Proteste in Burma In Rangun fallen Schüsse - Tote und Verletzte

Schüsse peitschen über die Köpfe der Demonstranten, die Polizei geht mit Schlagstöcken gegen die Mönche in Burma vor. Fünf Menschen wurden nach Angaben der Mönche bei den Auseinandersetzungen getötet, nach Angaben eines Diplomaten zielen die Soldaten in die Menge.


Rangun - Die Militärregierung geht nach Angaben eines französischen Diplomaten gewaltsam gegen die friedlichen Demonstranten in der ehemaligen Hauptstadt Rangun vor. Einsatzkräfte hätten zunächst Warnschüsse in die Luft abgegeben, dann aber auch auf Demonstranten geschossen, sagte der Diplomat Emmanuel Mouriez in Rangun dem französischen Radiosender RTL. Es sei unklar, ob es viele Tote und Verletzte gebe, "aber man kann sicher sein, dass Blut geflossen ist".

Nach Angaben von buddhistischen Mönchen sind fünf Menschen ums Leben gekommen - das teilte der Rundfunksender "Democratic Voice of Burma" in Oslo mit. Alle fünf seien durch Schüsse der Militärs auf Demonstranten ums Leben gekommen, die fünf Mönche seien in unmittelbarer Nähe der Shwedagon-Pagode in Rangun erschossen worden. Diese Information wurde bisher von keiner anderen Quelle bestätigt. Der Sender berichtete weiter, die Zahl der Verletzten bewege sich bei 20. Die Einsatzkräfte hätten Menschen zusammengeschlagen, andere mit Militärlastwagen weggebracht.

Der täglich sieben Stunden nach Burma ausstrahlende Sender gab weiter an, dass in den beiden größten Städten Rangun und Mandalay wieder tausende Demonstranten auf der Straße seien.

Zuvor hatte die Polizei an der Shwedagon-Pagode versucht, eine Versammlung von protestierenden Mönchen aufzulösen. Augenzeugen berichten von Warnschüssen, Tränengas- und Schlagstockeinsätzen gegen die Mönche. Unter den verletzten Mönchen sei auch ein 80-jähriger Geistlicher, der wegen seines hohen Alters nicht mehr selbst gehen kann und deshalb getragen worden war, sagten Augenzeugen.

Am Morgen hatten sich mehrere tausend Menschen trotz Versammlungsverbots in Rangun wieder zu einem Protestmarsch gegen die Regierung versammelt. Rund 5000 Mönche zogen mit etwa 5000 Sympathisanten in Richtung Innenstadt.

In Rangun kam es an mehreren Orten zu Konfrontationen zwischen den Sicherheitskräften und den Mönchen. Hunderte bewaffnete Soldaten und Sicherheitskräfte bezogen Stellung an wichtigen Pagoden und Klöstern, um erneute Proteste gegen die Junta zu verhindern. Mit Lautsprecherwagen wurde die Bevölkerung von den Maßnahmen unterrichtet. Nach Angaben von Mitarbeitern wurde das Krankenhaus in Rangun angewiesen, sich auf die Aufnahme von Patienten vorzubereiten.

Gestern waren trotz Einschüchterungsversuchen der Militärführung wieder rund 100.000 Menschen friedlich durch Rangun gezogen - rund ein Drittel von ihnen Mönche. Sie verlangten Demokratie für ihr Land und forderten auch Freiheit für die unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin, Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi.

In der Nacht war der pro-demokratische Politiker Win Naing verhaftet worden. "Er wurde gegen halb drei festgenommen", sagte einer seiner Freunde der Nachrichtenagentur AFP. Ein westlicher Diplomat berichtete, Win Naing sei dabei beobachtet worden, wie er buddhistischen Mönchen Lebensmittel und Wasser angeboten habe. Auch einer der bekanntesten Schauspieler des Landes, Zaganar, war in der Nacht festgenommen worden. Der Künstler hatte den Widerstand der Mönche ebenfalls unterstützt.

Frankreich fordert weitere Sanktionen gegen Burma

Der französische Staatssekretär für europäische Angelegenheiten, Jean-Pierre Jouyet, bezeichnete die Polizeirepression heute als "unannehmbar" und forderte härtere Sanktionen gegen die Militärführung . Angesichts der sich verschlimmernden Lage müsse Frankreich zusammen mit seinen europäischen Partnern "äußerst wachsam" sein und "äußersten Druck" auf die Militärjunta ausüben.

Die Europäische Union stellte ihrerseits eine Verschärfung der Sanktionen gegen die Militärjunta in Aussicht, sollte diese "gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vorgehen". In einer noch vor der Zuspitzung veröffentlichten Erklärung wurde die Militärregierung zur Zurückhaltung aufgerufen. Zugleich ergeht in dem Text ein Appell "an all diejenigen mit Einfluss auf die Militärregierung, diesen Einfluss geltend zu machen", um eine gewaltfreie Reaktion der burmesischen Behörden auf die Proteste sicherzustellen.

Im Vorgehen der burmesischen Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten in der Metropole Rangun sieht die EU eine "Taktik der verschärften Einschüchterung". Dies sagte ein Sprecher der Kommission in Brüssel zu Berichten über Warnschüsse gegen die Demonstranten.

Der britische Premierminister Gordon Brown hat angesichts der drohenden Eskalation der Lage in Burma eine Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats gefordert. Die Militärmachthaber rief er zur Zurückhaltung auf und warnte sie: "Die Welt sieht jetzt zu." Er hoffe, dass der Sicherheitsrat "sofort, noch heute zusammenkommt", um darüber zu beraten, was getan werden kann, sagte Brown auf dem Parteitag seiner Labour Party in Bournemouth. "

Gegen Burma bestehen wegen anhaltender Menschenrechtsverletzungen seit 1996 Sanktionen der Europäischen Union, die zuletzt 2004 verschärft wurden. Dazu gehören Handelsbeschränkungen, ein Embargo für den Verkauf von Waffen und Einreisebeschränkungen für Mitglieder der Militärregierung. Gestern hatte US-Präsident George W. Bush weitere Sanktionen seines Landes gegen Burma angekündigt.

Die Demonstrationen hatten im August zunächst aufgrund drastischer Preiserhöhungen begonnen. In den vergangenen Tagen hatten sie sich dann unter Führung der Mönche immer deutlicher zum offenen Protest gegen die Militärmachthaber entwickelt.

flo/anr/dpa/AFP/Reuters/AP

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