Protokoll des Protesttages Wüste Schlachten auf Kairos Straßen

AP

7. Teil: Ägyptens Premier bedauert Gewalteskalation


+++ BBC-Reporter berichtet über brutale Szenen +++

[11.50] Der BBC-Reporter Paul Danahar berichtet über Auseinandersetzungen auf dem Tahrir-Platz. Er habe beobachtet, wie Mubarak-Gegner einen Anhänger des Präsidenten vor einem schlagenden Mob retteten, sagte Danahar. Demnach brachten die Helfer den Verletzten weg, während andere weiter auf ihn einschlugen.

+++ Verwirrung über Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition +++

[11.39] Spricht Premierminister Ahmed Schafik auch mit Vertretern der Protestgruppen, die auf dem Tahrir-Platz versammelt sind? Laut Regierung hat er ihnen Verhandlungen angeboten - doch das könnte nur ein Manöver sein. Oppositionsführer Mohamed ElBaradei sagte, er lehne das Verhandlungsangebot der ägyptischen Regierung ab. Die meisten Oppositionellen fordern den sofortigen Rückzug Mubaraks.

+++ Vizepräsident verhandelt mit sechs Gruppen der Opposition +++

[11.33] Der ägyptische Vizepräsident Omar Suleiman verhandelt offenbar mit kleineren Oppositionsgruppen: Nach Angaben von Regierungsgegnern handelt es sich dabei um Vertreter von sechs kleineren Parteien: al-Takaful, al-Dusturi, Jugend Ägyptens, Die Generation, Der Frieden und ein Flügel der Ghad-Partei, der sich schon vor längerer Zeit von Parteiführer Eiman Nur losgesagt hatte. Die meisten Oppositionellen, die sich mit den Demonstranten auf dem Tahrir-Platz solidarisiert haben, hatten jedoch erklärt, sie wollten erst nach einem Rücktritt von Präsident Husni Mubarak mit Suleiman über demokratische Reformen sprechen.

+++ ElBaradei lehnt Verhandlungen mit Regierung ab +++

[10.48] Oppositionsführer Mohamed ElBaradei hat das Verhandlungsangebot der ägyptischen Regierung abgelehnt. Vorbedingung sei, dass Präsident Husni Mubarak sein Amt niederlege, sagte ElBaradei der Agentur Reuters. Vor Verhandlungen müsse die Sicherheit auf dem Tahrir-Platz im Zentrum Kairos wiederhergestellt werden, sagte er weiter. Premierminister Ahmed Schafik hatte Verhandlungen angeboten. BBC berichtete unter Berufung auf die Agentur AFP, dass Schafik nach eigenen Angaben in Kontakt mit Oppositionellen auf dem Tahrir-Platz steht.

+++ EU-Länder fordern raschen Übergang in Ägypten +++

[10.44] Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien haben ihre Besorgnis über die Lage in Ägypten zum Ausdruck gebracht und einen sofortigen politischen Übergang gefordert. Man würde die sich verschärfende Situation in Ägypten mit "großer Sorge" beobachten. Der politische Übergang müsse jetzt beginnen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der fünf Länder, die vom Büro des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy veröffentlicht wurde.

+++ Ägyptens Premier bedauert Gewalteskalation +++

[10.38] Ägyptens Premierminister Ahmed Schafik bedauert laut BBC die tödliche Gewalt bei den Demonstrationen in Kairo. "Es handelt sich um einen schlimmen Fehler. Ich verspreche, wenn Untersuchungen offenlegen, wer hinter diesen Verbrechen steckt und wer sie ermöglichte, dann werden die betreffenden Leute zur Verantwortung gezogen und bestraft", sagte Schafik der BBC zufolge dem arabischen Sender al-Hajat. "Es gibt keine Rechtfertigung für die Angriffe auf friedliche Demonstranten und das ist es, wofür ich mich entschuldige", wird Schafik zitiert. Zugleich mahnte er die Demonstranten, "nach Hause zu gehen, um die Krise zu überwinden". Bei den Unruhen in Ägypten sind offiziellen Angaben zufolge fünf Menschen ums Leben gekommen. In der Nacht auf Donnerstag hatten Anhänger von Präsident Husni Mubarak das Feuer auf Regimegegner eröffnet.

+++ EU ruft Mubarak zum Schutz der Demonstranten auf +++

[10.38] Die EU hat die ägyptische Regierung am Donnerstag eindringlich zum Schutz der Demonstranten und des Rechts auf Versammlungsfreiheit aufgerufen. "Es ist die Verantwortung der Streitkräfte und der Behörden, die Bürger zu schützen", erklärte EU-Außenpolitikchefin Catherine Ashton nach den schweren Unruhen in Kairo. Diejenigen, die für Tote und Verletzte verantwortlich seien, müssten für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Auch die Einschüchterungen und Angriffe auf Journalisten seien "absolut inakzeptabel", erklärte Ashton.

