Thailand Mehrere Verletzte bei Angriff auf Regierungsgegner in Bangkok

Ab der kommenden Woche wollen Regierungsgegner die thailändische Hauptstadt lahmlegen. Doch schon am Wochenende ist Bangkok von neuen Gewalttaten erschüttert worden. Sieben Demonstranten wurden durch Schüsse verletzt. Die Armee mahnt vor den geplanten Massenprotesten zur Ruhe.


Bangkok - In Thailands Hauptstadt Bangkok ist die Gewalt zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung erneut aufgeflammt. Am Samstag schoss ein Unbekannter mehrfach von einem Motorrad aus auf Demonstranten und verletzte mindestens sieben Menschen.

"Die meisten Verwundeten waren Regierungsgegner. Wir ermitteln noch, wer geschossen hat", sagte Adeul Saengsingkaew, Thailands oberster Polizist. Ein Schussopfer sei in kritischem Zustand.

Ab Montag will die Opposition das öffentliche Leben in Bangkok zum Erliegen bringen. Die Gegner von Ministerpräsidenten Yingluck Shinawatra wollen zentrale Kreuzungen besetzen, zu Großdemonstrationen werden Hunderttausende Menschen erwartet. Oppositionsführer Suthep Thaugsuban hat angekündigt, dass der Protest 15 bis 20 Tage andauern werde.

"Greift nicht zur Gewalt!"

Thailands Armeechef Prayuth Chan-ocha fürchtet in der kommenden Woche neue Gewaltausbrüche. "Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit, weil viele Menschen auf die Straßen gehen werden. Die Gewalt wächst", warnte Prayuth. Er appellierte an beide politische Lager, Ruhe zu bewahren. "Wir können unterschiedlicher Meinung sein, aber wir dürfen uns nicht gegenseitig töten. Greift nicht zur Gewalt", sagte Prayuth in einer Rede anlässlich des nationalen Kindertags am Samstag.

Oppositionschef Suthep spekuliert darauf, dass die anhaltenden Proteste und die Lähmung des öffentlichen Lebens das Militär dazu veranlassen könnten, Regierungschefin Yingluck abzusetzen. In den vergangenen 81 Jahren hat die thailändische Armee 18 mal versucht, amtierende Regierungen zu stürzen - oftmals mit Erfolg.

Im gegenwärtigen Machtkampf haben sich die Streitkräfte bislang neutral verhalten. Oberbefehlshaber Prayuth kündigte aber an, dass die Soldaten ihre Pflicht tun und für Ruhe und Ordnung sorgen würden.

Der aktuelle Konflikt entzündete sich Mitte November, Zuvor hatte Regierungschefin Yingluck ein Amnestiegesetz verabschieden lassen, das ihrem Bruder - dem 2006 von der Armee gestürzten Ex-Premier Thaksin Shinawatra - die Rückkehr nach Thailand ermöglichen hätte.

Daraufhin besetzten Gegner der Shinawatras mehrere Ministerien und andere staatliche Einrichtungen. Auch in das Hauptquartier der Armee drangen sie kurzzeitig vor. Bislang sind bei den Unruhen acht Menschen getötet worden, Dutzende weitere wurden verletzt.

Als Reaktion auf die Proteste hat Yingluck für den 2. Februar Neuwahlen angesetzt, die Opposition will diese jedoch boykottieren. Suthep verlangt, dass zunächst eine neue Verfassung verabschiedet werden müsse.

syd/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 24 Beiträge
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veet1 11.01.2014
1. Putsch/Army
Korrigieren Sie sofort: es gab 18, nicht 81 Armee-Übernahmen.
winki 11.01.2014
2. Putsch, ja oder nein?
Ich bin seit 14. November 2013 in Thailand und beobachte das ganze aus gebührender Entfernung. Es ist wie immer in Th. ein nicht geringer Teil der Leute nimmt an solchen Demonstrationen teil ohne so richtig zu wissen worum es eigentlich geht. Sie bekommen Geld dafür, was für manche mehr ist als was sie ansonsten am Tag zur Verfügung haben. Manche erhoffen sich bei einem eventuellen Sieg einen kleinen Posten in ihrer Region oder auch Regierungsaufrtäge. Wie immer bei großen Demos in BKK sind auch nicht wenig kriminelle dabei, die die unübersichtliche Situation für kriminelles Handeln ausnutzen. Das ganze ist eine sehr gefährliche Mischung aus echtem Volkszorn, Mitläufertum für rein persönliche Interessen und Kriminalität. Einzig die Armmee könnte für Ordnung sorgen. Nur die ist gefangen in ihrer eigenen Philosophie, noch.
thai_joe 11.01.2014
3. Wo ist hier die Demokratie ?
Der Protest Führer Sutheb Thasuban will mit viel Geld im Rücken eine demokratisch gewählte Regierung stürzen. Neuwahlen lehnt er ab weil seine Partei niemals eine Mehrheit in Thailand erreichen kann. Zuerst muss wohl die Verfassung geändert werden, so das dann eine Minderheit Thailand regieren kann. Wie Paradox ist den so etwas!
laubfrosch69 11.01.2014
4. Putsch eher nein - das Militär wird aufgefordert werden
Soeben ist in der Bangkok-Post zu lesen, daß die Wahlkommission die amtieriende Regierung aufgefordert hat, die Wahlen auf Mai zu verschieben, da schon jetzt klar ist, daß die im Februar nicht gültig sein werden. - Die Regierung hat trotzig abgelehnt und die Regierungspartei reagiert hysterisch und will die Wahlkommission vor Gericht zerren. Putzig. - Letztlich wird die Wahlkommission das Militär um Hilfe bitten, um eine Wahl im Mai in Ruhe und ordentlich vorbereiten zu können. Das wäre dann auch das politische Ende von Yingluk - deren Regierung schuldet den Reisfarmern im Norden und Zentralthailand schon seit 5 Monaten das vversprochene Geld für deren Reis. Und die Farmer stehen Yingluk schon jetzt ziemlich auf den Füßen.
laubfrosch69 11.01.2014
5. @ winki - die Demonstranten sind nicht bezahlt
Im Gegenteil. Suthep war in den vergangenen Tagen zweimal in Thon Buri (Bangkoks größerer und ärmerer Teil) für jeweils 2-3 Stunden 'spazieren' gegangen und hat mal so eben ca. 6 Millionen Bath an Barspenden von den Anwohnern bekommen! - Insofern werden die Demonstranten tatsächlich finanziell unterstützt - aber eben vom Souverän selbst, dem Volk!!
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