Proteste in Syrien Regierungskräfte schießen auf Demonstranten

Zehntausende demonstrieren in Syrien - das Regime antwortet mit Gewalt: In verschiedenen Regionen des Landes sollen nach den traditionellen Freitagsgebeten mindestens acht Menschen getötet worden sein, darunter ein bekannter kurdischer Oppositioneller.


Damaskus - In Syrien ist kein Ende der Gewalt in Sicht: Bei Demonstrationen nach den traditionellen Freitagsgebeten haben Sicherheitskräfte in mehreren Städten auf Regimegegner geschossen. Mindestens acht Menschen seien getötet worden, berichteten Aktivisten. Bewaffnete hätten zudem den kurdischen Oppositionellen Mischaal al-Tammo in seiner Wohnung ermordet.

Zu den Protesten an diesem Freitag hatte der jüngst gegründete Syrische Nationalrat aufgerufen. Unter seinem Dach haben sich verschiedene syrische Oppositionsgruppen und Vereine organisiert. Erklärtes Ziel des Gremiums ist, das Assad-Regime mit Mitteln des friedlichen Protests zu stürzen. Dem Aufruf des Rates folgten zehntausende Regimekritiker in vielen Städten des Landes

In der Stadt Rastan hatten schon am Mittag Panzer die Moscheen umstellt, um die Gläubigen nach dem Freitagsgebet an Kundgebungen zu hindern, wie Anhänger der Oppositionsbewegung berichten. In vielen Städten ging das Regime nach Angaben der Aktivisten gewaltsam gegen die Demonstranten vor. In der Protesthochburg Homs seien mindestens vier Regimekritiker getötet worden. In Duma, einem Vorort von Damaskus, habe es drei Tote gegeben, teilten in London ansässige Menschenrechtsaktivisten mit. Auch in der Stadt Sabadani an der libanesischen Grenze sei ein Demonstrant gestorben.

Unter den Toten ist auch der kurdische Oppositionelle Mischaal al-Tammo. Vier bewaffnete Männer seien in Tammos Haus eingedrungen und hätten ihn erschossen, sagte der Vorsitzende der Syrian Observatory for Human Rights, Rami Abdel-Rahman. Tammos Bruder sei verletzt worden. Tammo war Mitglied des Politbüros der oppositionellen Kurdischen Volks-Union und praktisch ihr Sprecher. Er galt als scharfer Kritiker Assads. Die rund zwei Millionen Kurden in Syrien werden vom Regime des Präsidenten systematisch diskriminiert.

Nach Schätzungen des Uno-Hochkommissariats für Menschenrechte hat das brutale Vorgehen der syrischen Sicherheitskräfte seit dem Frühjahr schon mehr als 2900 Menschen das Leben gekostet. Die syrische Regierung wehrt sich jedoch gegen die Vorwürfe der internationalen Gemeinschaft. Das Land sei das Ziel terroristische Bedrohungen, sagte der stellvertretende Außenminister Faisal Mekdad.

usp/dpa/Reuters/dapd



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Flightkit, 08.10.2011
1. Das könnten wir hier auch bald haben.
Schäubles Idee, die Bundeswehr im Innern einsetzen zu können hat sich zwar nicht durchsetzen lassen, aber unsere Abgeordneten sind ja zu schnellen und einhelligen Abstimmungen fähig, wie sich zeigen läßt. Irgendeine "Fresse" wird auch da nichts verhindern können.
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