Protokoll des Protesttages Wüste Schlachten auf Kairos Straßen

AP

6. Teil: Panzer drängen Regimetreue zurück


+++ Warnungen vor Mubarak-Anhängern +++

[13.34] Die ägyptische Journalistin Shahira Amin berichtet der BBC, die Demonstranten hätten ein Warnsystem für den Tahrir-Platz entwickelt. Wenn Mubarak-Anhänger sich dem Platz näherten, würden Wachmänner laut auf die Panzer klopfen und Metallstücke gegeneinander schlagen, um die Oppositionellen zu warnen. Shahira Amin war zuvor stellvertretende Leiterin des ägyptischen Staatsfernsehens und ist eigenen Angaben zufolge zur Opposition übergelaufen.

+++ Panzer drängen Mubarak-Anhänger zurück +++

[13.26] Panzer sollen jetzt Zusammenstöße zwischen Regierungsanhängern und Mubarak-Gegnern auf dem Tahrir-Platz in Kairo verhindern. Die Fahrzeuge drängten unter anderem Mubarak-Anhänger zurück, die sich von einer Brücke aus auf den Weg zu dem Platz gemacht hatten, berichtete ein AFP-Reporter.

+++ Menschenrechtler eingekesselt +++

[13.25] Mitarbeiter des Menschenrechtszentrums "Hischam Mubarak" seien in ihrem Büro von Anhängern des Regimes eingekesselt worden, sagt ein Mitarbeiter von Human Rights Watch.

+++ Armee hält Journalisten fest +++

[13.22] Laut der Nachrichtenagentur Associated Press treibt die Armee Journalisten zusammen, möglicherweise zu ihrem eigenen Schutz. Eine Gruppe Berichterstatter werde von ägyptischen Soldaten festgehalten, nachdem sie von Mubarak-Unterstützern attackiert wurden.

+++ "Korrespondenten sind kein Freiwild" +++

[12.59] Der Deutsche Journalisten-Verband appelliert eindringlich, Journalisten nicht an der Berichterstattung über die Unruhen in Ägypten zu hindern. Die körperliche Unversehrtheit der Korrespondenten sei oberstes Gebot, sagt DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken: "Korrespondenten sind kein Freiwild." Ihre Aufgabe bestehe in kritischer und unabhängiger Berichterstattung. Demonstranten, Gegendemonstranten und Sicherheitskräfte müssten dies ohne Wenn und Aber akzeptieren.

+++ Berichte: Ausländer werden abgeführt +++

[12.50] Augenzeugen berichteten mehreren Agenturen, dass zivil gekleidete Personen auf dem Tahrir-Platz Ausweise kontrollieren würden. Mehrere Ausländer seien abgeführt worden.

+++ Reuters-Mitarbeiter verprügelt +++

[12.42] In der Nähe des Tahrir-Platzes wird ein Mitglied eines Reuters-Kamerateams zusammengeschlagen, berichtet die Nachrichtenagentur. Das Team habe Geschäfte und Banken gefilmt, die wegen der Krawalle schließen mussten.

+++ Barrikaden, ausgebrannte Autos, Müll +++

[12.32] Die heftigen Straßenschlachten haben Spuren hinterlassen auf dem Tahrir-Platz in Kairo: Ausgebrannte Autos stehen dort, Pflastersteine liegen überall, außerdem Müll, Kleidung, Schlagstöcke. Die Demonstranten haben Barrikaden aus Wellblech aufgebaut.

+++ Armee drängt Mubarak-Anhänger zurück +++

[12.30] Die Armee hält sich Berichten zufolge bei den Protesten auf dem Tahrir-Platz nicht mehr völlig zurück. Die Agentur Reuters berichtet, Soldaten hätten Mubarak-Anhänger von einer Gruppe von Regierungsgegnern zurückgedrängt. Reuters zitiert einen Augenzeuge, der berichtet, ein Panzer habe seinen Geschützturm auf die Mubarak-Unterstützer gerichtet, als diese Steine Richtung Demonstranten warfen. Der Panzer sei auf die Regierungstreuen zugefahren, begleitet von Fußsoldaten, die die Männer zurückdrängten. Die BBC-Reporterin Lyse Doucet berichtet zudem per Twitter: "Eine große Menge an Leuten strömt auf den Tahrir-Platz, aber Sicherheitskräfte sperren inzwischen einige Zugänge, um die Menschen aufzuhalten." Der Sender al-Dschasira berichtete, ein von der Armee errichteter Sicherheitskorridor habe bisher gehalten.

+++ Ausländische Journalisten fürchten Übergriffe +++

[12.20] Ein Journalist, der anonym bleiben möchte, berichtet der BBC vom Tahrir-Platz: Viele Reporter seien sehr besorgt. Ein französisches Fernsehteam habe ihm berichtet, es sei von Mubarak-Anhängern auseinandergetrieben worden. Ein Kameramann sei mit einem Messer am Hals bedroht worden. Aufgrund der jüngsten Attacken auf Journalisten räumten weitere Medien ihre Büros in der Innenstadt von Kairo.

+++ Uno-Generalsekretär mahnt zu Dialog +++

[12.17] Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Regierung und Demonstranten in Ägypten erneut zum Dialog aufgefordert. Alle Beteiligten sollten sich "an einen Tisch setzen" und über die Zukunft sprechen, sagte Ban laut BBC. Die Uno stehe für Hilfe bereit.

+++ Berichte über Steinewerfer auf Tahrir-Platz +++

[12.07] Auf dem Tahrir-Platz in Kairo gibt es laut Augenzeugenberichten Kämpfe. Die Agentur Reuters berichtete unter Berufung auf Beobachter, dass sich Anhänger und Gegner von Präsident Mubarak sich mit Steinen bewerfen.

