Proteste in Tibet China beschuldigt Dalai Lama wegen Selbstverbrennungen

Chinas politische Führung wittert hinter der Serie von Selbstverbrennungen von Tibetern eine gezielte Aktion des Dalai Lama. Das religiöse Oberhaupt der Tibeter sei Anführer einer Verschwörung, sagte ein Funktionär der Kommunistischen Partei.

Dalai Lama: China erhebt schwere Vorwürfe gegen das religiöse Oberhaupt der Tibeter
AP

Dalai Lama: China erhebt schwere Vorwürfe gegen das religiöse Oberhaupt der Tibeter


Peking - China macht den Dalai Lama und separatistische Kräfte für die anhaltende Serie von Selbstverbrennungen von Tibetern verantwortlich. Ein Parteiführer aus der Südwestprovinz Sichuan, wo sich mehr als 20 Tibeter aus Protest gegen die chinesische Herrschaft mit Benzin angezündet hatten, sprach am Mittwoch in Peking von einer orchestrierten Kampagne mit "politischen Motiven".

Die Opfer würden von Separatisten benutzt, um Chaos zu stiften. "Die Clique um den Dalai Lama hat weitere Versuche unternommen, um China zu spalten", sagte Li Changping, Mitglied des Ständigen Ausschusses der Kommunistischen Partei in Sichuan auf der Tagung des Volkskongresses. "Das fand ein Echo bei einigen wenigen Mönchen und Nonnen." Diese Leute könnten nicht für alle Tibeter sprechen. "Die Herzen der Tibeter bevorzugen immer Peking und die Kommunistische Partei Chinas", zitierte ihn die Nachrichtenagentur Xinhua. "Die separatistischen Aktivitäten der Clique um den Dalai Lama sind zum Scheitern verurteilt", sagte der Politiker. Er beschrieb das im Exil lebende religiöse Oberhaupt der Tibeter als Anführer einer Verschwörung für die Unabhängigkeit Tibets. "Wir ringen mit der Dalai-Lama-Clique nicht an der ethischen oder religiösen Front, sondern führen vielmehr einen ernsten politischen Kampf."

Der Regierungschef von Tibet, Padma Choling, sagte: "Wer zu Selbstverbrennungen anstiftet, sollte nach dem Gesetz bestraft werden." In der autonomen Region selbst habe es bislang keine Selbstverbrennungen gegeben. Er beschrieb Tibet als "stabil". Doch berichtete ein Mitglied der Tibet-Delegation des Volkskongresses, die Kontrolle der Klöster werde verschärft. Parteifunktionäre würden entsandt, um mit den Mönchen und Nonnen zu leben.

Seit dem Wochenende haben sich wieder drei Tibeter mit Benzin angezündet und umgebracht. Auch am Dienstag war ein Tibeter gestorben, nachdem er sich selbst angezündet hatte. Seit 2009 wurden 26 Selbstverbrennungen gezählt, bei denen 19 Tibeter ums Leben kamen. Am Samstag begehen die Tibeter den Jahrestag der Flucht des Dalai Lama 1959 ins indische Exil. Vor vier Jahren brachen an diesem Tag schwere Unruhen aus. Seitdem dürfen ausländische Journalisten - mit Ausnahme offizieller Touren - nicht mehr nach Tibet reisen. Auch tibetisch bewohnte Gebiete in Sichuan sind gesperrt.

hen/dpa

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