Protokoll des Protesttages Wüste Schlachten auf Kairos Straßen

AP

9. Teil: "Wir weichen nicht"


+++ "Wir weichen nicht" +++

[8.19] Die Gegner von Husni Mubarak wollen auch nach der blutigen Gewalt in der Nacht auf Donnerstag weiter Widerstand gegen den ägyptischen Präsidenten leisten und den verhassten Machthaber zum Rücktritt zwingen: "Wir werden nicht weichen", rufen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz laut einem Bericht des arabischen TV-Senders al-Dschasira.

+++ Mubarak-Gegner kontrollieren Tahrir-Platz +++

[8.04] Die Mubarak-Gegner stellen die Mehrheit auf Kairos zentralem Tahrir-Platz, nachdem es in der Nacht zu heftigen Auseinandersetzungen mit Anhängern des Regimes gekommen war. Die Mubarak-Gegner haben inzwischen Barrikaden auf dem Platz errichtet. Der Journalist Ian Lee berichtet im US-Sender CNN, Regimegegner hätten Mubarak-Anhänger festgenommen, die sich unter die Demonstranten auf dem Platz gemischt hätten.

+++ Ägyptischer Gesundheitsminister spricht von fünf Toten +++

[7.48] Bei den Unruhen in Ägypten sind seit Mittwoch nach Angaben des Gesundheitsministeriums fünf Menschen ums Leben gekommen. 830 Menschen seien verletzt worden. In unterschiedlichen Medienberichten war zuvor von zwei bis fünf Toten alleine in der Nacht zum Donnerstag die Rede gewesen. Die meisten Verletzungen seien durch Steinwürfe und Schläge mit Metallstangen entstanden, sagte Gesundheitsminister Ahmed Samih Faridso gegenüber dem staatlichen ägyptischen Fernsehen. Es habe zudem 836 Verletzte gegeben, 86 Menschen würden noch immer in Krankenhäusern behandelt.

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25  Bilder
Kairo: Gewalt auf Kairos Tahrir-Platz
+++ Demonstranten werfen Steine +++

[7.47] Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira zeigt Bilder von Steine werfenden Demonstranten auf dem Tahrir-Platz. Dem Bericht zufolge wehren sie sich damit gegen Anhänger von Präsident Husni Mubarak, die sich in der Nähe des Platzes postiert haben. In der Nacht war es zu brutalen Auseinandersetzungen zwischen Regimegegnern und Anhängern Mubaraks gekommen. Es seien Schüsse gefallen und Molotow-Cocktails auf den Tahrir-Platz geworfen worden. Fünf Menschen starben.

+++ Militär nimmt Demonstranten fest +++

[7.26] Nach den Ausschreitungen in Kairo hat die ägyptische Armee am Donnerstagmorgen mehrere Menschen festgenommen. Das berichtete der Fernsehsender al-Arabija. Es wurde nicht gesagt, wie viele Verdächtige festgenommen wurden. Auf dem zentralen Kairoer Tahrir-Platz sind am frühen Donnerstagmorgen bereits Hunderte Demonstranten zu sehen. Sie haben Barrikaden errichtet.

+++ Ölpreis steigt weiter +++

[7.24] Die Gewalt in Ägypten hat die Ölpreise am Donnerstag weiter in die Höhe getrieben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im März kostete am Donnerstagmorgen 103,24 US-Dollar. Das waren 90 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 62 Cent auf 91,48 Dollar zu.

+++ "Stoppt Mubarak" +++

[7.16] Sarah, eine Kairoer Bürgerin, appelliert in einem Telefonat mit dem US-Sender CNN an die Weltgemeinschaft, in den Konflikt in Ägypten einzuschreiten: "Stoppt Mubarak", sagt die verzweifelte Frau. Der Präsident habe zuletzt eine friedliche Machtübergabe in Aussicht gestellt. "Aber es wird blutiger und blutiger", sagte die Frau.

+++ Menschen strömen auf Tahrir-Platz +++

[6.30] Auf Bildern des arabischen Senders al-Dschasira ist zu sehen, dass nach Ablauf der Ausgangssperre wieder Menschen auf den Kairoer Tahrir-Platz strömen. Überall waren aus der Nacht noch Barrikaden und ausgebrannte Fahrzeuge zu sehen.

