder eine Guerilla-Stimmung verbreiten", sagte er einem TV-Sender. Jungsozialisten und Grünen-Vertreter warfen der Polizei dagegen ein absichtlich hartes Vorgehen gegen die Jugendlichen vor. Die Schüler hatten sich erstmals in dieser Woche massiv den Protesten der Beschäftigten gegen die Rentenreform angeschlossen.

Streiks bei der Bahn und in Ölraffinerien

Parallel zu den Schülerprotesten gingen wie in den vergangenen Tagen auch die Streiks bei den Beschäftigten weiter. Sie verliefen friedlich. Betroffen waren besonders die Bahn und den Energiesektor. Zehn der zwölf Raffinerien des Landes waren lahmgelegt, Demonstranten blockierten die Zugänge zu Öllagern, unter anderem in Bassens im westfranzösischen Département Gironde. Dort hielt sich Sarkozy zu einem Besuch auf.

Die Vereinigung unabhängiger Ölimporteure warnte, dass mehr und mehr Tankstellen "trockengelegt" seien. Aus Angst vor Benzinknappheit tankten zahlreiche Autofahrer. Verkehrsstaatssekretär Dominique Busserau sagte, die Vorräte reichten noch für einen Monat. Er warnte im Fernsehen vor Hamsterkäufen: "Ich sage allen Autofahrern: Füllt eure Tanks nicht vorsorglich und legt keine Vorräte an, denn ihr braucht sie nicht." Neben Tankstellen war auch der Fernverkehr der Staatsbahn SNCF weiter beeinträchtigt. Dagegen normalisierte sich der Verkehr der Pariser Metro weitgehend.

Die Proteste sollen mindestens bis zum Wochenende weitergehen. Für Samstag ist ein weiter Aktionstag mit Demonstrationen geplant. Die Gewerkschaften wollten noch am Donnerstag über einen weiteren landesweiten Streik- und Protesttag entscheiden. Laut einer aktuellen Umfrage würde mehr als jeder zweite Franzose mittlerweile sogar einen Generalstreik befürworten.

Die Regierung gibt sich dennoch entschlossen, die Reform wie geplant umzusetzen. Im Kern soll das Mindestalter für den Bezug der vollen Rente von 60 auf 62 Jahre heraufgesetzt werden. Der Senat hat seine endgültige Abstimmung über die Reform von Freitag auf nächsten Mittwoch verschoben.

ulz/APF/dpa
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