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11. Januar 2014, 12:45 Uhr

Thailand

Mehrere Verletzte bei Angriff auf Regierungsgegner in Bangkok

Ab der kommenden Woche wollen Regierungsgegner die thailändische Hauptstadt lahmlegen. Doch schon am Wochenende ist Bangkok von neuen Gewalttaten erschüttert worden. Sieben Demonstranten wurden durch Schüsse verletzt. Die Armee mahnt vor den geplanten Massenprotesten zur Ruhe.

Bangkok - In Thailands Hauptstadt Bangkok ist die Gewalt zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung erneut aufgeflammt. Am Samstag schoss ein Unbekannter mehrfach von einem Motorrad aus auf Demonstranten und verletzte mindestens sieben Menschen.

"Die meisten Verwundeten waren Regierungsgegner. Wir ermitteln noch, wer geschossen hat", sagte Adeul Saengsingkaew, Thailands oberster Polizist. Ein Schussopfer sei in kritischem Zustand.

Ab Montag will die Opposition das öffentliche Leben in Bangkok zum Erliegen bringen. Die Gegner von Ministerpräsidenten Yingluck Shinawatra wollen zentrale Kreuzungen besetzen, zu Großdemonstrationen werden Hunderttausende Menschen erwartet. Oppositionsführer Suthep Thaugsuban hat angekündigt, dass der Protest 15 bis 20 Tage andauern werde.

"Greift nicht zur Gewalt!"

Thailands Armeechef Prayuth Chan-ocha fürchtet in der kommenden Woche neue Gewaltausbrüche. "Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit, weil viele Menschen auf die Straßen gehen werden. Die Gewalt wächst", warnte Prayuth. Er appellierte an beide politische Lager, Ruhe zu bewahren. "Wir können unterschiedlicher Meinung sein, aber wir dürfen uns nicht gegenseitig töten. Greift nicht zur Gewalt", sagte Prayuth in einer Rede anlässlich des nationalen Kindertags am Samstag.

Oppositionschef Suthep spekuliert darauf, dass die anhaltenden Proteste und die Lähmung des öffentlichen Lebens das Militär dazu veranlassen könnten, Regierungschefin Yingluck abzusetzen. In den vergangenen 81 Jahren hat die thailändische Armee 18 mal versucht, amtierende Regierungen zu stürzen - oftmals mit Erfolg.

Im gegenwärtigen Machtkampf haben sich die Streitkräfte bislang neutral verhalten. Oberbefehlshaber Prayuth kündigte aber an, dass die Soldaten ihre Pflicht tun und für Ruhe und Ordnung sorgen würden.

Der aktuelle Konflikt entzündete sich Mitte November, Zuvor hatte Regierungschefin Yingluck ein Amnestiegesetz verabschieden lassen, das ihrem Bruder - dem 2006 von der Armee gestürzten Ex-Premier Thaksin Shinawatra - die Rückkehr nach Thailand ermöglichen hätte.

Daraufhin besetzten Gegner der Shinawatras mehrere Ministerien und andere staatliche Einrichtungen. Auch in das Hauptquartier der Armee drangen sie kurzzeitig vor. Bislang sind bei den Unruhen acht Menschen getötet worden, Dutzende weitere wurden verletzt.

Als Reaktion auf die Proteste hat Yingluck für den 2. Februar Neuwahlen angesetzt, die Opposition will diese jedoch boykottieren. Suthep verlangt, dass zunächst eine neue Verfassung verabschiedet werden müsse.

syd/dpa/AFP/Reuters

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