Proteste in Russland Polizei knüppelt Putin-Gegner nieder

Die russische Polizei hat Gegner von Wladimir Putin bei Kundgebungen mit Gewalt auseinander getrieben. Heute in St. Petersburg und gestern in Moskau gingen Tausende gegen den Präsidenten auf die Straße. Hunderte Demonstranten wurden festgenommen.

St. Petersburg/Moskau - In St. Petersburg, der zweitgrößten Stadt Russlands und Putins Heimat, protestierten heute rund 3000 Menschen gegen den Präsidenten und forderten dessen Rücktritt. Gegen Ende der Demonstration warfen behelmte Beamte der Sonderpolizei Omon wie am Tag zuvor in Moskau Demonstranten zu Boden und knüppelten nach Augenzeugenberichten auf sie ein.

Etwa 150 Festgenommene warteten in Lastwagen auf ihren Abtransport und wurden dort zum Teil weiter verprügelt. "Hört auf", riefen andere Demonstranten und beschimpften die Polizisten als "Faschisten". Die Stadt hatte zwar die Kundgebung, nicht aber eine Demonstration erlaubt. Auch in Moskau hatten Sicherheitskräfte gestern Ansammlungen des Oppositionsbündnisses "Anderes Russland" verhindert und unter anderem den früheren Schachweltmeister Garri Kasparow vorübergehend festgenommen. Kasparow wurde nach fünf Stunden im Polizeigewahrsam vor ein Gericht gebracht, das ihn wegen Beteiligung an einer verbotenen Demonstration zu einer Geldstrafe von 1000 Rubel (knapp 30 Euro) verurteilte. Korrespondenten der deutschen Fernsehsender ARD und ZDF wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen.

In beiden Städten hatten die Behörden den sogenannten Marsch der Dissidenten im Vorfeld untersagt und ein hartes Vorgehen gegen Demonstranten angedroht. Einige tausend Moskauer widersetzten sich dem Verbot und zogen vom abgesperrten Puschkin-Platz durch die Innenstadt zum zwei Kilometer entfernten Turgenjew-Platz. Es kam zu Festnahmen und Schlagstock-Attacken. "Sie haben auch auf Großmütter und andere Rentner eingeschlagen", sagte der liberale Parlamentsabgeordnete Wladimir Ryschkow in Moskau.

Von offizieller Seite wurde das Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten als "angemessen" bezeichnet. Der Staat habe die Pflicht, Rechtsverstöße notfalls mit Gewalt zu unterbinden, hieß es. Bereits in den vergangenen Wochen hatte das Oppositionsbündnis "Anderes Russland" tausende Menschen zu Protestkundgebungen auf die Straßen gebracht.

Oppositionspolitiker und Menschenrechtler zeigten sich schockiert über die Polizeigewalt am Wochenende. "Der Machtapparat handelt schwer paranoid", kritisierte Putins früherer Wirtschaftsberater Andrej Illarionow den Einsatz von offiziell 9000 Polizisten in Moskau. "Russland hat das Niveau von Simbabwe und Weißrussland erreicht, was das Verhältnis zwischen Staat und der Gesellschaft angeht", sagte Kasparow.

Die Opposition wirft Putin eine zunehmende Einschränkung der Menschenrechte vor der Parlamentswahl im Dezember 2007 und der Präsidentenwahl im März 2008 vor.

als/dpa/AFP/Reuters