Proteste in Ägypten Demonstranten kritisieren lasche Justiz

Ägyptische Protestgruppen haben für Freitag Massendemonstrationen im ganzen Land angekündigt. Sie werfen der Justiz vor, zu lasch mit brutalen Polizisten und korrupten Ex-Politikern umzugehen. In Suez bewarfen Demonstranten die Sicherheitszentrale mit Steinen.


Kairo - In der ägyptischen Bevölkerung wächst das Misstrauen gegen die Sicherheitskräfte und die Justiz. Während der Proteste gegen den ehemaligen Staatschef Husni Mubarak waren Polizisten zum Teil brutal gegen Demonstranten vorgegangen. Die Jugendbewegung und die Muslimbruderschaft beschuldigen die Gerichte, mit den Verantwortlichen zu lasch umzugehen.

Am Mittwoch waren in Suez mehrere Polizisten vorläufig freigelassen worden, die an tödlichen Attacken auf Demonstranten beteiligt gewesen sein sollen. Daraufhin bewarfen hunderte Demonstranten die Zentrale der Sicherheitskräfte mit Steinen.

Den Platz vor der Behörde halten die Protestierenden schon seit Montag besetzt. Sie beklagen, die neuen Herrscher aus den Reihen des Militärs würden die für den Tod von rund 850 Demonstranten Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft ziehen. Fünf Monate nach dem Aufstand ist erst ein Polizist im Zusammenhang mit dem Tod von Demonstranten verurteilt worden. Selbst Polizisten, gegen die wegen Mordes ermittelt werde, würden im Amt bleiben, sagen Menschenrechtsorganisationen. Demonstranten würden hingegen meist hart und schnell abgeurteilt. Die Muslimbruderschaft kritisierte das Gericht in Kairo außerdem dafür, dass es Anfang der Woche drei ehemalige Minister vom Vorwurf der Korruption freigesprochen hatte.

Dass die Justiz aus Sicht der Demonstranten nicht konsequent genug gegen brutale Polizisten und korrupte Ex-Politiker vorgeht, gilt nun als Anlass für neue Proteste. Die Jugendbewegung und die Muslimbruderschaft kündigten Massenkundgebungen für diesen Freitag an. Die Übergangsregierung betonte, die Bürger hätten das Recht zu demonstrieren. Sie sollten aber friedlich bleiben, "um die Errungenschaften der Revolution nicht zu gefährden".

Als Reaktion auf die Kritik an den Sicherheitskräften kündigte Innenminister Mansur al-Essawi an, mehrere hundert hochrangige Polizisten zu entlassen. Außerdem habe er eine Untersuchung der Proteste angeordnet, sagte der Minister.

usp/dpa/dapd



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
senfwassertrinker 07.07.2011
1.
Zitat von sysopÄgyptische Protestgruppen haben für Freitag Massendemonstrationen im ganzen Land angekündigt. Sie werfen der Justiz vor, zu lasch mit brutalen Polizisten und korrupten Ex-Politikern umzugehen. In Suez bewarfen Demonstranten die Sicherheitszentrale mit Steinen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,773016,00.html
"Die Jugendbewegung und die Muslimbruderschaft kündigten Massenkundgebungen für diesen Freitag an" Es bleibt weiterhin spannend in Ägypten. Immerhin geht jetzt auch mit der Muslimbruderschaft die stärkste "Opposition" in die Offensive.
Kalleblom 07.07.2011
2. Aufarbeitung und Neuanfang!
Ist immer schwer. Doch sollten die führende Köpfe der Muslimbrüder und der Jugendbewegung unbedingt darauf achten, dass die Proteste friedlich verlaufen, damit es mit dem Neuanfang auch klappt. Denn eines ist in jeder Staatsform, jeder Religion und jeder Volksgemeinschaft ein ungeschriebenes Gesetz: Gewalt erzeugt Gegengewalt!
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