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03. Februar 2011, 07:16 Uhr

Protokoll des Protesttages

Wüste Schlachten auf Kairos Straßen

In der Hauptstadt kam es zu blutigen Ausschreitungen. Das Auswärtige Amt gab erstmals eine Reisewarnung für die Metropolen Kairo, Alexandria und Suez heraus. Husni Mubarak lehnte seinen Rücktritt in einem US-TV-Interview ab. Lesen Sie die Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll nach.

+++ Angespannte Ruhe über Kairo +++

[00.02] Auf dem Tahrir-Platz bleibt es ruhig. Viele Demonstranten schlafen hinter den Barrikaden. Über Twitter verbreiten Augenzeugen die Nachricht, dass einige Panzer der ägyptischen Armee den Platz langsam verlassen. In den Abendstunden waren noch hin und wieder einzelne Schüsse zu hören. Inzwischen hat sich die Lage offenbar entspannt. Am Freitag ist jedoch mit neuen Protesten und Zusammenstößen von Regierungsgegnern und Anhängern des Mubarak-Regimes zu rechnen.

+++ Schafik will friedliche Proteste nicht behindern +++

[23.15] Am Freitag werden in Kairo wieder hunderttausende Demonstranten erwartet. Laut Ägyptens Regierungschef Ahmed Schafik ist das Innenministerium angewiesen, friedliche Proteste nicht zu behindern. Dies erklärte Schafik im ägyptischen Staatsfernsehen.

+++ Ban und Wulff appellieren an Ägyptens Führung +++

[22.49] Bundespräsident Christian Wulff und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon haben einen politischen Neuanfang in Ägypten gefordert. Es müsse bald eine verfassungsgebende Versammlung geben, sagte Wulff am Donnerstagabend nach einem Treffen mit Ban in Berlin. Die Internationale Gemeinschaft erwarte von der Führung in Kairo, dass die Gewalt gegen friedliche Demonstranten und Journalisten aufhöre. Nach Bans Worten sind die Vereinten Nationen bereit, der ägyptischen Führung zu helfen, wenn sich schnell ein Wandel durch Wahlen abzeichne. Das Vorgehen gegen die Demonstranten sei "inakzeptabel und katastrophal".

+++ Handystrom von der Straßenlaterne +++

[22.29] Die TV-Sender liefern kam noch aktuelle Bilder vom Tahrir-Platz - dafür erlaubt der Twitter-Eintrag eines ägyptischen Journalisten Einblicke in die Situation in der Hauptstadt. "Hunderte Menschen schlafen dicht an dicht auf dem Rasenstück in der Mitte des Platzes", schreibt Sharif Kouddous. Die Notlage hat einige der Demonstranten offenbar erfinderisch werden lassen. "Die Leute haben die Straßenlaternen angezapft und laden so ihre Mobiltelefone", so Kouddous.

+++ Clinton nennt Attacken gegen Reporter "nicht hinnehmbar" +++

[22.20] Auch am Donnerstag sind in Kairo zahlreiche Journalisten festgenommen und verletzt worden. US-Außenministerin Hillary Clinton hat diese jüngsten Angriffe scharf verurteilt. Die Verstöße gegen die Pressefreiheit seien "nicht hinnehmbar", sagte die Politikerin am Donnerstag. Außerdem drängte sie auf rasche Gespräche zwischen Regierung und Opposition. Die Regierung müsse "sofort ernsthafte Verhandlungen für einen friedlichen Übergang" beginnen.

+++ Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Kairo, Alexandria und Suez +++

[21.59] Das Auswärtige Amt in Berlin hat erstmals Reisewarnungen für Ägypten herausgegeben. Wie die Behörde am Donnerstagabend in Berlin mitteilte, wird vor Reisen nach Kairo, Alexandria und Suez gewarnt. "Von Reisen in die übrigen Landesteile einschließlich der Urlaubsgebiete am Roten Meer wird weiterhin dringend abgeraten", hieß es.

Deutschen Staatsangehörigen in Ägypten wird geraten, die Ausgangssperre strikt zu beachten und möglichst auch außerhalb der Sperrzeiten in sicheren Unterkünften zu bleiben. Dies gilt besonders am Freitag, wenn weitere schwere Ausschreitungen befürchtet werden.

