Protokoll des Protesttages Wüste Schlachten auf Kairos Straßen

AP

5. Teil: Mubarak-Propaganda über Vodafone-Netz


+++ Gewalttäter sollen bestraft werden +++

[15.54] Immer mehr Details werden aus der Pressekonferenz von Vizepräsident Omar Suleiman bekannt: Er hat die Bestrafung aller Personen angekündigt, die an den Gewalttaten auf dem Tahrir-Platz beteiligt waren. Außerdem sollen Regimegegner, die zwar verhaftet wurden, aber keine Gewalt ausgeübt haben, freigelassen werden. Bei Twitter kommentieren viele das abfällig: "Suleiman ist der gute Polizist, Mubarak der böse Polizist."

+++ Schüsse nahe Tahrir-Platz +++

[15.50] In Kairo sind Schüsse zu hören, offenbar feuert die Armee Warnschüsse in der Nähe des Tahrir-Platzes in die Luft. Augenzeugen berichten, viele Menschen würden wegrennen.

+++ Mubaraks Sohn wird definitiv nicht kandidieren +++

[15.48] Im September sollen Präsidentschaftswahlen in Ägypten stattfinden. Husni Mubarak wollte nach 30 Jahren im Amt den Posten an seinen Sohn Gamal abgeben - ihn baut er bereits seit Jahren als Nachfolger auf. Nun hat Vizepräsident Omar Suleiman dem Staatsfernsehen zufolge verkündet, Gamal werde nicht für das Präsidentenamt kandidieren - ein Versuch, die Oppositionellen zu beschwichtigen. Ob das gelingt?

+++ Frühere Minister dürfen nicht ausreisen +++

[15.23] Das staatliche ägyptische Fernsehen berichtet, ranghohe Vertreter des Regimes von Präsident Husni Mubarak dürften nicht aus dem Land ausreisen. Dies habe der ägyptische Generalstaatsanwalt entschieden. Betroffen sind unter anderem der frühere Innenminister und der frühere Tourismusminister. Ihre Bankkonten würden eingefroren.

+++ Details aus den ägyptischen Propaganda-SMS +++

[15.22] Die Nachrichtenagentur dpa berichtete über Inhalte der SMS, die laut Vodafone auf Anweisung der ägyptischen Behörden über das Netz des Mobilfunkanbieters versendet wurden. In Blogs sowie im Internet-Foto-Portal Flickr wurden Aufnahmen mit Darstellungen der SMS-Mitteilungen veröffentlicht. Diese richten sich demnach unter anderem an die "Jugend Ägyptens" mit der Aufforderung: "Hütet euch vor Gerüchten und hört die Stimme der Vernunft". Eine andere SMS richtet sich an "jede Mutter, jeden Vater, jede Schwester, jeden Bruder, an jeden ehrlichen Bürger, bewahrt dieses Land, da die Nation ewig ist". Eine weitere SMS wurde demnach als Botschaft der Streitkräfte ausgegeben und forderte "Ägyptens ehrliche und loyale Männer auf, sich den Verrätern und Kriminellen entgegenzustellen und unser Volk und unsere Ehre und unser kostbares Ägypten zu beschützen".

+++ Pro-Mubarak-SMS über Vodafone-Netz verschickt +++

[15.04] Über das Netz des Mobilfunkbetreibers Vodafone wurden in Ägypten Kurzmitteilungen mit staatlicher Propaganda verbreitet. Das Unternehmen teilte mit, es sei von den Behörden angewiesen worden, seit Beginn der Proteste "Mitteilungen an das ägyptische Volk zu verschicken". Die Behörden hätten sich dabei auf die Notstandsbefugnisse des Telekommunikationsgesetzes berufen. Vodafone folgte der Anweisung, protestierte aber nach eigenen Angaben dagegen. "Wir haben deutlich gemacht, dass all diese Mitteilungen transparent sein sollten und eindeutige Urheberangaben enthalten sollten", erklärte der Konzern: "Vodafone protestierte gegenüber den Behörden, dass die Situation inakzeptabel ist." Der Konzern habe den Inhalt der Mitteilungen nicht ändern können. In Blogs sowie im Internet-Foto-Portal Flickr wurden Aufnahmen mit Darstellungen der SMS-Mitteilungen veröffentlicht. Die Agentur Reuters berichtete, in einer Mitteilung sei für eine Pro-Mubarak-Demo geworben worden.

