Proteste in Peking IOC verlangt Aufklärung über Schicksal festgenommener Demonstranten

Sie wollten friedlich protestieren - und wurden festgenommen: Bislang hat das Internationale Olympische Komitee schweigend zugesehen, wenn in Peking Demonstranten verschwanden. Nun gibt es erstmals eine zaghafte Ermahnung an die chinesischen Behörden.


Peking - Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verlangt von den chinesischen Behörden Aufklärung über die Festnahme mehrerer Menschen, die Demonstrationen in den vorgesehenen olympischen "Protestzonen" anmelden wollten. Das IOC sähe diese Fragen "sehr gerne beantwortet", sagte IOC-Sprecherin Giselle Davies am Montag in Peking. "Wir hätten gerne so viel Transparenz wie möglich."

Einsatz in Peking: Ein Polizist versucht den Protest einer Tibet-Aktivistin zu unterbinden
REUTERS

Einsatz in Peking: Ein Polizist versucht den Protest einer Tibet-Aktivistin zu unterbinden

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen sind bisher mehrere Menschen festgenommen worden, die Demonstrationen in den drei eigens eingerichteten Protestzonen anmelden wollten.

Bisher hatte es das IOC vermieden, öffentlich Druck auf die Behörden in Peking auszuüben. Auf Nachfragen von Journalisten betonte das Komitee lieber, man stehe nicht in der Verantwortung, politische Probleme eines souveränen Staates zu lösen. Begründung: Das IOC sei eine Sportorganisation und keine Menschenrechtsgruppe. Statt die Demonstrationsverbote oder die eingeschränkte Medienberichterstattung zu kritisieren, lobte das IOC die Qualität der Veranstaltung.

Auch die nationalen Organisatoren der Spiele hatten den Veranstaltungsort zuletzt immer wieder verteidigt. China werde sich durch die Spiele weiter öffnen und die Reformen würden vorangetrieben, sagte der Vizepräsident des Organisationskomitees, Wang Wei, in der vergangenen Woche. "Jeder kann sehen, dass die Olympischen Spiele eine tolle Plattform sind", sagte er. "Die Menschen sind optimistisch, was ihre Zukunft angeht."

Angeben der staatlichen chinesischen Medien zufolge erklärten die Behörden in Peking am Montag, bislang habe es 77 Anmeldungsgesuche für Demonstrationen in den Zonen gegeben. Die Anmeldungen hätten 149 Personen betroffen, darunter drei Ausländer. Wie viele der Demonstrationen genehmigt wurden, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua nicht.

In der vergangenen Woche war auch ein britischer Journalist während einer Protestaktion von Tibet-Aktivisten in Peking festgenommen worden. In diesem Fall hatte das IOC die Festnahme scharf kritisiert. Die Sicherheitskräfte hatten später erklärt, sie hätten den Briten zunächst für einen Demonstranten gehalten.

Auch für einen US-Journalisten, dem die Behörden die Einreise verweigert haben, setzt sich das IOC ein - bisher allerdings vergebens. Das IOC habe bei den Olympia-Organisatoren um Auskunft gebeten, warum dem Reporter die Einreise verweigert wird, sagte IOC-Sprecherin Davies am Montag. "Wir haben keine Antwort bekommen."

Der Reporter Dhondup Gonsar ist tibetischer Abstammung und arbeitet für das tibetische Programm des US-Senders Radio Free Asia. Er hat eine Akkreditierung des IOC, die chinesischen Behörden in Hongkong haben dem Journalisten jedoch kein Visum erteilt. Der Empfang des vom US-Kongress finanzierten Senders wird von den chinesischen Behörden blockiert.

phw/dpa/AP



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