Proteste in Hongkong Demonstranten errichten Barrikaden aus Bambus

Die Polizei räumt Barrikaden weg, die Demonstranten bauen neue auf: In Hongkong ist kein Ende der Proteste in Sicht. Unterstützt werden die Aktivisten nun von Bauarbeitern, die ihnen zeigen, wie man Gerüste aus Bambus baut.

DPA

Hongkong - Die Auseinandersetzungen zwischen prodemokratischen Demonstranten und Protestgegnern in Hongkong spitzen sich zu. Die Aktivisten versuchen, zerstörte Absperrungen mit Bambus, Beton und Plastikfolie zu erneuern. Hunderte Polizisten räumen Zelte und Holzpaletten weg.

Unterstützt werden die Demonstranten von Bauarbeitern, die Spenden sammeln oder beim Bau der Barrikaden helfen. Die unter ihrer Anleitung aus Bambus gebauten Gerüste sind teilweise mehrere Meter hoch und haben angespitzte Enden.

Gerüstbauer Eric Wu hat sich in der Nacht auf Montag der Demokratie-Bewegung angeschlossen - und zwar nicht nur, weil er für freie Wahlen ist. "Es sind harte Zeiten. Auf dem Bau gibt es keine Jobs", sagte er der "New York Times". Mit seiner Hilfe haben die Demonstranten ein sechs Meter breites Bambusgerüst gebaut, das nun eine Straße in der Nähe des Hongkonger Polizei-Hauptquartiers blockiert.

Während die Demonstranten neue Barrikaden bauen, räumt die Polizei andere weg. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Reuters rücken die Polizisten gegen die Bambusgerüste mit Kettensägen an. Am Hauptprotestort im Stadtviertel Admiralty auf der Insel Hongkong schafften die Polizisten am Morgen Zelte, Bambusstäbe und Holzpaletten auf Lastwagen weg.

Demonstranten befürchten weitere Angriffen

Auch im Geschäftsviertel Causeway Bay bauten etwa 150 Polizisten Barrikaden ab, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Am Vortag hatten vermummte Männer versucht, Absperrungen in der Innenstadt niederzureißen. Drei von ihnen - Männer im Alter von 18 bis 47 Jahren - wurden wegen des Vorwurfs des unerlaubten Waffenbesitzes festgenommen. Die Demonstranten rechnen die Vermummten der chinesischen Mafia zu. Sie befürchten weitere Angriffe auf ihre Lager in den kommenden Tagen.

Die Hongkonger Verwaltung hatte am Montag mitgeteilt, die "illegale Versammlung auf den Straßen" müsse aufhören, um die "schwerwiegenden Eingriffe in das tägliche Leben und die Arbeit" zu stoppen. Zumindest zentrale Punkte der Stadt sollten geräumt werden.

Auf dem chinesischen Festland berichteten Aktivisten, dass die Polizei dort verstärkt gegen Unterstützer der Protestbewegung in Hongkong vorgehe. Allein in der Hauptstadt Peking sind nach Angaben von Bürgerrechtlern rund 50 Personen festgenommen worden. "Die Festnahmen sind ein Hinweis auf eine neue Festnahmewelle", sagte die Forscherin Maya Wang von Human Rights Watch aus Hongkong.

Die Proteste in der heute weitgehend autonom regierten chinesischen Sonderverwaltungsregion hatten sich an Beschlüssen des Pekinger Volkskongresses entzündet, 2017 zwar erstmals eine direkte Wahl in Hongkong zu erlauben, den Wählern aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern.

vet/dpa/AFP

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Bernd R. 14.10.2014
1. Triaden
Es sollte auch noch gesagt werden, dass die neuen Barrikaden als Antwort auf die Übergriffe vermummter Anti-Occupy-Central-"Demonstranten" errichtet wurden/werden. Diese stehen im Verdacht, Mitglieder von Triaden zu sein, die von China angeheuert werden, um Unruhe zu stiften. Auf Occupy-Central-Seite ist weiterhin "Love and Peace" angesagt und auch die Luft ist in den letzten drei Wochen so gut wie schon lange nicht mehr.
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