Proteste in Chile Uno wirft Polizei und Armee Menschenrechtsverletzungen vor

Folter, Misshandlungen, gewaltsame Todesfälle: Polizei und Armee in Chile sind laut einem Uno-Bericht brutal gegen Regierungskritiker vorgegangen.
Demonstranten in Chile: Uno-Beobachter sprechen von massiven Übergriffen

Demonstranten in Chile: Uno-Beobachter sprechen von massiven Übergriffen

Foto: Pablo Sanhueza/REUTERS

Sicherheitskräfte sollen geschlagen, vergewaltigt, gefoltert und getötet haben: In einem Bericht über Proteste gegen Chiles Regierung wirft die Uno Armee und Polizei in dem Land Menschenrechtsverletzungen vor.

Die Polizei sei "grundlegend repressiv" auch gegen friedliche Demonstranten vorgegangen, heißt es in einem in Genf veröffentlichten Bericht, den Uno-Experten nach drei Wochen vor Ort erstellt hatten. Der Bericht zeichnet ein erschreckendes Bild. Dokumentiert sind:

  • 113 Fälle von Folter oder Misshandlungen, etwa durch Schläge;
  • 24 Fälle von sexueller Gewalt gegen Frauen, Männer und Jugendliche;
  • 345 Fälle von Augenverletzungen, die auf Geschosse der Sicherheitskräfte zurückgehen;
  • 26 Todesfälle, von denen mehrere laut Uno als außergerichtliche Hinrichtungen angesehen werden könnten;
  • für den Zeitraum zwischen dem 18. Oktober und dem 6. Dezember mehr als 28.000 Festnahmen

1600 Menschen seien noch nicht wieder freigelassen worden, sagte die Chefin der Uno-Mission, Imma Guerras-Delgado. Die Uno-Delegation war vom 30. Oktober bis 22. November vor Ort. Die frühere chilenische Präsidentin Michelle Bachelet, derzeit Uno-Menschenrechtskommissarin hatte die Beobachter entsandt.

Chiles Präsident Sebastian Pinera kooperierte mit der Untersuchung. Zu den Ergebnissen äußerte er sich bislang nicht.

Die Massenproteste begannen am 18. Oktober. Seither wurden fast 5000 Menschen verletzt, darunter 2800 Polizisten (lesen Sie hier einen Bericht, in dem Demonstranten von ihren Erfahrungen erzählen). Die Uno-Beobachter stellten auch zahlreiche Angriffe gegen Sicherheitskräfte fest. Zudem gab es dem Report zufolge viele Plünderungen. Öffentliche und private Einrichtungen seien zerstört worden.

Die Proteste richteten sich zunächst gegen eine Erhöhung der Ticketpreise im öffentlichen Nahverkehr. Die Demonstranten kritisieren aber auch niedrige Löhne, hohe Kosten für Bildung und Gesundheit sowie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in dem Land.

ulz/AFP/Reuters
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