+++ Verletzter EPA-Fotograf wieder frei +++

[12.02] Der bei den Unruhen in Kairo verletzte und von der ägyptischen Armee in Gewahrsam genommene Fotograf der European Pressphoto Agency (EPA), Mohammed Omar, ist wieder frei. Die EPA beliefert auch die deutsche Nachrichtenagentur dpa. Er war während der Auseinandersetzungen, die er am Ägyptischen Museum fotografierte, attackiert und am Kopf verletzt worden. Nach Angaben von Kollegen nahmen ihn anschließend Soldaten in Gewahrsam.

+++ Plünderer überfallen SOS-Kinderdörfer +++

[12.00] Die chaotischen Verhältnisse in Ägypten bekommen auch Unbeteiligte zu spüren: Eine Gruppe von Randalierern hat in der Nacht zu Donnerstag zwei SOS-Kinderdörfer überfallen. Mehrere junge Männer sollen in die Dörfer in Kairo und Alexandria eingedrungen sein und versucht haben, Essen oder Medikamente zu stehlen. Nach kurzem Gerangel wurden die Männer vertrieben, sagte ein Sprecher der Organisation in München. Bei dem Überfall verletzte sich der Direktor des Kinderdorfs in Alexandria leicht, Kinder und Mütter blieben unverletzt. Laut der Hilfsorganisation ist die Lage um die Kinderdörfer herum in Ägypten angespannt. In dem Land gibt es mehrere SOS-Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, darunter drei Kinderdörfer. Dort leben bis zu hundert Kinder.

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proximus1977 03.02.2011
1. Teuflischer Schachzug....
...des im Sterben liegenden Regimes, ihre Sicherheits- und Geheimdienstkräfte in Räuberzivil schlüpfen zu lassen und eine Eskalation der friedlichen Proteste zu bewirken. Ein Armutszeugnis das dieses doch sehr offensichtliche Vorgehen eines Diktators nicht von den Medien erkannt wird. Der ägyptische Diktator war im Hintergrund sehr aktiv die letzten Tage. Das Militär hat er teilweise wieder auf seine Seite (nach wahrscheinlich großzügigen Zuwendungen an entsprechende Schlüsselpositionen - eine naheliegende Vermutung) und seine Sicherheitskräfte hat er in Form von (angeblichen) Regierungssympatisanten in die Stadt zurückkehren lassen um dort für eine Eskalation der Lage zu sorgen mit größstmöglichsten Chaos um die Legitimation der Demonstration in Frage zu stellen somit für drastischere Maßnahmen und strikteres Vorgehen moralisch und international verantworten zu können. Wie gesagt...sehr, sehr clever der alte Diktator. ;( Mein Resümee...Umsturz ade in Ägypten. Die internationalen Verbündeten werden diese Entwicklung nicht gerade bedauern. Im Gegenteil...ein Unterstützung einiger westlicher Geheimdienste (ohne Staaten nennen zu wollen) halte ich sogar für gut möglich.
loetilein 03.02.2011
2. Chapeau
Meine ganze Bewunderung gilt dem Ägyptischen Volk. Ihr Mut und die Etschlossenheit ist zu bewundern. Gleichzeitig wird die ganze Verlogenheit und das gefasel von "freiheitlichen Demokratien" als blanke Hülse entlarft. Leider mußte es in Kairo zur Gewalt kommen, es ist die einzigste Sprache, welche von Politilern weltw3eit verstanden wird, und somit alternativlos. Von Ägypten lernen heißt siegen.
sir.viver 03.02.2011
3. Live ticker sieht anders aus
Zitat von sysopIn der Nacht ist die Gewalt in Kairo wieder eskaliert: Anhänger von Präsident Mubarak schossen auf Demonstranten, laut al-Dschasira wurden mindestens fünf Menschen getötet. Trotzdem strömen wieder Hunderte auf den Platz der Befreiung. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743250,00.html
Auf MSNBC MSN wurde die News schon vor Stunden gebracht http://www.msnbc.msn.com/id/41399519/ns/world_news-mideastn_africa/?gt1=43001
kundennummer 03.02.2011
4. Gehn wie ein Eeegypteer
Hoffentlich auch bald anderswo. Das tosende Schweigen von grün-links zum Befreiungskampf der Ägypter spricht für sich. Wo weilen denn die sonst unvermeidbaren Spitzengrünen Claudia/Cem oder "der Frank-Walter" oder der linke NOTAR Gysi? Gefällt wohl nicht wenn es ein sozusagen unparteiischer Umsturz ist. Das Links-Rechts-Spektakel hat in Dtl. eben genauso fertig wie in den USA.
Dirk Ahlbrecht, 03.02.2011
5. ...
Zitat von loetileinMeine ganze Bewunderung gilt dem Ägyptischen Volk. Ihr Mut und die Etschlossenheit ist zu bewundern. Gleichzeitig wird die ganze Verlogenheit und das gefasel von "freiheitlichen Demokratien" als blanke Hülse entlarft. Leider mußte es in Kairo zur Gewalt kommen, es ist die einzigste Sprache, welche von Politilern weltw3eit verstanden wird, und somit alternativlos. Von Ägypten lernen heißt siegen.
Na, loetilein, da werfen Sie doch einiges durcheinander - dies wohl mit Absicht. Freiheitliche Demokratien gibt es, dies hat aber mit Ägypten aktuell nichts zu tun. Ägypten, und dies wäre sehr schön, will sich auf den Weg dorthin machen. Das dieser Weg beschwerlich und bisweilen gefährlich ist, sehen wir gerade in Ägypten.
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