Protokoll des Protesttages Wüste Schlachten auf Kairos Straßen

AP

8. Teil: Uno-Mitarbeiter werden aus Ägypten ausgeflogen


+++ Ägyptische Regierung weist jegliche Verwicklung in Kämpfe zurück +++

[10.19] Die ägyptische Regierung bestreitet jegliche Verwicklung in die Attacken auf Regierungsgegner in Kairo. Vorwürfe, die Regierung habe Mubarak-Anhänger gegen dessen Gegner mobilisiert, seien "frei erfunden", sagte ein Kabinettssprecher der Agentur Reuters. "Das würde unserer Absicht zuwiderlaufen, wieder Ruhe herzustellen", sagte der Sprecher. Die Regierung sei von der Gewalt überrascht worden. Sie werde alles daran setzen, herauszufinden, wer für den Gewaltausbruch verantwortlich sei. Premierminister Ahmed Schafik sagte im Staatsfernsehen, die Vorgänge würden untersucht.

+++ Demonstrationen auch auf dem Sinai +++

[10.18] Die Proteste gegen das Mubarak-Regime gehen auch auf der Sinai-Halbinsel weiter. Hunderte Regierungsgegner demonstrieren in der Stadt al-Arisch im nördlichen Sinai. Sie verlangen den Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak, berichten Augenzeugen. In der Nacht zuvor war es in mehreren Städten auf dem Sinai zu Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern des Mubarak-Regimes gekommen. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

+++ Uno-Mitarbeiter werden aus Ägypten ausgeflogen +++

[10.03] Die Vereinten Nationen bringen angesichts der angespannten Lage in Ägypten ihre dortigen Mitarbeiter in Sicherheit. Ein Sprecher sagte, etwa 350 Uno-Beschäftigte, die in Ägypten stationiert sind, sollen evakuiert werden. Sie hätten die Möglichkeit, nach Zypern oder Dubai zu reisen. Noch am Donnerstag sollen sie ausgeflogen worden. Nur einige Uno-Mitarbeiter sollen demnach in Ägypten bleiben, um dort grundlegende Aufgaben zu erfüllen.

+++ Massendemonstration im Jemen +++

[10.03] Zehntausende Anhänger der Opposition haben in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa gegen die Regierung von Präsident Ali Abdullah Salih protestiert. Auf Spruchbändern und mit Parolen forderten sie einen Führungswechsel und demokratische Reformen, wie AFP-Reporter berichteten. Nur wenige hundert Meter entfernt gingen Anhänger des Präsidenten auf die Straße und signalisiertem diesem ihre Unterstützung. "Nein zur Zerstörung, nein zum Aufruhr", stand auf ihren Spruchbändern.

+++ Muslimbruderschaft fordert Mubarak-Rücktritt +++

[9.56] Die offiziell verbotene Muslimbruderschaft hat Präsident Husni Mubarak zum Rücktritt aufgefordert, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Die Muslimbrüder sind die größte oppositionelle Gruppierung in Ägypten.

+++ Mubarak-Anhänger mit Messern bewaffnet +++

[9.34] Anhänger von Ägyptens Präsident Husni Mubarak strömen zum zentralen Kairoer Tahrir-Platz. Sie seien mit Messern bewaffnet, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Augenzeugen.

+++ Viele Verwundete auf Tahrir-Platz +++

[9.22] Der britische Rundfunksender BBC berichtet über Eindrücke des englisch-ägyptischen Schauspielers Khalid Abdalla vom Tahrir-Platz. Es gebe dort viele Verletzte, sagte Abdalla demnach: "Ich selbst habe Menschen mit Schusswunden gesehen." Er habe auch einen Mann mit einem Kopfschuss gesehen. Die Atmosphäre auf dem Platz sei angespannt, die Menschen seien erschöpft. "Die Verwundeten sind überall. Wir wurden die ganze Nacht belagert", berichtete Abdalla.

+++ Demonstranten werfen mit Steinen +++

[9.10] Auf Live-Bildern des arabischen TV-Senders al-Dschasira sind Menschen nahe des Tahrir-Platzes zu sehen, die große Steinblöcke zu kleineren Trümmern zerschlagen und diese dann vereinzelt auf die gegnerische Gruppe schleudern.

+++ Militär will Korridor zwischen verfeindeten Lagern schaffen +++

[9.08] Das ägyptische Militär bemüht sich erstmals um eine Beruhigung der Lage und schafft einen Korridor zwischen den beiden verfeindeten Lagern aus Mubarak-Anhängern und Gegnern des ägyptischen Präsidenten. Sowohl auf der Autobahnbrücke als auch hinter den Blockaden der Mubarak-Gegner versuchen Soldaten, den Abstand zwischen den gegnerischen Seiten zu vergrößern. Vor allem die Regimegegner kommen dieser Aufforderung nicht nach.

+++ Wachsende Nervosität beim ägyptischen Militär +++

[9.07] Der britische Rundfunksender BBC berichtet von wachsender Unruhe beim Militär. Die Soldaten seien zunehmend bereit, das Feuer zu eröffnen, sollten Mubarak-Anhänger erneut auf Regimegegner schießen, zitiert der Sender einen pensionierten General.

+++ Mubarak-Gegner strömen auf den Tahrir-Platz +++

[9.04] Ein Journalist des arabischen TV-Senders al-Dschasira berichtet, dass immer mehr Leute auf den Tahrir-Platz kommen. Die meisten seien Mubarak-Gegner. Er habe einige Busse mit Soldaten fahren sehen, berichtet der Journalist. Die Strategie der Armee sei schwer einzuschätzen. Zudem seien es viel zu wenig Soldaten, um die Situation auf dem Tahrir-Platz kontrollieren zu können.