Darüber hinaus empfiehlt das Auswärtige Amt, eine Ausreise aus Kairo, Alexandria und Suez ernsthaft in Erwägung zu ziehen, sofern dies sicher möglich sei. Dazu sollten die Angebote der Fluggesellschaften genutzt werden. Der Mitteilung zufolge berät die deutsche Botschaft in Kairo Ausreisewillige und organisiert nach Möglichkeit gesicherte Konvois zum Flughafen.

+++ CIA warnte bereits 2010 vor Lage in Ägypten +++

[21.38] Der US-Geheimdienst hat die Regierung in Washington offenbar schon vor längerer Zeit auf die instabile Situation in Ägypten hingewiesen. "Es hat Warnungen gegeben. Aber wir wussten nicht, was letztlich der Auslöser sein würde", sagte Stephanie O'Sullivan, Mitarbeiterin des US-Geheimdiensts CIA vor dem Senat. Demnach hätte es bereits Ende 2010 besorgniserregende Berichte aus der Region gegeben.

+++ Vermisster schwedischer Reporter verletzt im Krankenhaus +++

[21.20] Der in Kairo als vermisst gemeldete Reporter des schwedischen Fernsehsenders SVT ist wieder aufgetaucht - allerdings misshandelt und durch Messerstiche schwer verletzt. Wie SVT am Donnerstagabend in Stockholm berichtete, wurde der Korrespondent Bert Sundström in ein Krankenhaus der ägyptischen Hauptstadt gebracht. Sein Zustand sei "stabil". Sundström hatte von Demonstrationen in der Innenstadt berichten wollen und war dann verschwunden.

Bei einem Anruf der Heimatredaktion meldete sich von seinem Handy ein arabisch sprechender Mann und sagte: "Euer Mann ist bei der Armee. Wenn ihr Hurensöhne ihn zurückhaben wollt, müsst ihr kommen und ihn euch holen." Deshalb war eine Entführung befürchtet worden. Der Sender nannte am Abend keine weiteren Einzelheiten.

Auch die Reporter der "Washington Post", die am Tag von Sicherheitskräften festgenommen worden waren, sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Leila Fadel and Linda Davidson wurden am Abend freigelassen, über den Verbleib ihres Dolmetschers und ihres Fahrers konnten sie jedoch keine Angaben machen.

+++ Mubarak: "Ohne mich versinkt das Land im Chaos" +++

[20.50] Auf den Straßen Kairos schlagen Mubarak-Anhänger ausländische Journalisten zusammen. Doch der ABC-News-Journalistin Christiane Amanpour ist es dennoch gelungen, zu Präsident Husni Mubarak durchzudringen. In einem 30-minütigen Interview schildert Mubarak seine ganz eigene Sicht der Dinge. Laut ABC habe er genug von seinem Amt, könne aber nicht zurücktreten. Als Grund gab er an, sein Land würde nach einem solchen Schritt im Chaos versinken. Außerdem zeigte sich Mubarak bestürzt über die Gewalt in der Hauptstadt. Seine Regierung trage jedoch keine Verantwortung. Stattdessen gab er der Muslimbruderschaft die Schuld an den Ausschreitungen. "Ich war gestern sehr unglücklich. Ich will nicht, dass sich Ägypter gegenseitig bekämpfen", so Mubarak weiter.

+++ Neue Gewalt am Freitag befürchtet +++

[20.33] Im Moment beruhigt sich die Lage in Kairo etwas - doch schon am Freitag rechnen Beobachter mit weiteren schweren Unruhen. Die USA haben deshalb erneut an die ägyptische Regierung appelliert, die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen. "Ich denke nicht, dass es sich bei den Ausschreitungen um zufällige Ereignisse handelt", sagte P.J. Crowley, Sprecher des US-Außenministeriums. Besonders die zunehmende Gewalt gegen Journalisten werde mit Sorge beobachtet, so Crowley weiter. Unter den festgenommenen Reportern soll sich laut "Time"-Magazin auch Lara Logan, leitende Auslandskorrespondentin beim US-Sender CBS News, befinden.