+++ Berichte über Schüsse in Kairo +++

[15.00] Al-Dschasira berichtet, in Kairo seien Schüsse nahe der Nil-Brücke zu hören, die zum Tahrir-Platz führt. Eine Augenzeugin meint dem Sender zufolge, es könnten Warnschüsse gewesen sein.

+++ Premierminister Schafik überrascht über Kamele in Kairo +++

[14.38] Al-Dschasira überträgt mit wackeliger Kamera Teile einer Pressekonferenz, die vor einigen Stunden mit Premierminister Ahmed Schafik stattgefunden hat. Er sei sehr überrascht gewesen, als er plötzlich Kamele auf dem Tahrir-Platz gesehen habe, so Schafik. Seine Entschuldigung für die Übergriffe dürfe nicht so verstanden werden, dass die Regierung von solchen Plänen gewusst habe. "Niemand war sich im Klaren darüber, wer hinter diesen Attacken steckt."

+++ USA verurteilen Einschüchterungsversuche gegen Journalisten +++

[14.26] Freie Berichterstattung? Davon kann in Ägypten keine Rede sein. Das US-Außenministerium hat deshalb die Versuche, ausländische Journalisten einzuschüchtern und sie damit von einer Berichterstattung über die Gewalteskalation zu verhindern, verurteilt. Es gebe eine regelrecht geplante Kampagne, erklärte Außenamtssprecher P. J. Crowley via Twitter.

+++ ZDF-Journalistin nach 20 Stunden freigelassen +++

[14.20] 20 Stunden saß sie in einem Kairoer Hochsicherheitstrakt, jetzt ist eine für die "New York Times" und das ZDF in Ägypten arbeitende Journalistin wieder auf freiem Fuß. Das sagte ZDF-Chefredakteur Peter Frey am Donnerstag. Die Frau war am Mittwochnachmittag auf der Fahrt von Alexandria nach Kairo festgenommen worden.

+++ Massenprotest in Alexandria +++

[14.10] Nicht nur in Kairo, auch in anderen Teilen Ägyptens kommt es zu massiven Protesten gegen Ägyptens Präsident Husni Mubarak. In Alexandria seien viele Menschen auf den Straßen, Gesetz und Ordnung würden nicht mehr gelten, berichtet ein BBC-Reporter.

+++ Russland fürchtet Ausufern der Gewalt +++

[13.52] Russland ist wegen der Gewalteskalation in Ägypten alarmiert. Die Regierung in Moskau rief die Konfliktparteien in dem Land zu einer gewaltfreien Lösung des Machtkampfs auf. "Wir sind über die augenblickliche Lage äußerst beunruhigt", sagte ein Sprecher von Außenminister Sergej Lawrow nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. Man appelliere an alle Seiten in Kairo, den Konflikt "mit zivilisierten Methoden und ohne Gewalt sowie in demokratischem Rahmen" zu lösen. Russland fürchte ein Ausufern der Gewalt.

+++ Al-Arabija berichtet von Gewehrschüssen +++

[13.52] Es ist nicht klar, wer die Schüsse abgibt, aber dem Fernsehsender al-Arabija zufolge ist auf Kairos Tahrir-Platz Gewehrfeuer zu hören.

