Protokoll des Protesttages Wüste Schlachten auf Kairos Straßen

AP

2. Teil: Video zeigt Brutalität der Sicherheitskräfte


+++ Tahrir-Platz wieder ruhiger +++

[20.13] In den vergangenen Tagen kamen noch Menschen mit Trommeln auf den Tahrir-Platz - doch die ausgelassene Stimmung ist längst vorbei. Bei blutigen Unruhen hat es auch am Donnerstag wieder viele Tote und Verletzte gegeben. Momentan hat sich die Lage auf dem Platz beruhigt, berichtet ein Reporter von al-Dschasira. Die Mubarak-Anhänger seien zurückgewichen. Er könne zurzeit keine Kämpfe beobachten.

+++ Demonstranten attackieren ägyptische Botschaft im Libanon +++

[20.11] Die libanesische Polizei hat Demonstranten gewaltsam daran gehindert, die ägyptische Botschaft in Beirut zu stürmen. Mehr als 50 Protestierende versuchten, den Stacheldraht vor der Botschaft wegzuschaffen oder zu überwinden. "Sie wurden aber daran gehindert, ohne dass es Verletzte gegeben hat", sagte ein Polizeisprecher. Unter den Demonstranten befanden sich viele im Libanon lebende Ägypter. Die Botschaft in Beirut ist seit vergangenem Samstag täglich Schauplatz von Demonstrationen zur Unterstützung der ägyptischen Rebellion.

+++ Weiterer Amnesty-Mitarbeiter festgenommen +++

[20.06] Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärt, ein weiterer Mitarbeiter sei festgenommen worden. Die Militärpolizei habe ihn am Morgen abgeführt, so die Organisation. Zahlreiche Menschenrechtler wurden in den vergangenen Tagen festgenommen.

+++ Immer mehr brutale Übergriffe auf Reporter +++

[19.58] Für ausländische Journalisten wird die Lage in Ägypten immer bedrohlicher: Reporter werden verprügelt, gejagt, festgenommen. Der Journalistenverband CPJ (Committee to Protect Journalists) hat die brutalen Angriffe auf Korrespondenten in einer Liste zusammengetragen. CNN berichtet, dass das ägyptische Innenministerium daran beteiligt gewesen sein, die Journalisten zusammenzutreiben. Der Sender beruft sich auf Insider im US-Außenministerium.

+++ Büroleiterin der "Washington Post" festgenommen +++

[19.50] Aus Kairo werden immer neue Fälle von Gewalt gegen Journalisten gemeldet. Drei Mitarbeiter der "Washington Post" sollen von der Militärpolizei festgenommen worden sein, wie Augenzeugen berichten. Unter ihnen befindet sich offenbar auch Leila Fadel, Büroleiterin der Zeitung in der ägyptischen Hauptstadt. Außerdem wurden eine Fotografin und ein Übersetzer in Gewahrsam genommen. Gerüchte, wonach die drei im Innenministerium festgehalten werden, haben sich aber offenbar als falsch erwiesen. Al-Dschasira meldet zudem, ein Journalist seines Senders werde vermisst.

+++ Auch Syriens Opposition kündigt "Tag des Zorns" an +++

[19.33] Regierungsgegner haben - wie in Ägypten - auch in Syrien für Freitag zu einer Großdemonstration aufgerufen. Über das Internetnetzwerk Facebook forderten sie zu einem "Tag des Zorns" und gewaltlosen Erhebungen im ganzen Land auf. Damit wollen sie gegen Armut und Arbeitslosigkeit demonstrieren - und gegen Präsident Baschar al-Assad. Nach offiziellen Angaben leben 14 Prozent der 22 Millionen Einwohner Syriens in Armut, jeder Fünfte ist arbeitslos. Assad regiert das Land seit dem Jahr 2000.

+++ Video zeigt Brutalität der Sicherheitskräfte +++

[19.22] In einem privaten Blog in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ein Video aufgetaucht, das eine sehr brutale Szene zeigt. Offenbar richtet sich die Gewalt gegen Regimegegner. In dem Clip rast ein Auto, vermutlich ein Polizeifahrzeug, mit hohem Tempo in eine Gruppe von Demonstranten. Dabei werden mehrere Personen angefahren und auf die Straße geschleudert. Wo und wann genau sich der Vorfall ereignet hat, wird nicht klar. Die 2:36 Minuten lange, drastische Sequenz ist inzwischen auch bei YouTube abrufbar.

+++ Westerwelle verurteilt Gewalt gegen Journalisten +++

[19.17] Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilt die Angriffe gegen Ausländer und Journalisten bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen in Ägypten scharf. "Wir sind außerordentlich besorgt über die Nachrichten, die sich häufen, dass auch Gewalt gegen Ausländer, insbesondere auch gegen ausländische Journalisten angewendet wird", so Westerwelle. Die Presse- und Versammlungsfreiheit in Ägypten müsse gewahrt werden. "Das ist die klare Erwartung an die ägyptischen Sicherheitsbehörden."

+++ Ziehen sich Mubarak-Anhänger vorläufig zurück? +++

[18.56] Sowohl ein BBC-Reporter als auch eine al-Dschasira-Korrespondentin berichten, um den Tahrir-Platz seien die Mubarak-Anhänger zurückgewichen. Offenbar gibt es aber weiter Kämpfe zwischen ihnen und Regimegegnern. Molotow-Cocktails wurden in die Gruppe der Oppositionellen geworfen. Es waren Schüsse zu hören, offenbar hatten Soldaten Warnschüsse in die Luft gefeuert. Es gab aber auch Berichte, dass Scharfschützen in die Menge gefeuert hätten.