+++ Reporter ohne Grenzen: Bestürzung über Jagd auf Journalisten +++

[20.24] Die blutigen Unruhen in Ägypten sind gefährlich - auch für Journalisten. Die Organisation Reporter ohne Grenzen zeigt sich in einer aktuellen Pressemitteilung bestürzt über die Ereignisse in Kairo. "Die Liste der Misshandlungen von Journalisten durch Anhänger von Präsident Hosni Mubarak wird von Stunde zu Stunde länger", so der Generalsekretär der Organisation, Jean-François Julliard. Es handle sich eindeutig um systematische und konzertierte Aktionen zur Verfolgung der Journalisten. Es ginge dem Regime jetzt darum, Kairo von ausländischen Pressevertretern frei zu machen.

Video zeigt Brutalität der Sicherheitskräfte

+++ Tahrir-Platz wieder ruhiger +++

[20.13] In den vergangenen Tagen kamen noch Menschen mit Trommeln auf den Tahrir-Platz - doch die ausgelassene Stimmung ist längst vorbei. Bei blutigen Unruhen hat es auch am Donnerstag wieder viele Tote und Verletzte gegeben. Momentan hat sich die Lage auf dem Platz beruhigt, berichtet ein Reporter von al-Dschasira. Die Mubarak-Anhänger seien zurückgewichen. Er könne zurzeit keine Kämpfe beobachten.

+++ Demonstranten attackieren ägyptische Botschaft im Libanon +++

[20.11] Die libanesische Polizei hat Demonstranten gewaltsam daran gehindert, die ägyptische Botschaft in Beirut zu stürmen. Mehr als 50 Protestierende versuchten, den Stacheldraht vor der Botschaft wegzuschaffen oder zu überwinden. "Sie wurden aber daran gehindert, ohne dass es Verletzte gegeben hat", sagte ein Polizeisprecher. Unter den Demonstranten befanden sich viele im Libanon lebende Ägypter. Die Botschaft in Beirut ist seit vergangenem Samstag täglich Schauplatz von Demonstrationen zur Unterstützung der ägyptischen Rebellion.

+++ Weiterer Amnesty-Mitarbeiter festgenommen +++

[20.06] Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärt, ein weiterer Mitarbeiter sei festgenommen worden. Die Militärpolizei habe ihn am Morgen abgeführt, so die Organisation. Zahlreiche Menschenrechtler wurden in den vergangenen Tagen festgenommen.

+++ Immer mehr brutale Übergriffe auf Reporter +++

[19.58] Für ausländische Journalisten wird die Lage in Ägypten immer bedrohlicher: Reporter werden verprügelt, gejagt, festgenommen. Der Journalistenverband CPJ (Committee to Protect Journalists) hat die brutalen Angriffe auf Korrespondenten in einer Liste zusammengetragen. CNN berichtet, dass das ägyptische Innenministerium daran beteiligt gewesen sein, die Journalisten zusammenzutreiben. Der Sender beruft sich auf Insider im US-Außenministerium.

+++ Büroleiterin der "Washington Post" festgenommen +++

[19.50] Aus Kairo werden immer neue Fälle von Gewalt gegen Journalisten gemeldet. Drei Mitarbeiter der "Washington Post" sollen von der Militärpolizei festgenommen worden sein, wie Augenzeugen berichten. Unter ihnen befindet sich offenbar auch Leila Fadel, Büroleiterin der Zeitung in der ägyptischen Hauptstadt. Außerdem wurden eine Fotografin und ein Übersetzer in Gewahrsam genommen. Gerüchte, wonach die drei im Innenministerium festgehalten werden, haben sich aber offenbar als falsch erwiesen. Al-Dschasira meldet zudem, ein Journalist seines Senders werde vermisst.

+++ Auch Syriens Opposition kündigt "Tag des Zorns" an +++

[19.33] Regierungsgegner haben - wie in Ägypten - auch in Syrien für Freitag zu einer Großdemonstration aufgerufen. Über das Internetnetzwerk Facebook forderten sie zu einem "Tag des Zorns" und gewaltlosen Erhebungen im ganzen Land auf. Damit wollen sie gegen Armut und Arbeitslosigkeit demonstrieren - und gegen Präsident Baschar al-Assad. Nach offiziellen Angaben leben 14 Prozent der 22 Millionen Einwohner Syriens in Armut, jeder Fünfte ist arbeitslos. Assad regiert das Land seit dem Jahr 2000.

