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Proteste in Hongkong Demonstranten setzen offenbar Barrikade vor Polizeirevier in Brand

In Hongkong eskalieren die Proteste: Demonstranten haben Straßensperren durchbrochen, die Polizei setzt Wasserwerfer mit blauer Farbe ein - offenbar, um Protestierende später besser identifizieren zu können.

Tausende Menschen ziehen mit überwiegend schwarzen T-Shirts durch die Straßen Hongkongs und besetzten wichtige Verkehrsadern. Sie widersetzen sich damit dem Demonstrationsverbot in Hongkong. Am Samstagnachmittag (Ortszeit) ist die Situation eskaliert: Die Protestierenden haben Polizeisperren durchbrochen und versuchten, das Parlament zu stürmen. Kurz darauf setzten sie im Viertel Wan Chai eine Barrikade vor einem Polizeirevier in Flammen, berichteten unter anderem die "South China Morning Post" und "Hongkong Free Press".

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Der Brand ist Beobachtern zufolge inzwischen wieder gelöscht. Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer gegen die Protestierenden ein. Das Wasser ist blau eingefärbt - offenbar, um die Demonstranten später einfacher identifizieren zu können. Am Victoria-Park gab ein Polizist zudem aus seiner Dienstwaffe einen Warnschuss in die Luft ab, wie lokale Medien berichteten und auf einem Video zu hören war. Die Polizei setzte auch Gummigeschosse ein. Berichten zufolge haben sich Polizeibeamte als Aktivisten verkleidet und unter die Demonstranten gemischt, um Leute festzunehmen.

Hongkonger Polizei setzt blau eingefärbtes Wasser gegen Demonstranten ein

Hongkonger Polizei setzt blau eingefärbtes Wasser gegen Demonstranten ein

Foto: Anthony Wallace/ AFP

Einige der Demonstranten warfen Benzinbomben - sogenannte Molotowcocktails - oder Steine auf die Einsatzkräfte der Polizei. Viele versuchten, sich mit Regenschirmen vor den Wasserwerfern zu schützen.

Fotostrecke

Proteste in Hongkong: Eskalation zwischen Wasserwerfer und Molotowcocktails

Foto: Photo by Lillian SUWANRUMPHA / AFP

In der chinesischen Sonderverwaltungszone gibt es seit drei Monaten Massendemonstrationen für mehr Demokratie und gegen eine wachsende Einflussnahme Pekings. Dabei hatte es am vergangenen Wochenende erneut gewaltsame Zusammenstöße gegeben. Die Beamten setzten unter anderem Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein, erstmals seit Beginn der Proteste feuerte zudem ein Polizist einen Schuss ab.

Unmittelbar vor neuen, geplanten Protestaktionen am Samstag anlässlich des fünften Jahrestags der Regenschirm-Bewegung 2014 waren die Behörden am Freitag zudem massiv gegen Demokratie-Aktivisten vorgegangen: Die Polizei nahm die Protestanführer Joshua Wong und Agnes Chow sowie mindestens drei weitere bekannte Aktivisten und drei der Demokratiebewegung nahestehende Abgeordnete fest. Ein weiterer Aktivist, Andy Chan, war bereits am Donnerstag festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, an Ausschreitungen teilgenommen und Polizisten angegriffen zu haben.

"Halleluja" als Protestgesang

Wong und Chow sind inzwischen auf Kaution freigekommen. Die Lage ist aber weiterhin angespannt. Angesichts des Drucks sagten die Organisatoren von der Civil Human Rights Front (CHRF) eine für Samstag geplante Großdemonstration ab, die bereits am Donnerstag von der Polizei verboten worden war. Es wäre eine illegale Versammlung gewesen, sodass Teilnehmer mit rechtlichen Konsequenzen hätten rechnen müssen.

Die Führung in Peking sendete am Samstag erneut indirekte Drohungen an die Demonstranten: Die Staatsmedien berichteten, dass das chinesische Militär neue paramilitärische Kräfte nach Shenzhen nahe der Grenze zu Hongkong verlegt habe. In Videoaufnahmen, die von Bürgern aufgenommen worden sein sollen, waren Militärwagen zu sehen, die nach diesen Angaben am Samstagmorgen in der Grenzstadt einrollten. Details über Stärke und Zweck der Truppenverlegung wurden nicht genannt.

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Die CHRF kündigte aber andere Aktionen an. Unter anderem einen religiösen Marsch. Tausende Menschen zogen am Samstag entlang prominenter sakraler Stätten im historischen Distrikt Sheung Wan und weiter in Richtung Regierungsviertel. Viele "spazierten" nur, wie sie sagten, auf dem Fußweg und sahen davon ab, Straßen zu blockieren. Zum Teil wurde "Halleluja" gesungen.

Vor genau fünf Jahren hatte die chinesische Regierung entschieden, politische Reformen in Hongkong zu verbieten. Diese Entscheidung hatte 2014 die sogenannte Regenschirm-Bewegung ausgelöst. Damals hatte der heute 22-jährige Wong an der Spitze der 79-tägigen Proteste gestanden. Politisch ist er nach wie vor aktiv, aber eine Führungsfigur wie 2014 ist er nicht. Die Protestbewegung von 2019 legt Wert darauf, keine öffentlich dominierenden Anführer mehr zu haben.

Im Video: China droht den Demonstranten in Hongkong erneut

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Die Proteste richten sich gegen den zunehmenden Druck Chinas auf Hongkong. Peking hatte der ehemaligen britischen Kronkolonie bei der Übernahme 1997 unter dem Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" für mindestens 50 Jahre Grundrechte wie Meinungs- und Pressefreiheit zugesichert. Nach Ansicht der Demonstranten wird diese Zusicherung schrittweise ausgehöhlt. Auslöser für die Proteste war ein Auslieferungsgesetz, das Überstellungen von Verdächtigen an Festlandchina vorsah, inzwischen aber gestoppt wurde.

cbu/vks/dpa