Proteste in der Türkei Polizei geht gewaltsam gegen Demonstranten vor

Nach dem Tod eines jungen Demonstranten flammen die Proteste in der Türkei wieder auf. Die Polizei reagiert mit Härte - wegen der Tränengaswolken in Istanbul musste sogar das Qualifikationsspiel der U-21-Nationalmannschaft gegen Schweden verschoben werden.

AFP

Istanbul - Die Sommerpause ist vorbei, die Demonstranten in der Türkei sind wieder da. Am Dienstagabend protestierten wieder Tausende Menschen im Land. Im Süden des Landes gab es Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten, die aufgebracht waren wegen des Todes eines 22-Jährigen. Der junge Mann war in der Nacht auf Dienstag gestorben, nachdem er bei einer Kundgebung in der Stadt Antakya von einer Tränengaskartusche am Kopf getroffen worden war.

In Istanbul trieben Sicherheitskräfte Demonstranten mit Plastikgeschossen, Wasserwerfern und Tränengas auseinander. In der Istiklal Caddesi, der Haupteinkaufsstraße im Zentrum der Stadt, die zum Taksim-Platz führt, schoss die Polizei zum Teil wahllos in die Menschenmenge.

Türkische Blogger meldeten, es sei so viel Gas verschossen worden, dass ein EM-Qualifikationsspiel der türkischen U-21-Mannschaft gegen Schweden, das für 18 Uhr vorgesehen war, verschoben werden musste. Es sei Gas in das Stadion geschwappt. Die Partie startete schließlich mit eineinhalb Stunden Verspätung.

"Wenn unsere Regierung sich wundert, warum Istanbul am Sonntag bei der Wahl für die Olympischen Spiele 2020 gegen Tokio unterlegen ist, sollten die sich mal ihre eigenen Sicherheitskräfte und deren Benehmen anschauen", sagte Murat, ein 23 Jahre alter Student, der sich in einem Café in Sicherheit gebracht hatte. "Wir demonstrieren friedlich, und die schießen auf uns. Was ist das denn für ein Verständnis von Demokratie?"

Sieben Tote seit Ausbruch der Proteste

Auch in der Hauptstadt Ankara sowie in mehreren anderen Städten kam es am Abend zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Seit Anfang September flammen die Proteste in der Türkei wieder auf - wenn auch in geringerem Umfang als im Juni. Damals hatte die geplante Umgestaltung der Grünfläche am Rande des Taksim-Platzes in Istanbul landesweite Demonstrationen ausgelöst, die über Wochen Hunderttausende Menschen auf die Straße trieben. Sie demonstrierten später auch zunehmend gegen die gewaltsame Reaktion der Polizei und den autoritären Führungsstil von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

In Istanbul war es bereits am Montag bei einem Protestmarsch gegen Polizeigewalt zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten gekommen. Die Demonstranten forderten die Bestrafung von Polizisten, die für die schwere Verletzung eines 14-Jährigen verantwortlich sind.

Der Jugendliche liegt seit Juni im Koma, nachdem er von einer Tränengasgranate der Polizei am Kopf getroffen worden war. Menschenrechtsgruppen haben der türkischen Polizei wiederholt vorgeworfen, mit Tränengasgewehren gezielt auf Menschen zu schießen. Insgesamt starben seit Ausbruch der Proteste sechs Demonstranten und ein Polizist.

kaz/sun/dpa

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tabernakelmenetekel 10.09.2013
1. nach den wahlen dann
Eben mal wieder
HKN 10.09.2013
2. Schwachsinn
Von wegen friedlich demonstrieren. Tut mir leid aber mit eigenen Augen gesehen wie das abläuft.
Atilla_B 10.09.2013
3. Friedlich ?
Zitat von sysopAFP/ Ilhas NewsNach dem Tod eines jungen Demonstranten flammen die Proteste in der Türkei wieder auf. Die Polizei reagiert mit Härte - wegen der Tränengaswolken in Istanbul musste gar das Qualifikationsspiel der U-21-Nationalmannschaft gegen Schweden verschoben werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/proteste-in-der-tuerkei-polizei-geht-gewaltsam-gegen-demonstranten-vor-a-921538.html
Da steht "Wir demonstrieren friedlich, und die schießen auf uns. Was ist das denn für ein Verständnis von Demokratie?" ... also wenn ich mir das eine Bild anschaue..hmmmm...so schaut also "friedlich" für die "Demonstranten" in der Türkei aus ? Gibts da was zu sagen ? Ich denke nicht..in meinen Augen pure Provokation...Sorry..kein Mitleid..In diesem Sinne
wolke4 10.09.2013
4. EU Twinnig Projekt
Die im Mai 2013 begonnene Ausbildungsphase dieses EU Projekts hat wohl noch keine in die Praxis umsetzbare Ergebnisse erzielt? EU Twinnig Projekt: Unterstützung der türkischen Polizei bei der Vermeidung von unverhältnismäßigem Gewalteinsatz TÜRKEI: Unterstützung der türkischen Polizei bei der Vermeidung von unverhältnismäßigem Gewalteinsatz (Twinning) · Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte (http://bim.lbg.ac.at/de/projekte-twinning/tuerkei-unterstuetzung-tuerkischen-polizei-vermeidung-unverhaeltnismaessigem-gewalteinsatz-twinning)
Phoenix2006 10.09.2013
5. Polizei geht gewaltsam gegen Demonstranten vor
Wer hat ein Interesse Demonstrationen auf eine höhere Eskalationstufe zu bringen? Dokumentarfilmtipp: "Empört euch!" autorisiert von Stephane Hessel. Dieser Dokumentarfilm ist ein Aufruf zum friedlichen demokratischen zivilen Ungehorsam.
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