Proteste in Syrien Sicherheitskräfte riegeln Hafenstadt Banjas ab

Die syrische Armee hat laut Augenzeugen die Zugangsstraßen zur Hafenstadt Banjas gesperrt. In der Nacht kamen demnach mehrere Menschen ums Leben, als Bewaffnete aus einem fahrenden Auto das Feuer auf Passanten eröffneten. Zuvor hatten Einwohner für Reformen im Land protestiert.

Amman - Syrische Sicherheitskräfte haben Augenzeugen zufolge in der Nacht zum Montag die Hafenstadt Banjas abgeriegelt. Nach Demonstrationen für Reformen in der hauptsächlich von Sunniten bewohnten Stadt hätten Angehörige der alawitischen Minderheit aus vorbeifahrenden Autos mit Sturmgewehren auf Einwohner geschossen, hieß es. Einem Menschenrechtler zufolge wurde dabei mindestens vier Personen getötet. Den Behörden zufolge schoss eine bewaffnete Gruppe aus dem Hinterhalt auf eine Patrouille und tötete dabei neun Soldaten.

"Wir haben versucht, über die Küstenautobahn nach Banjas zu kommen, aber die Geheimpolizei hat die Straße blockiert und Autos wieder zurückgeschickt. Auch Seitenstraßen waren gesperrt", sagte ein Menschenrechtler. Ein Anführer der jüngsten Proteste, Anas al-Schughri, sagte, in der Stadt sei auch der Strom abgestellt worden. "Die Menschen sind sehr verängstigt."

Ein Aktivist, der anonym bleiben wollte, berichtet, vor der Küstenstadt seien Panzer aufgefahren. Soldaten seien mit Lastwagen und Jeeps in die Stadt vorgerückt und hätten an wichtigen Gebäuden und Kreuzungen Stellung bezogen, sagte ein namentlich nicht genannter Augenzeuge. Aus Sorge vor weiteren Kämpfen seien Schulen und die meisten Geschäfte geschlossen worden.

Nach Angaben von Aktivisten töteten Sicherheitskräfte einen Studenten an einer Universität in Damaskus, wo Hunderte Studenten protestiert hätten. Zudem sei der Campus umstellt worden, sagte ein Protestierender unter Berufung auf eine SMS. Eine unabhängige Bestätigung ist bisher aber nicht möglich.

Am Wochenende hatten die Truppen von Präsident Baschar al-Assad ihr Vorgehen gegen Demonstranten verschärft. Die Herrscherfamilie gehört zu den schiitischen Alawiten, die zehn Prozent der 20 Millionen Syrer ausmachen. Bei den Demonstrationen sind mindestens 90 Menschen ums Leben gekommen. Syrien wird seit fünf Jahrzehnten durch Notstandgesetze regiert. Assads Vater hatte in den achtziger Jahren einen Aufstand niedergeschlagen. Dabei kamen bis zu 30.000 Menschen ums Leben.

Die Bundesregierung verurteilte das gewaltsame Vorgehen gegen Regierungskritiker in Syrien. Die "fortdauernde Gewalt gegen friedliche Demonstranten ist bestürzend und verstörend", sagte Sprecher Steffen Seibert in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spreche den Angehörigen der Opfer ihre "tief empfundene Anteilnahme" aus. Die Regierung forderte von Syriens Staatschef Assad, das "Recht auf freie Meinungsäußerung zu gewährleisten". Den mehrfach von der syrischen Regierung angekündigten Reformen müssten nun "Taten folgen", sagte Seibert.

ffr/Reuters/dapd/AFP