+++ Video zeigt Brutalität der Sicherheitskräfte +++

[19.22] In einem privaten Blog in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ein Video aufgetaucht, das eine sehr brutale Szene zeigt. Offenbar richtet sich die Gewalt gegen Regimegegner. In dem Clip rast ein Auto, vermutlich ein Polizeifahrzeug, mit hohem Tempo in eine Gruppe von Demonstranten. Dabei werden mehrere Personen angefahren und auf die Straße geschleudert. Wo und wann genau sich der Vorfall ereignet hat, wird nicht klar. Die 2:36 Minuten lange, drastische Sequenz ist inzwischen auch bei YouTube abrufbar.

+++ Westerwelle verurteilt Gewalt gegen Journalisten +++

[19.17] Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilt die Angriffe gegen Ausländer und Journalisten bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen in Ägypten scharf. "Wir sind außerordentlich besorgt über die Nachrichten, die sich häufen, dass auch Gewalt gegen Ausländer, insbesondere auch gegen ausländische Journalisten angewendet wird", so Westerwelle. Die Presse- und Versammlungsfreiheit in Ägypten müsse gewahrt werden. "Das ist die klare Erwartung an die ägyptischen Sicherheitsbehörden."

+++ Ziehen sich Mubarak-Anhänger vorläufig zurück? +++

[18.56] Sowohl ein BBC-Reporter als auch eine al-Dschasira-Korrespondentin berichten, um den Tahrir-Platz seien die Mubarak-Anhänger zurückgewichen. Offenbar gibt es aber weiter Kämpfe zwischen ihnen und Regimegegnern. Molotow-Cocktails wurden in die Gruppe der Oppositionellen geworfen. Es waren Schüsse zu hören, offenbar hatten Soldaten Warnschüsse in die Luft gefeuert. Es gab aber auch Berichte, dass Scharfschützen in die Menge gefeuert hätten.

+++ Demonstranten trotzen der Ausgangssperre +++

[18.46] Seit fast drei Stunden gilt die Ausgangssperre in Ägypten. Doch die Straßen von Kairo leeren sich nicht. Molotow-Cocktails fliegen durch die Luft, es brennen Feuer, zeigen Bilder von al-Dschasira. Demonstranten verschanzen sich hinter Barrikaden aus Wellblech. Panzer fahren durch die Straßen. Auf dem Tahrir-Platz harrt noch immer eine Menschenmenge aus.

+++ Massenproteste in Alexandria +++

[18.37] Ein CNN-Reporter berichtet aus Alexandria, wo die "Stimmung extrem angespannt" sei. Auch dort demonstrieren sowohl Mubarak-Anhänger als auch Regimegegner. Die Oppositionellen rufen demnach: "Wir werden Ägypten heute Nacht befreien."

+++ Schwedischer Reporter in Kairo möglicherweise entführt +++

[18.25] Ein Reporter des schwedischen Fernsehsenders SVT ist am Donnerstag in Kairo verschwunden - und möglicherweise entführt worden. SVT in Stockholm berichtet, am Handy des Korrespondenten Bert Sundström habe sich ein Arabisch sprechender Mann gemeldet. Er habe gesagt: "Euer Mann ist bei der Armee. Wenn ihr Hurensöhne ihn zurückhaben wollt, müsst ihr kommen und ihn euch holen." Danach habe es seit dem frühen Nachmittag keinen Kontakt mit Sundström mehr gegeben, heißt es weiter. Schwedens Außenministerium und die Botschaft des Landes in Kairo seien eingeschaltet.

Viele Tote und Verletzte

+++ Tourismusindustrie beklagt Milliardenschaden +++

[18.24] Die ägyptische Tourismusindustrie verzeichnet große Einbußen aufgrund der Unruhen. Vizepräsident Omar Suleiman berichtet in einem Fernsehinterview, dass innerhalb von neun Tagen etwa eine Million Touristen das Land verlassen hätten. Der Verlust betrage rund eine Milliarde Dollar.

+++ Reuters: Ärzte sprechen von zehn Toten +++

[18.02] Nach Angaben von Ärzten in Behelfskliniken sind bei den Ausschreitungen in Kairo am Donnerstag zehn Menschen ums Leben gekommen. Das meldet die Agentur Reuters.

+++ Bundesregierung gibt 500.000 Euro für Ägypten-Hilfe +++

[18.01] Das Auswärtige Amt stellt dem Roten Kreuz 500.000 Euro für die Ägypten-Soforthilfe zur Verfügung. Mit dem Geld sollen besonders betroffene Bevölkerungsgruppen unterstützt werden, teilte das Ministerium mit. Das Rote Kreuz unterstütze lokale Rettungskräfte bei der Versorgung von Verwundeten. Unter anderem würden Medikamente und medizinisches Material für Krankenstationen und Krankenhäuser bereitgestellt.

