Proteste in Venezuela Schüsse bei Demo gegen Chávez

Maskierte Männer haben in Venezuela bei Protesten gegen eine Verfassungsänderung auf Demonstranten geschossen. 80.000 Studenten forderten die Verschiebung des Referendums, das Staatschef Chávez noch mehr Macht geben soll.


Caracas - Acht Menschen wurden bei den Demonstrationen in der Hauptstadt Caracas nach Behördenangaben verletzt, mindestens zwei von ihnen wurden angeschossen. Auf dem Universitätsgelände spielten sich dramatische Szenen ab. Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AP zählten und fotografierten mindestens vier maskierte Männer, die Demonstranten mit Pistolen bedrohten. Sie feuerten auch Schüsse in die Menge der protestierenden Studenten. Die Männer waren teilweise mit Skimasken vermummt, andere hatten sich T-Shirts das Gesicht gebunden.

Rettungskräfte bringen sich in Sicherheit: Verletzte bei Protest gegen Verfassungsreform
REUTERS

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Rund 80.000 Studenten hatten eine Verschiebung des für Dezember geplanten Referendums über eine Verfassungsänderung gefordert. Der von der Nationalversammlung gebilligte Entwurf weitet die Machtbefugnisse von Präsident Hugo Chávez aus.

Die Nationalgarde war während der Proteste vor dem Universitätsgelände postiert, griff jedoch nicht ein, als die Maskierten begannen auf die friedlich protestierenden Studenten zu schießen. Nach venezolanischem Recht darf die Nationalgarde das Universitätsgelände nur auf eine Bitte der Hochschule hin betreten.

Die geplanten Verfassungsänderungen laufen zumeist darauf hinaus, die politische Macht des Präsidenten zu stärken. So wird die Begrenzung von mehreren Amtszeiten aufgegeben, was es dem erstmals 1998 gewählten Chávez ermöglicht, im Jahr 2012 erneut zu kandidieren. Die Regierung soll die völlige Kontrolle über die Zentralbank erhalten. Außerdem werden neue Formen des genossenschaftlichen Eigentums geschaffen. Bei einem Ausnahmezustand werden Medienzensur und Verhaftungen ohne Anklage möglich.

als/AP



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