+++ Westerwelle warnt vor weiterer Gewalt +++

[9.03] Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat vor einer weiteren Gewalteskalation in Ägypten gewarnt. Insbesondere vor dem Hintergrund der Freitagsgebete sei zu befürchten, dass es zu einer "weiteren Zuspitzung der Lage" kommen könne, sagte Westerwelle im ARD-"Morgenmagazin". Daher müsse es sofort Fortschritte hin zu einem "friedlichen Dialog" geben, in dem festgelegt werde, wie der Übergang zur Demokratie gestaltet werden könne.

+++ Panzer fahren auf +++

[8.58] Der arabische TV-Sender al-Dschasira berichtet, dass die Armee mit Panzern auf einer Brücke nahe dem Tahrir-Platz Stellung bezogen habe. Das Militär beobachte die Szenen auf dem Platz, greife aber nicht ein.

+++ Aufgeheizte Stimmung am Tahrir-Platz +++

[8.51] Die Stimmung am Rand des Tahrir-Platzes neben dem Ägptischen Muesum heizt sich auf. Auf der Autobahnbrücke vor den Barrikaden der Mubarak-Gegner haben sich Hunderte Mubarak-Anhänger versammelt. Sie skandieren ihre Parolen. Große Berge mit Steinen liegen an allen Barrikaden bereit, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Matthias Gebauer - manche Demonstranten verfügen auch über Molotow-Cocktails.

+++ Armee verschärft Kontrollen +++

[8.40] Ein Reporter des österreichischen Nachrichtenmagazins "profil" berichtet, dass die Armeeposten an den Zugängen zum Kairoer Tahrir-Platz die Ausweiskontrollen verschärft hätten. Auf dem Platz seien viele Menschen mit Kopfverbänden zu sehen.

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proximus1977 03.02.2011
1. Teuflischer Schachzug....
...des im Sterben liegenden Regimes, ihre Sicherheits- und Geheimdienstkräfte in Räuberzivil schlüpfen zu lassen und eine Eskalation der friedlichen Proteste zu bewirken. Ein Armutszeugnis das dieses doch sehr offensichtliche Vorgehen eines Diktators nicht von den Medien erkannt wird. Der ägyptische Diktator war im Hintergrund sehr aktiv die letzten Tage. Das Militär hat er teilweise wieder auf seine Seite (nach wahrscheinlich großzügigen Zuwendungen an entsprechende Schlüsselpositionen - eine naheliegende Vermutung) und seine Sicherheitskräfte hat er in Form von (angeblichen) Regierungssympatisanten in die Stadt zurückkehren lassen um dort für eine Eskalation der Lage zu sorgen mit größstmöglichsten Chaos um die Legitimation der Demonstration in Frage zu stellen somit für drastischere Maßnahmen und strikteres Vorgehen moralisch und international verantworten zu können. Wie gesagt...sehr, sehr clever der alte Diktator. ;( Mein Resümee...Umsturz ade in Ägypten. Die internationalen Verbündeten werden diese Entwicklung nicht gerade bedauern. Im Gegenteil...ein Unterstützung einiger westlicher Geheimdienste (ohne Staaten nennen zu wollen) halte ich sogar für gut möglich.
loetilein 03.02.2011
2. Chapeau
Meine ganze Bewunderung gilt dem Ägyptischen Volk. Ihr Mut und die Etschlossenheit ist zu bewundern. Gleichzeitig wird die ganze Verlogenheit und das gefasel von "freiheitlichen Demokratien" als blanke Hülse entlarft. Leider mußte es in Kairo zur Gewalt kommen, es ist die einzigste Sprache, welche von Politilern weltw3eit verstanden wird, und somit alternativlos. Von Ägypten lernen heißt siegen.
sir.viver 03.02.2011
3. Live ticker sieht anders aus
Zitat von sysopIn der Nacht ist die Gewalt in Kairo wieder eskaliert: Anhänger von Präsident Mubarak schossen auf Demonstranten, laut al-Dschasira wurden mindestens fünf Menschen getötet. Trotzdem strömen wieder Hunderte auf den Platz der Befreiung. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743250,00.html
Auf MSNBC MSN wurde die News schon vor Stunden gebracht http://www.msnbc.msn.com/id/41399519/ns/world_news-mideastn_africa/?gt1=43001
kundennummer 03.02.2011
4. Gehn wie ein Eeegypteer
Hoffentlich auch bald anderswo. Das tosende Schweigen von grün-links zum Befreiungskampf der Ägypter spricht für sich. Wo weilen denn die sonst unvermeidbaren Spitzengrünen Claudia/Cem oder "der Frank-Walter" oder der linke NOTAR Gysi? Gefällt wohl nicht wenn es ein sozusagen unparteiischer Umsturz ist. Das Links-Rechts-Spektakel hat in Dtl. eben genauso fertig wie in den USA.
Dirk Ahlbrecht, 03.02.2011
5. ...
Zitat von loetileinMeine ganze Bewunderung gilt dem Ägyptischen Volk. Ihr Mut und die Etschlossenheit ist zu bewundern. Gleichzeitig wird die ganze Verlogenheit und das gefasel von "freiheitlichen Demokratien" als blanke Hülse entlarft. Leider mußte es in Kairo zur Gewalt kommen, es ist die einzigste Sprache, welche von Politilern weltw3eit verstanden wird, und somit alternativlos. Von Ägypten lernen heißt siegen.
Na, loetilein, da werfen Sie doch einiges durcheinander - dies wohl mit Absicht. Freiheitliche Demokratien gibt es, dies hat aber mit Ägypten aktuell nichts zu tun. Ägypten, und dies wäre sehr schön, will sich auf den Weg dorthin machen. Das dieser Weg beschwerlich und bisweilen gefährlich ist, sehen wir gerade in Ägypten.
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