+++ Rauchschwaden im Zentrum Kairos +++

[6.10] Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira zeigt Bilder vom Kairoer Tahrir-Platz. Rauchschwaden hüllen den Platz ein. Die Kamera schwenkt auf Soldaten, die einen Demonstranten abführen. Unklar ist, ob es sich dabei um einen Anhänger oder Gegner von Präsident Husni Mubarak handelt.

+++ Mehrere Tote und Verletzte auf dem Platz der Befreiung +++

In der Nacht zum Donnerstag haben sich auf und rund um Kairos zentralen Tahrir-Platz wieder dramatische Szenen abgespielt: Gegen 3 Uhr in der Nacht (MEZ) eröffnen Anhänger von Ägyptens Präsident Husni Mubarak das Feuer auf regierungskritische Demonstranten. Augenzeugen sprechen von Maschinengewehrsalven. Dem arabischen TV-Sender al-Dschasira zufolge sind bei den Zusammenstößen mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen, es habe mindestens 15 Verletzte gegeben. Der britische Rundfunksender BBC berichtete von mindestens drei Toten. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es jedoch zunächst nicht. Ein Augenzeuge berichtet, das Militär sei bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen nicht eingeschritten.

Das US-Außenministerium hat in der Nacht mit einem Ausreisehinweis kurzfristig für Verwirrung gesorgt. In einer Nachricht über den Kurzmitteilungsdienst Twitter wurden ausreisewillige US-Bürger in Ägypten aufgerufen, "sofort" zum Flughafen zu eilen. Später revidierte sich das Ministerium und forderte ausreisewillige Amerikaner auf, "nach Ablauf" der nächtlichen Ausgangssperre zum Flughafen zu fahren.

US-Außenministerin Hillary Clinton telefonierte am Mittwoch (Ortszeit) mit dem neuen ägyptischen Vizepräsidenten Omar Suleiman. Clinton habe von Suleiman eine Untersuchung der Übergriffe in Kairo verlangt, sagte Außenamtssprecher Philip Crowley der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge. Die Außenministerin habe dabei abermals die Gewalt verurteilt und die Verantwortung der ägyptischen Regierung betont, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Der Sprecher wiederholte den Standpunkt der US-Regierung, wonach der politische Übergangsprozess sofort beginnen müsse: "Morgen ist nicht gut genug." Es müssten "sobald wir möglich" Wahlen stattfinden. "Wir wollen einen glaubwürdigen Prozess sehen, der zu freien, fairen und legitimen Wahlen führt." Verteidigungsminister Robert Gates sprach mit seinem ägyptischen Amtskollegen Mohammed Hussein Tantawi, meldete der US-Sender CNN. Es sei der dritte Kontakt des Pentagon-Chefs mit Tantawi innerhalb weniger Tage gewesen, hieß es.

Bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen am Mittwoch sind auch zahlreiche ausländische Journalisten von Mubarak-Anhängern bedroht oder geschlagen worden. "Wir verurteilen diese Angriffe und fordern alle Parteien dazu auf, Gewalt gegen lokale und ausländische Journalisten zu unterlassen, die lediglich im Interesse der Öffentlichkeit versuchen, von den Demonstrationen und Zusammenstößen zu berichten", teilte Anthony Mills vom Internationalen Presseinstitut (IPI) in Wien mit. "Insbesondere sind wir über Hinweise besorgt, dass es bei den Angriffen möglicherweise Verbindungen zu den Sicherheitskräften gibt", sagte er weiter.

