Proteste in Iran Jagdszenen in Teheran

Demonstranten werden niedergeknüppelt, die Gewalt eskaliert - doch im iranischen Fernsehen ist davon nichts zu sehen. Präsident Ahmadinedschad reagiert mit einer Medien- und Hightech-Offensive gegen die eskalierende Gewalt, sperrt Internet-Seiten, stört den SMS-Verkehr.

Teheran - Als "unwichtig" und "unbedeutend" versuchte Mahmud Ahmadinedschad die Demonstrationen der Regimegegner abzutun, doch tatsächlich eskaliert die Gewalt: Die Polizei ist oft unerbittlich. Demonstranten werden regelrecht durch die Straßen getrieben, wahllos wird auf Menschen eingeschlagen. Selbst alte Damen, Pizzaboten, Leute im Anzug, die gerade von der Arbeit kommen, werden Opfer des Terrors. Schlägertrupps sind in der Stadt unterwegs, auf Motorrädern jagen sie Demonstranten. Die Polizei markiert Flüchtende mit Farbpistolen. So kann sie auch das nächste Prügelkommando erkennen. Trotzdem lassen sich die Leute nicht einschüchtern - selbst wenn Polizisten mit brutaler Gewalt vorgehen und jeden niederzuknüppeln versuchen, der sich ihnen in den Weg stellt. Sobald die Revolutionsgarden abgezogen sind, sammeln sich die Demonstranten erneut, rufen: "Tod dem Diktator".

Zehntausende gingen am Wochenende in Teheran und anderen Städten auf die Straßen, um gegen Irans Präsident und Wahlsieger zu protestieren, ihre Solidarität mit dem bei der Wahl unterlegenen Hossein Mussawi zu zeigen.

Die Machthaber hielten dagegen, trieben die Massen auseinander. Doch die Enttäuschung über das Wahlergebnis sowie das brutale Vorgehen der Polizei nähren die Wut der Regimegegner. Wer kann, versteckt sich in umstehenden Häusern. Doch die Polizei setze nach, sagen Beobachter, trete bei denen, die fliehenden Demonstranten Unterschlupf gewähren, Türen ein. Die Zahl der Verletzten steigt, in den Kliniken der Stadt werden die Menschen versorgt.

Im iranischen Fernsehen - kein Wort davon. Ahmadinedschad hat TV und Hörfunk fest im Griff, auch oppositionelle Zeitungen gibt es nur wenige. So ist schon am Samstag nichts von den Menschenmengen in Teherans Straßen im Fernsehen zu sehen, die die Wahlniederlage des Reformkandidaten Mussawi nicht glauben wollen. Stattdessen wendet sich der laut offiziellem Ergebnis wiedergewählte Ahmadinedschad selbst an die Nation, verspricht "eine neue Ära in der Geschichte der iranischen Nation".

Auch im Internet, das Oppositionelle im Vorfeld der Wahl fleißig nutzten, versucht Ahmadinedschad, die Kontrolle zu behalten. Das Portal Facebook, über das sich viele Jugendliche austauschen, ist nach der Wahl blockiert, ebenso Web-Seiten, die Mussawi unterstützen. SMS können nicht mehr verschickt werden, zwischenzeitlich fällt das Mobilfunknetz in Teheran aus. Trotzdem sind die Bilder in der Welt. Zu viele ausländische Medien sind vor Ort - sie zeigen die Übergriffe der Sicherheitskräfte - das wirft kein gutes Bild auf das Regime.

Das iranische Innenministerium hat den arabischen Fernsehsender Al-Arabija angewiesen, sein Büro in Teheran eine Woche lang zu schließen. Der Teheraner Korrespondent des Satellitensenders sagt, es seien keine Gründe für die Vorgabe gegeben worden. Zuvor habe es jedoch stundenlange Debatten mit dem Ministerium über einen Sendebeitrag gegeben. Das Ministerium habe verlangt, dass er geändert werde. Nachdem der Korrespondent die Schließung in seinem Programm bekanntgab, habe ihn das Ministerium erneut angerufen und verboten, weiter aus Iran zu berichten.

Der italienische Fernsehsender RAI teilte mit, eines seiner Kamerateams sei in die Auseinandersetzungen geraten. Der iranische Dolmetscher des Teams sei mit Schlagstöcken misshandelt und die Videobänder des Kameramanns beschlagnahmt worden. Ein Journalist und ein Kameramann der britischen BBC wurden nach Senderangaben vorläufig festgenommen, nach einiger Zeit aber wieder freigelassen. Außerdem hat Iran laut BBC mit einem elektronischen Störfeuer auch die Satellitenübertragung behindert. Vor allem Hörer und Zuschauer im Nahen Osten sowie Europa könnten deshalb Probleme beim Empfang des Programms "BBC Persien" haben, teilte der Sender am Sonntag mit. Techniker hätten festgestellt, dass das Störsignal eindeutig aus Iran komme.

Seit Sendestart im vergangenen Januar habe es immer wieder Störversuche gegeben, aber dieser sei der bisher stärkste. "Es ist wohl ein Verhaltensmuster der iranischen Behörden, die Berichte nach den umstrittenen Wahlen zu begrenzen", sagte der Fernsehdirektor für den BBC World Service, Peter Horrocks. ZDF-Korrespondent Halim Hosny und seinen Mitarbeitern sei ein Berichtsverbot erteilt worden, teilte der Sender mit. Korrespondent Peter Mezger dürfe sein Hotel nicht mehr verlassen, meldete die ARD. Einer von Mezgers Mitarbeitern sei von einem "Trupp von sechs Mann bewaffnet mit Knüppeln und Elektroschockgeräten" aus seinem Büro mitgenommen worden. Über seinen Verbleib sei derzeit nichts bekannt.

Republik Iran

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