+++ Demonstranten trotzen der Ausgangssperre +++

[18.46] Seit fast drei Stunden gilt die Ausgangssperre in Ägypten. Doch die Straßen von Kairo leeren sich nicht. Molotow-Cocktails fliegen durch die Luft, es brennen Feuer, zeigen Bilder von al-Dschasira. Demonstranten verschanzen sich hinter Barrikaden aus Wellblech. Panzer fahren durch die Straßen. Auf dem Tahrir-Platz harrt noch immer eine Menschenmenge aus.

+++ Massenproteste in Alexandria +++

[18.37] Ein CNN-Reporter berichtet aus Alexandria, wo die "Stimmung extrem angespannt" sei. Auch dort demonstrieren sowohl Mubarak-Anhänger als auch Regimegegner. Die Oppositionellen rufen demnach: "Wir werden Ägypten heute Nacht befreien."

+++ Schwedischer Reporter in Kairo möglicherweise entführt +++

[18.25] Ein Reporter des schwedischen Fernsehsenders SVT ist am Donnerstag in Kairo verschwunden - und möglicherweise entführt worden. SVT in Stockholm berichtet, am Handy des Korrespondenten Bert Sundström habe sich ein Arabisch sprechender Mann gemeldet. Er habe gesagt: "Euer Mann ist bei der Armee. Wenn ihr Hurensöhne ihn zurückhaben wollt, müsst ihr kommen und ihn euch holen." Danach habe es seit dem frühen Nachmittag keinen Kontakt mit Sundström mehr gegeben, heißt es weiter. Schwedens Außenministerium und die Botschaft des Landes in Kairo seien eingeschaltet.

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proximus1977 03.02.2011
1. Teuflischer Schachzug....
...des im Sterben liegenden Regimes, ihre Sicherheits- und Geheimdienstkräfte in Räuberzivil schlüpfen zu lassen und eine Eskalation der friedlichen Proteste zu bewirken. Ein Armutszeugnis das dieses doch sehr offensichtliche Vorgehen eines Diktators nicht von den Medien erkannt wird. Der ägyptische Diktator war im Hintergrund sehr aktiv die letzten Tage. Das Militär hat er teilweise wieder auf seine Seite (nach wahrscheinlich großzügigen Zuwendungen an entsprechende Schlüsselpositionen - eine naheliegende Vermutung) und seine Sicherheitskräfte hat er in Form von (angeblichen) Regierungssympatisanten in die Stadt zurückkehren lassen um dort für eine Eskalation der Lage zu sorgen mit größstmöglichsten Chaos um die Legitimation der Demonstration in Frage zu stellen somit für drastischere Maßnahmen und strikteres Vorgehen moralisch und international verantworten zu können. Wie gesagt...sehr, sehr clever der alte Diktator. ;( Mein Resümee...Umsturz ade in Ägypten. Die internationalen Verbündeten werden diese Entwicklung nicht gerade bedauern. Im Gegenteil...ein Unterstützung einiger westlicher Geheimdienste (ohne Staaten nennen zu wollen) halte ich sogar für gut möglich.
loetilein 03.02.2011
2. Chapeau
Meine ganze Bewunderung gilt dem Ägyptischen Volk. Ihr Mut und die Etschlossenheit ist zu bewundern. Gleichzeitig wird die ganze Verlogenheit und das gefasel von "freiheitlichen Demokratien" als blanke Hülse entlarft. Leider mußte es in Kairo zur Gewalt kommen, es ist die einzigste Sprache, welche von Politilern weltw3eit verstanden wird, und somit alternativlos. Von Ägypten lernen heißt siegen.
sir.viver 03.02.2011
3. Live ticker sieht anders aus
Zitat von sysopIn der Nacht ist die Gewalt in Kairo wieder eskaliert: Anhänger von Präsident Mubarak schossen auf Demonstranten, laut al-Dschasira wurden mindestens fünf Menschen getötet. Trotzdem strömen wieder Hunderte auf den Platz der Befreiung. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743250,00.html
Auf MSNBC MSN wurde die News schon vor Stunden gebracht http://www.msnbc.msn.com/id/41399519/ns/world_news-mideastn_africa/?gt1=43001
kundennummer 03.02.2011
4. Gehn wie ein Eeegypteer
Hoffentlich auch bald anderswo. Das tosende Schweigen von grün-links zum Befreiungskampf der Ägypter spricht für sich. Wo weilen denn die sonst unvermeidbaren Spitzengrünen Claudia/Cem oder "der Frank-Walter" oder der linke NOTAR Gysi? Gefällt wohl nicht wenn es ein sozusagen unparteiischer Umsturz ist. Das Links-Rechts-Spektakel hat in Dtl. eben genauso fertig wie in den USA.
Dirk Ahlbrecht, 03.02.2011
5. ...
Zitat von loetileinMeine ganze Bewunderung gilt dem Ägyptischen Volk. Ihr Mut und die Etschlossenheit ist zu bewundern. Gleichzeitig wird die ganze Verlogenheit und das gefasel von "freiheitlichen Demokratien" als blanke Hülse entlarft. Leider mußte es in Kairo zur Gewalt kommen, es ist die einzigste Sprache, welche von Politilern weltw3eit verstanden wird, und somit alternativlos. Von Ägypten lernen heißt siegen.
Na, loetilein, da werfen Sie doch einiges durcheinander - dies wohl mit Absicht. Freiheitliche Demokratien gibt es, dies hat aber mit Ägypten aktuell nichts zu tun. Ägypten, und dies wäre sehr schön, will sich auf den Weg dorthin machen. Das dieser Weg beschwerlich und bisweilen gefährlich ist, sehen wir gerade in Ägypten.
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