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proximus1977 03.02.2011
1. Teuflischer Schachzug....
...des im Sterben liegenden Regimes, ihre Sicherheits- und Geheimdienstkräfte in Räuberzivil schlüpfen zu lassen und eine Eskalation der friedlichen Proteste zu bewirken. Ein Armutszeugnis das dieses doch sehr offensichtliche Vorgehen eines Diktators nicht von den Medien erkannt wird. Der ägyptische Diktator war im Hintergrund sehr aktiv die letzten Tage. Das Militär hat er teilweise wieder auf seine Seite (nach wahrscheinlich großzügigen Zuwendungen an entsprechende Schlüsselpositionen - eine naheliegende Vermutung) und seine Sicherheitskräfte hat er in Form von (angeblichen) Regierungssympatisanten in die Stadt zurückkehren lassen um dort für eine Eskalation der Lage zu sorgen mit größstmöglichsten Chaos um die Legitimation der Demonstration in Frage zu stellen somit für drastischere Maßnahmen und strikteres Vorgehen moralisch und international verantworten zu können. Wie gesagt...sehr, sehr clever der alte Diktator. ;( Mein Resümee...Umsturz ade in Ägypten. Die internationalen Verbündeten werden diese Entwicklung nicht gerade bedauern. Im Gegenteil...ein Unterstützung einiger westlicher Geheimdienste (ohne Staaten nennen zu wollen) halte ich sogar für gut möglich.
loetilein 03.02.2011
2. Chapeau
Meine ganze Bewunderung gilt dem Ägyptischen Volk. Ihr Mut und die Etschlossenheit ist zu bewundern. Gleichzeitig wird die ganze Verlogenheit und das gefasel von "freiheitlichen Demokratien" als blanke Hülse entlarft. Leider mußte es in Kairo zur Gewalt kommen, es ist die einzigste Sprache, welche von Politilern weltw3eit verstanden wird, und somit alternativlos. Von Ägypten lernen heißt siegen.
sir.viver 03.02.2011
3. Live ticker sieht anders aus
Zitat von sysopIn der Nacht ist die Gewalt in Kairo wieder eskaliert: Anhänger von Präsident Mubarak schossen auf Demonstranten, laut al-Dschasira wurden mindestens fünf Menschen getötet. Trotzdem strömen wieder Hunderte auf den Platz der Befreiung. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743250,00.html
Auf MSNBC MSN wurde die News schon vor Stunden gebracht http://www.msnbc.msn.com/id/41399519/ns/world_news-mideastn_africa/?gt1=43001
kundennummer 03.02.2011
4. Gehn wie ein Eeegypteer
Hoffentlich auch bald anderswo. Das tosende Schweigen von grün-links zum Befreiungskampf der Ägypter spricht für sich. Wo weilen denn die sonst unvermeidbaren Spitzengrünen Claudia/Cem oder "der Frank-Walter" oder der linke NOTAR Gysi? Gefällt wohl nicht wenn es ein sozusagen unparteiischer Umsturz ist. Das Links-Rechts-Spektakel hat in Dtl. eben genauso fertig wie in den USA.
Dirk Ahlbrecht, 03.02.2011
5. ...
Zitat von loetileinMeine ganze Bewunderung gilt dem Ägyptischen Volk. Ihr Mut und die Etschlossenheit ist zu bewundern. Gleichzeitig wird die ganze Verlogenheit und das gefasel von "freiheitlichen Demokratien" als blanke Hülse entlarft. Leider mußte es in Kairo zur Gewalt kommen, es ist die einzigste Sprache, welche von Politilern weltw3eit verstanden wird, und somit alternativlos. Von Ägypten lernen heißt siegen.
Na, loetilein, da werfen Sie doch einiges durcheinander - dies wohl mit Absicht. Freiheitliche Demokratien gibt es, dies hat aber mit Ägypten aktuell nichts zu tun. Ägypten, und dies wäre sehr schön, will sich auf den Weg dorthin machen. Das dieser Weg beschwerlich und bisweilen gefährlich ist, sehen wir gerade in Ägypten.
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