Protokoll des Protesttages Wüste Schlachten auf Kairos Straßen

AP

3. Teil: Viele Tote und Verletzte


+++ Tourismusindustrie beklagt Milliardenschaden +++

[18.24] Die ägyptische Tourismusindustrie verzeichnet große Einbußen aufgrund der Unruhen. Vizepräsident Omar Suleiman berichtet in einem Fernsehinterview, dass innerhalb von neun Tagen etwa eine Million Touristen das Land verlassen hätten. Der Verlust betrage rund eine Milliarde Dollar.

+++ Reuters: Ärzte sprechen von zehn Toten +++

[18.02] Nach Angaben von Ärzten in Behelfskliniken sind bei den Ausschreitungen in Kairo am Donnerstag zehn Menschen ums Leben gekommen. Das meldet die Agentur Reuters.

+++ Bundesregierung gibt 500.000 Euro für Ägypten-Hilfe +++

[18.01] Das Auswärtige Amt stellt dem Roten Kreuz 500.000 Euro für die Ägypten-Soforthilfe zur Verfügung. Mit dem Geld sollen besonders betroffene Bevölkerungsgruppen unterstützt werden, teilte das Ministerium mit. Das Rote Kreuz unterstütze lokale Rettungskräfte bei der Versorgung von Verwundeten. Unter anderem würden Medikamente und medizinisches Material für Krankenstationen und Krankenhäuser bereitgestellt.

+++ Vizepräsident Suleiman sieht "Kräfte aus dem Ausland" am Werk +++

[17.55] Vizepräsident Omar Suleiman bezeichnet die Forderungen der jugendlichen Demonstranten als "legitim und akzeptabel". Allerdings habe es auch "Elemente" gegeben, die Chaos im Land geschürt hätten. Womöglich hätten "Kräfte aus dem Ausland" die Gewalt verursacht. Während der Vizepräsident sich im Staatsfernsehen äußert, gibt es auf dem Tahrir-Platz neue Auseinandersetzungen.

+++ Ägyptens Vizepräsident: Keine Wahlen vor Herbst +++

[17.45] Vizepräsident Omar Suleiman spricht im ägyptischen Staatsfernsehen. Die Präsidentschaftswahlen würden im August oder September stattfinden, sagt er. Einen früheren Termin lehnt er ab. Einen Rücktritt Mubaraks schließt Suleiman ebenfalls kategorisch aus.

+++ "Systematische Razzien" +++

[17.44] Menschenrechtler beklagen Durchsuchungen und Attacken in Kairo. "Ägyptische Sicherheitskräfte haben in der ganzen Stadt systematische Razzien gegen Journalisten und Menschenrechtler begonnen", sagt Peter Bouckaert, Mitarbeiter von Human Rights Watch. Zwei Mitarbeiter von Human Rights Watch und Amnesty International wurden in Kairo am Donnerstag festgenommen.

+++ Regierung lädt Muslimbruderschaft ein +++

[17.43] Die Regierung hat die islamistische Muslimbruderschaft zu einem Treffen eingeladen, teilt Vizepräsident Suleiman mit. Die Gruppe gilt als eine der wichtigsten Oppositionskräfte in dem Land.

+++ Viele Tote und Verletzte +++

[17.33] Blutüberströmte Demonstranten, Eisenstangen und Schlagstöcke als Waffen: Tausende Menschen sind bei den tagelangen gewalttätigen Protesten in Kairo verletzt worden. Das Gesundheitsministerium spricht von 1200 Verletzten - doch es dürften deutlich mehr sein. Dem Ministerium zufolge sind 13 Menschen bei den Protesten in den vergangenen Tagen getötet worden, tatsächlich haben die Kämpfe wohl sehr viel mehr Todesopfer gefordert. Bei al-Dschasira berichtet ein Reporter aus einem Krankenhaus in Kairo, drei Menschen seien dort an Schusswunden gestorben. AFP berichtet, ein Ausländer sei auf dem Tahrir-Platz zu Tode geprügelt worden. Für diesen Bericht gibt es allerdings keine Bestätigung.

+++ Obama hofft auf "bessere Tage" in Ägypten +++

[17.25] US-Präsident Barack Obama betet nach eigenen Angaben für Frieden in Ägypten. Er wünsche sich, dass die Hoffnungen der Menschen Wirklichkeit werden "und dass für Ägypten und die Welt bessere Tage anbrechen", sagt Obama in Washington beim Nationalen Gebetsfrühstück, bei dem der Präsident traditionell mit führenden Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft Glaubensfragen diskutiert. Die USA hatten die Gewalt in Ägypten scharf verurteilt und die Regierung in Kairo aufgerufen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

+++ Ägypter dürfen ihr Geld aus dem Land schaffen +++

[17.13] Die ägyptische Zentralbank will nach ihrer Wiedereröffnung am Sonntag alle Transfers ins Ausland gestatten. Abhebungen von Privatpersonen seien jedoch nur in begrenztem Umfang möglich, teilten die Notenbanker mit. Geöffnet seien nur ausgewählte Zweigstellen in Kairo und anderen Großstädten, und zwar in der Zeit von 10 bis 13.30 Uhr. Der stellvertretende Zentralbank-Gouverneur Mischam Rames trat Befürchtungen entgegen, das ägyptische Pfund könnte infolge der politischen Proteste gegen Präsident Husni Mubarak schwächeln. "Das stimmt nicht."

