Proteste in Ägypten Zwölf Menschen sterben bei jüngsten Unruhen

Nach den Ausschreitungen im Stadion von Port Said flammt in Ägypten die Gewalt neu auf: Bei den schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften kamen offiziellen Angaben zufolge zwölf Menschen ums Leben. Tausende wurden verletzt.

AFP

Kairo - Ägypten kommt auch drei Tage nach der Katastrophe in der Sportarena von Port Said nicht zur Ruhe: Am Samstag protestierten erneut Tausende Menschen gegen den herrschenden Militärrat. Seit Beginn der jüngsten Unruhen kamen in Kairo und Suez zwölf Menschen ums Leben, wie das ägyptische Innenministerium mitteilte. Weitere 2532 Menschen wurden demnach verletzt.

In der Nähe des Innenministeriums in Kairo kam es am Samstag zu schweren Ausschreitungen. Demonstranten bewarfen Polizisten mit Steinen, die Sicherheitskräfte schossen Tränengas und Schrotpatronen ab. Im Staatsfernsehen war zu sehen, wie Teile des Finanzamts in Flammen standen. Demnach wurden in der Innenstadt auch mehrere Autos beschädigt und einige Läden mit Brandbomben attackiert. Abgesehen von den Brennpunkten war das Zentrum der Millionenstadt weitgehend leer: Viele Bewohner blieben aus Angst vor weiteren Gewaltausbrüchen zu Hause.

Allein am Freitag wurden in der Stadt Suez sieben Menschen erschossen, wie ein Polizeisprecher erklärte. Dort hatten Sicherheitskräfte auf Tausende Demonstranten geschossen, die sich vor dem Polizeihauptquartier versammelt hatten.

Die jüngsten Proteste in Ägypten begannen, nachdem am Mittwochabend bei einem Erstligaspiel im Stadion von Port Said 74 Menschen ums Leben gekommen waren. Fußballfans warfen der Polizei vor, nicht eingegriffen und weggeschaut zu haben, als Spieler und Anhänger des Kairoer Klubs Al-Ahly attackiert wurden. Aktivisten und Menschenrechtler machen die Militärs verantwortlich. Gerüchte kamen auf, dass die Krawalle auf dem Spielfeld von bezahlten Schlägertrupps provoziert wurden, um Chaos zu stiften.

Nicht nur das Volk fordert Konsequenzen aus den Vorfällen im Stadion - auch der politische Druck auf die ägyptische Führung wächst. Die Europäische Union drängt auf eine "sofortige und unabhängige Untersuchung" der Gewalt. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verlangte von der ägyptischen Regierung "angemessene Maßnahmen". Der Weltfußballverband Fifa forderte die ägyptischen Behörden zu einem "vollständigen Bericht" über die Krawalle auf.

Am Samstag trat dann die gesamte Spitze des ägyptischen Fußballverbands (EFA) zurück. Regierungschef Kamal al-Gansuri hatte den Vorstand bereits am Donnerstag entlassen. EFA-Präsident Samir Saher wurde Berichten zufolge untersagt, das Land zu verlassen, damit er im Zuge der Ermittlungen vernommen werden kann.

aar/dpa/dapd/AFP/Reuters

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