Proteste in Haiti Läden bleiben dicht

Die Geschäfte in der Hauptstadt von Haiti bleiben auch heute geschlossen. Mit dem seit gestern andauernden Generalstreik protestieren Oppositionsgruppen gegen den amtierenden Präsidenten Jean-Bertrand Aristide. US-Außenminister Colin Powell zeigte sich beunruhigt über die Lage in dem Karibikstaat.


Haiti: Generalstreik und Demonstrationen gegen den Präsidenten
AP

Haiti: Generalstreik und Demonstrationen gegen den Präsidenten

Port-au-Prince - Der Streik in der Hauptstadt Port-au-Prince ist die Fortsetzung der seit Wochen andauernden Protestaktionen gegen Präsident Aristide. Bei Zusammenstößen von Regierungsgegnern und Aristide-Anhängern starben diese Woche zwei Menschen, mehr als zwanzig wurden verletzt. Insgesamt kamen in den vergangenen Wochen über 40 Menschen ums Leben.

Jetzt hat sich der amerikanische Außenminister in den Konflikt eingemischt. Colin Powell erklärte, die USA wollten den Präsidenten und die Opposition dazu bringen, einen verfassungsgemäß Weg zu finden, so dass Haitis Bürger ihren Willen ausdrücken könnten.

Die Streiks in der Hauptstadt des Inselstaates haben bereits gestern begonnen, lediglich die Büros der Regierung waren geöffnet und auch die Straßenverkäufer arbeiteten. "Streiks sind nichts für arme Menschen", sagte einer der Händler der Nachrichtenagentur AP. Über die lokalen Radiostationen rief die Opposition dazu auf, den Streik fortzusetzen. Sie werfen dem Präsidenten Korruption und Machtmissbrauch vor und fordern ihn auf, zurückzutreten.

Vor über zehn Jahren galt der frühere Priester Aristide noch als Hoffnungsträger für Haiti. 1990 wurde er der erste frei gewählte Präsident des Landes, ein Jahr später stürzte ihn ein Militärputsch. 1994 wurde er mit Unterstützung der Amerikaner wieder eingesetzt, musste 1996 aber wieder abtreten, da ihm nur eine Amtszeit gestattet war. Im Jahr 2000 wurde er wiedergewählt.

Angesichts der schlechten Lage in Haiti aber haben sich viele seiner Anhänger inzwischen von ihm abgewandt. Die meisten Einwohner Haitis sind arbeitslos, ausländische Investitionen tendieren gegen Null und viele Menschen sind unterernährt.



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