+++ Kämpfe werden heftiger +++

[17.09] Die Kämpfe auf dem Tahrir-Platz werden offenbar wieder heftiger. Oppositionelle bewaffnen sich mit Steinen, immer mehr Barrikaden werden aufgebaut. Zudem berichtet BBC über Kämpfe in kleinen Straßen in der Umgebung.

+++ Amnesty-Mitarbeiter festgenommen +++

[17.06] Ein Mitarbeiter von Amnesty International ist in Kairo festgenommen worden, berichtet die Menschenrechtsorganisation. Er sei ebenso wie ein Mitarbeiter von Human Rights Watch an einen unbekannten Ort gebracht worden; die Organisation wisse nicht, wo sie sich befänden. Amnesty International ruft dazu auf, die Kollegen "unverzüglich freizulassen".

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proximus1977 03.02.2011
1. Teuflischer Schachzug....
...des im Sterben liegenden Regimes, ihre Sicherheits- und Geheimdienstkräfte in Räuberzivil schlüpfen zu lassen und eine Eskalation der friedlichen Proteste zu bewirken. Ein Armutszeugnis das dieses doch sehr offensichtliche Vorgehen eines Diktators nicht von den Medien erkannt wird. Der ägyptische Diktator war im Hintergrund sehr aktiv die letzten Tage. Das Militär hat er teilweise wieder auf seine Seite (nach wahrscheinlich großzügigen Zuwendungen an entsprechende Schlüsselpositionen - eine naheliegende Vermutung) und seine Sicherheitskräfte hat er in Form von (angeblichen) Regierungssympatisanten in die Stadt zurückkehren lassen um dort für eine Eskalation der Lage zu sorgen mit größstmöglichsten Chaos um die Legitimation der Demonstration in Frage zu stellen somit für drastischere Maßnahmen und strikteres Vorgehen moralisch und international verantworten zu können. Wie gesagt...sehr, sehr clever der alte Diktator. ;( Mein Resümee...Umsturz ade in Ägypten. Die internationalen Verbündeten werden diese Entwicklung nicht gerade bedauern. Im Gegenteil...ein Unterstützung einiger westlicher Geheimdienste (ohne Staaten nennen zu wollen) halte ich sogar für gut möglich.
loetilein 03.02.2011
2. Chapeau
Meine ganze Bewunderung gilt dem Ägyptischen Volk. Ihr Mut und die Etschlossenheit ist zu bewundern. Gleichzeitig wird die ganze Verlogenheit und das gefasel von "freiheitlichen Demokratien" als blanke Hülse entlarft. Leider mußte es in Kairo zur Gewalt kommen, es ist die einzigste Sprache, welche von Politilern weltw3eit verstanden wird, und somit alternativlos. Von Ägypten lernen heißt siegen.
sir.viver 03.02.2011
3. Live ticker sieht anders aus
Zitat von sysopIn der Nacht ist die Gewalt in Kairo wieder eskaliert: Anhänger von Präsident Mubarak schossen auf Demonstranten, laut al-Dschasira wurden mindestens fünf Menschen getötet. Trotzdem strömen wieder Hunderte auf den Platz der Befreiung. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743250,00.html
Auf MSNBC MSN wurde die News schon vor Stunden gebracht http://www.msnbc.msn.com/id/41399519/ns/world_news-mideastn_africa/?gt1=43001
kundennummer 03.02.2011
4. Gehn wie ein Eeegypteer
Hoffentlich auch bald anderswo. Das tosende Schweigen von grün-links zum Befreiungskampf der Ägypter spricht für sich. Wo weilen denn die sonst unvermeidbaren Spitzengrünen Claudia/Cem oder "der Frank-Walter" oder der linke NOTAR Gysi? Gefällt wohl nicht wenn es ein sozusagen unparteiischer Umsturz ist. Das Links-Rechts-Spektakel hat in Dtl. eben genauso fertig wie in den USA.
Dirk Ahlbrecht, 03.02.2011
5. ...
Zitat von loetileinMeine ganze Bewunderung gilt dem Ägyptischen Volk. Ihr Mut und die Etschlossenheit ist zu bewundern. Gleichzeitig wird die ganze Verlogenheit und das gefasel von "freiheitlichen Demokratien" als blanke Hülse entlarft. Leider mußte es in Kairo zur Gewalt kommen, es ist die einzigste Sprache, welche von Politilern weltw3eit verstanden wird, und somit alternativlos. Von Ägypten lernen heißt siegen.
Na, loetilein, da werfen Sie doch einiges durcheinander - dies wohl mit Absicht. Freiheitliche Demokratien gibt es, dies hat aber mit Ägypten aktuell nichts zu tun. Ägypten, und dies wäre sehr schön, will sich auf den Weg dorthin machen. Das dieser Weg beschwerlich und bisweilen gefährlich ist, sehen wir gerade in Ägypten.
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