+++ Vizepräsident Suleiman spricht angeblich mit Oppositionellen +++

[10.32] Das ägyptische Staatsfernsehen meldet, Vizepräsident Omar Suleiman habe einen Dialog mit der Opposition begonnen. Zunächst war jedoch nicht klar, um welche Oppositionsgruppen es sich dabei handelt.

+++ Frankreich fordert Landsleute in Ägypten zur Ausreise auf +++

[10.27] Die französische Regierung hat ihre Landsleute in Ägypten angesichts der Unruhen aufgefordert, so schnell wie möglich auszureisen. "Wer keine dringenden Verpflichtungen hat, in Ägypten zu bleiben, sollte baldmöglichst zurückkommen", sagte Regierungssprecher François Baroin dem Sender France Info. Die französischen Touristen seien informiert worden, das Außenministerium stehe allen Franzosen, die sich noch in Ägypten aufhielten, zur Seite. "Wir sind sehr geschockt", sagte Baroin. Er sprach von einem "Nährboden für einen Bürgerkrieg".

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proximus1977 03.02.2011
1. Teuflischer Schachzug....
...des im Sterben liegenden Regimes, ihre Sicherheits- und Geheimdienstkräfte in Räuberzivil schlüpfen zu lassen und eine Eskalation der friedlichen Proteste zu bewirken. Ein Armutszeugnis das dieses doch sehr offensichtliche Vorgehen eines Diktators nicht von den Medien erkannt wird. Der ägyptische Diktator war im Hintergrund sehr aktiv die letzten Tage. Das Militär hat er teilweise wieder auf seine Seite (nach wahrscheinlich großzügigen Zuwendungen an entsprechende Schlüsselpositionen - eine naheliegende Vermutung) und seine Sicherheitskräfte hat er in Form von (angeblichen) Regierungssympatisanten in die Stadt zurückkehren lassen um dort für eine Eskalation der Lage zu sorgen mit größstmöglichsten Chaos um die Legitimation der Demonstration in Frage zu stellen somit für drastischere Maßnahmen und strikteres Vorgehen moralisch und international verantworten zu können. Wie gesagt...sehr, sehr clever der alte Diktator. ;( Mein Resümee...Umsturz ade in Ägypten. Die internationalen Verbündeten werden diese Entwicklung nicht gerade bedauern. Im Gegenteil...ein Unterstützung einiger westlicher Geheimdienste (ohne Staaten nennen zu wollen) halte ich sogar für gut möglich.
loetilein 03.02.2011
2. Chapeau
Meine ganze Bewunderung gilt dem Ägyptischen Volk. Ihr Mut und die Etschlossenheit ist zu bewundern. Gleichzeitig wird die ganze Verlogenheit und das gefasel von "freiheitlichen Demokratien" als blanke Hülse entlarft. Leider mußte es in Kairo zur Gewalt kommen, es ist die einzigste Sprache, welche von Politilern weltw3eit verstanden wird, und somit alternativlos. Von Ägypten lernen heißt siegen.
sir.viver 03.02.2011
3. Live ticker sieht anders aus
Zitat von sysopIn der Nacht ist die Gewalt in Kairo wieder eskaliert: Anhänger von Präsident Mubarak schossen auf Demonstranten, laut al-Dschasira wurden mindestens fünf Menschen getötet. Trotzdem strömen wieder Hunderte auf den Platz der Befreiung. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743250,00.html
Auf MSNBC MSN wurde die News schon vor Stunden gebracht http://www.msnbc.msn.com/id/41399519/ns/world_news-mideastn_africa/?gt1=43001
kundennummer 03.02.2011
4. Gehn wie ein Eeegypteer
Hoffentlich auch bald anderswo. Das tosende Schweigen von grün-links zum Befreiungskampf der Ägypter spricht für sich. Wo weilen denn die sonst unvermeidbaren Spitzengrünen Claudia/Cem oder "der Frank-Walter" oder der linke NOTAR Gysi? Gefällt wohl nicht wenn es ein sozusagen unparteiischer Umsturz ist. Das Links-Rechts-Spektakel hat in Dtl. eben genauso fertig wie in den USA.
Dirk Ahlbrecht, 03.02.2011
5. ...
Zitat von loetileinMeine ganze Bewunderung gilt dem Ägyptischen Volk. Ihr Mut und die Etschlossenheit ist zu bewundern. Gleichzeitig wird die ganze Verlogenheit und das gefasel von "freiheitlichen Demokratien" als blanke Hülse entlarft. Leider mußte es in Kairo zur Gewalt kommen, es ist die einzigste Sprache, welche von Politilern weltw3eit verstanden wird, und somit alternativlos. Von Ägypten lernen heißt siegen.
Na, loetilein, da werfen Sie doch einiges durcheinander - dies wohl mit Absicht. Freiheitliche Demokratien gibt es, dies hat aber mit Ägypten aktuell nichts zu tun. Ägypten, und dies wäre sehr schön, will sich auf den Weg dorthin machen. Das dieser Weg beschwerlich und bisweilen gefährlich ist, sehen wir gerade in Ägypten.
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