Proteste gegen Nato-Gipfel Polizei nimmt hundert Demonstranten fest

Sie bauten Barrikaden, zündeten Mülltonnen an und zerkratzten Autos: In Straßburg haben rund 500 Menschen gewaltsam gegen den Freitag beginnenden Nato-Gipfel demonstriert. Die Polizei setzte Tränengas ein, etwa hundert Personen wurden festgenommen.


Straßburg - Der Gipfel zum 60. Geburtstag der Nato hat noch nicht begonnen, doch davon ließen sich die Demonstranten nicht abhalten: 500 zumeist vermummte Menschen versuchten am Donnerstag, das abgesperrte Stadtzentrum von Straßburg zu erreichen.

Die Demonstranten warfen die Fenster einer Polizeiwache ein, zündeten Mülltonnen an, zerkratzten Autos und bauten Barrikaden. Um die Protestierenden zu stoppen, setzte die Polizei Tränengas ein. Bei den Ausschreitungen wurde ein deutscher Fotograf der Nachrichtenagentur ddp verletzt. Weitere Verletzte gab es nach Polizeiangaben nicht.

Ein vermummter Jugendlicher schleuderte während der Proteste eine Stange durch die Frontscheibe eines Militärfahrzeuges. Einer der beiden Soldaten im Wagen zog daraufhin seine Pistole, zielte in die Luft und verschaffte seinem Partner so genug Zeit zur Flucht. Nach den Festnahmen kehrte den Angaben der Polizei zufolge schnell Ruhe ein. Die Demonstration habe sich aufgelöst, die Nato-Kritiker seien zu ihrem Protestcamp im Süden der Stadt zurückgekehrt.

Zum Beginn des Nato-Gipfels am Freitag wurden die Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Frankreich massiv verstärkt. "Wir sehen uns die Insassen aller Autos genau an", sagte ein Polizeisprecher. In Deutschland wurden nach offiziellen Angaben der Bundespolizei bislang 46 Ausreiseverbote gegen mutmaßlich gewaltbereite Gipfelgegner verhängt. Die französische Polizei wies ihrerseits eine nicht bezifferte Anzahl von Einreisewilligen ab.

Das Treffen zum 60. Bestehen der Nato in Straßburg, Baden-Baden und Kehl beginnt am Freitagabend mit einem Gala-Diner in Baden-Baden. Am Samstag werden die Beratungen in Straßburg fortgesetzt.

hut/dpa/AFP/Reuters



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