Proteste in Hongkong Chinas Regime verschärft Zensur

Angst vor einer Ausweitung der Proteste: Mit allen Mitteln versucht Chinas Zensurbehörde, die Verbreitung von Nachrichten aus Hongkong zu stoppen.
Zeremonie zum Nationalfeiertag: Ein Gläschen Sekt für die Ehrengäste in Hongkong

Zeremonie zum Nationalfeiertag: Ein Gläschen Sekt für die Ehrengäste in Hongkong

Foto: BOBBY YIP/ REUTERS

Hongkong - Die chinesische Zensurbehörde arbeitet mit Hochdruck daran, in China die Verbreitung von Nachrichten aus Hongkong zu unterbinden. Die Zensoren sind laut Experten damit momentan noch intensiver beschäftigt als kürzlich mit dem heiklen 25. Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989.

Der Satellitenempfang des US-Nachrichtensenders CNN und der britischen BBC sind immer dann gestört, wenn Berichte über Hongkong kommen. In Chinas sozialen Medien werden massenhaft Kommentare zu Hongkong gelöscht. Und am Mittwoch wurde erstmals auch die Webseite der englischsprachigen Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" geblockt. Twitter, Facebook oder YouTube sind in China ohnehin immer gesperrt, auch die Fotoplattform Instagram ist nicht mehr erreichbar.

Die zentralen Abendnachrichten des chinesischen Staatsfernsehens erwähnten am Dienstagabend erstmals die "illegalen" Proteste. "Alle Teile der Gesellschaft" in Hongkong lehnten die Demonstrationen ab, hieß es. Der Einsatz von Tränengas sei gerechtfertigt.

Obwohl es stark regnete, haben in der Nacht auf Mittwoch wieder Zehntausende auf den Straßen Hongkongs übernachtet. Die Zahl der Demonstranten dürfte im Laufe des Tages weiter steigen: Der Mittwoch ist der chinesische Nationalfeiertag, und die Hongkonger haben deshalb zwei Tage frei. Die Demonstranten haben nun auch das populäre Einkaufsviertel Tsim Sha Tsui auf der Halbinsel Kowloon besetzt und Barrikaden vor Luxusläden aufgebaut.

Hongkongs Regierungschef: zur Feier ein Glas Sekt

Viele Aktivisten hatten Angst, dass es bei der feierlichen Zeremonie zum Nationalfeiertag, bei der unter anderem die chinesische Flagge gehisst wird, zu Ausschreitungen kommen würde. Die Veranstaltung verlief jedoch friedlich. Die Demonstranten begleiteten die Flaggenzeremonie mit einem Schweigeprotest: Sie hielten die Hände über Kopf gekreuzt. Studentenführer Joshua Wong und andere Aktivisten wandten der Zeremonie demonstrativ den Rücken zu, als die Flaggen Chinas und Hongkongs gehisst wurden.

An der Zeremonie auf dem Golden Bauhinia Square nahm neben mehreren Vertretern der Kommunistischen Partei auch Hongkongs umstrittener Regierungschef Leung Chun Ying teil. Er stieß mit den Ehrengästen auf den Feiertag mit einem Glas Sekt an. "Allgemeine Wahlen abzuhalten ist besser, als überhaupt keine allgemeinen Wahlen zu haben", sagte Leung bei der Zeremonie. "Wohlstand und Stabilität in Hongkong in der Zukunft zu wahren, ist ein wichtiger Teil des 'Chinesischen Traumes'."

Nach einem Beschluss des Volkskongresses in Peking soll 2017 in Hongkong eine direkte Wahl des Regierungschefs stattfinden - die Kandidaten werden aber vorher gezielt ausgewählt. Die Studenten haben der Regierung ein Ultimatum bis Donnerstag gestellt, um ihre Forderungen nach dem Rücktritt des Regierungschefs und der Rücknahme der Wahlreform zu erfüllen. Ansonsten drohen sie damit, ihre Proteste noch auszuweiten, zu einem Arbeiterstreik aufzurufen oder ihre Aktionen zu verschärfen, indem sie ein Regierungsgebäude besetzen.

vet/dpa/AP/Reuters
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