Die Bundesregierung hält einem Zeitungsbericht zufolge eine Wiederholung der Parlamentswahlen in Ägypten vom vergangenen Jahr für notwendig, um einer neuen Regierung ausreichend Legitimität zu verschaffen. In einem internen Papier, das Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) seinen EU-Amtskollegen am Montag vorgestellt habe und das der "Financial Times Deutschland" nach eigenen Angaben vorliegt, heiße es, es sei allein Sache der Ägypter zu entscheiden, wann dies geschehen solle.

hen/mmq/dpa/Reuters

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proximus1977 03.02.2011
1. Teuflischer Schachzug....
...des im Sterben liegenden Regimes, ihre Sicherheits- und Geheimdienstkräfte in Räuberzivil schlüpfen zu lassen und eine Eskalation der friedlichen Proteste zu bewirken. Ein Armutszeugnis das dieses doch sehr offensichtliche Vorgehen eines Diktators nicht von den Medien erkannt wird. Der ägyptische Diktator war im Hintergrund sehr aktiv die letzten Tage. Das Militär hat er teilweise wieder auf seine Seite (nach wahrscheinlich großzügigen Zuwendungen an entsprechende Schlüsselpositionen - eine naheliegende Vermutung) und seine Sicherheitskräfte hat er in Form von (angeblichen) Regierungssympatisanten in die Stadt zurückkehren lassen um dort für eine Eskalation der Lage zu sorgen mit größstmöglichsten Chaos um die Legitimation der Demonstration in Frage zu stellen somit für drastischere Maßnahmen und strikteres Vorgehen moralisch und international verantworten zu können. Wie gesagt...sehr, sehr clever der alte Diktator. ;( Mein Resümee...Umsturz ade in Ägypten. Die internationalen Verbündeten werden diese Entwicklung nicht gerade bedauern. Im Gegenteil...ein Unterstützung einiger westlicher Geheimdienste (ohne Staaten nennen zu wollen) halte ich sogar für gut möglich.
loetilein 03.02.2011
2. Chapeau
Meine ganze Bewunderung gilt dem Ägyptischen Volk. Ihr Mut und die Etschlossenheit ist zu bewundern. Gleichzeitig wird die ganze Verlogenheit und das gefasel von "freiheitlichen Demokratien" als blanke Hülse entlarft. Leider mußte es in Kairo zur Gewalt kommen, es ist die einzigste Sprache, welche von Politilern weltw3eit verstanden wird, und somit alternativlos. Von Ägypten lernen heißt siegen.
sir.viver 03.02.2011
3. Live ticker sieht anders aus
Zitat von sysopIn der Nacht ist die Gewalt in Kairo wieder eskaliert: Anhänger von Präsident Mubarak schossen auf Demonstranten, laut al-Dschasira wurden mindestens fünf Menschen getötet. Trotzdem strömen wieder Hunderte auf den Platz der Befreiung. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743250,00.html
Auf MSNBC MSN wurde die News schon vor Stunden gebracht http://www.msnbc.msn.com/id/41399519/ns/world_news-mideastn_africa/?gt1=43001
kundennummer 03.02.2011
4. Gehn wie ein Eeegypteer
Hoffentlich auch bald anderswo. Das tosende Schweigen von grün-links zum Befreiungskampf der Ägypter spricht für sich. Wo weilen denn die sonst unvermeidbaren Spitzengrünen Claudia/Cem oder "der Frank-Walter" oder der linke NOTAR Gysi? Gefällt wohl nicht wenn es ein sozusagen unparteiischer Umsturz ist. Das Links-Rechts-Spektakel hat in Dtl. eben genauso fertig wie in den USA.
Dirk Ahlbrecht, 03.02.2011
5. ...
Zitat von loetileinMeine ganze Bewunderung gilt dem Ägyptischen Volk. Ihr Mut und die Etschlossenheit ist zu bewundern. Gleichzeitig wird die ganze Verlogenheit und das gefasel von "freiheitlichen Demokratien" als blanke Hülse entlarft. Leider mußte es in Kairo zur Gewalt kommen, es ist die einzigste Sprache, welche von Politilern weltw3eit verstanden wird, und somit alternativlos. Von Ägypten lernen heißt siegen.
Na, loetilein, da werfen Sie doch einiges durcheinander - dies wohl mit Absicht. Freiheitliche Demokratien gibt es, dies hat aber mit Ägypten aktuell nichts zu tun. Ägypten, und dies wäre sehr schön, will sich auf den Weg dorthin machen. Das dieser Weg beschwerlich und bisweilen gefährlich ist, sehen wir gerade in Ägypten.
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