+++ Vizepräsident Suleiman sieht "Kräfte aus dem Ausland" am Werk +++

[17.55] Vizepräsident Omar Suleiman bezeichnet die Forderungen der jugendlichen Demonstranten als "legitim und akzeptabel". Allerdings habe es auch "Elemente" gegeben, die Chaos im Land geschürt hätten. Womöglich hätten "Kräfte aus dem Ausland" die Gewalt verursacht. Während der Vizepräsident sich im Staatsfernsehen äußert, gibt es auf dem Tahrir-Platz neue Auseinandersetzungen.

+++ Ägyptens Vizepräsident: Keine Wahlen vor Herbst +++

[17.45] Vizepräsident Omar Suleiman spricht im ägyptischen Staatsfernsehen. Die Präsidentschaftswahlen würden im August oder September stattfinden, sagt er. Einen früheren Termin lehnt er ab. Einen Rücktritt Mubaraks schließt Suleiman ebenfalls kategorisch aus.

+++ "Systematische Razzien" +++

[17.44] Menschenrechtler beklagen Durchsuchungen und Attacken in Kairo. "Ägyptische Sicherheitskräfte haben in der ganzen Stadt systematische Razzien gegen Journalisten und Menschenrechtler begonnen", sagt Peter Bouckaert, Mitarbeiter von Human Rights Watch. Zwei Mitarbeiter von Human Rights Watch und Amnesty International wurden in Kairo am Donnerstag festgenommen.

+++ Regierung lädt Muslimbruderschaft ein +++

[17.43] Die Regierung hat die islamistische Muslimbruderschaft zu einem Treffen eingeladen, teilt Vizepräsident Suleiman mit. Die Gruppe gilt als eine der wichtigsten Oppositionskräfte in dem Land.

+++ Viele Tote und Verletzte +++

[17.33] Blutüberströmte Demonstranten, Eisenstangen und Schlagstöcke als Waffen: Tausende Menschen sind bei den tagelangen gewalttätigen Protesten in Kairo verletzt worden. Das Gesundheitsministerium spricht von 1200 Verletzten - doch es dürften deutlich mehr sein. Dem Ministerium zufolge sind 13 Menschen bei den Protesten in den vergangenen Tagen getötet worden, tatsächlich haben die Kämpfe wohl sehr viel mehr Todesopfer gefordert. Bei al-Dschasira berichtet ein Reporter aus einem Krankenhaus in Kairo, drei Menschen seien dort an Schusswunden gestorben. AFP berichtet, ein Ausländer sei auf dem Tahrir-Platz zu Tode geprügelt worden. Für diesen Bericht gibt es allerdings keine Bestätigung.

+++ Obama hofft auf "bessere Tage" in Ägypten +++

[17.25] US-Präsident Barack Obama betet nach eigenen Angaben für Frieden in Ägypten. Er wünsche sich, dass die Hoffnungen der Menschen Wirklichkeit werden "und dass für Ägypten und die Welt bessere Tage anbrechen", sagt Obama in Washington beim Nationalen Gebetsfrühstück, bei dem der Präsident traditionell mit führenden Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft Glaubensfragen diskutiert. Die USA hatten die Gewalt in Ägypten scharf verurteilt und die Regierung in Kairo aufgerufen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

+++ Ägypter dürfen ihr Geld aus dem Land schaffen +++

[17.13] Die ägyptische Zentralbank will nach ihrer Wiedereröffnung am Sonntag alle Transfers ins Ausland gestatten. Abhebungen von Privatpersonen seien jedoch nur in begrenztem Umfang möglich, teilten die Notenbanker mit. Geöffnet seien nur ausgewählte Zweigstellen in Kairo und anderen Großstädten, und zwar in der Zeit von 10 bis 13.30 Uhr. Der stellvertretende Zentralbank-Gouverneur Mischam Rames trat Befürchtungen entgegen, das ägyptische Pfund könnte infolge der politischen Proteste gegen Präsident Husni Mubarak schwächeln. "Das stimmt nicht."

+++ Kämpfe werden heftiger +++

[17.09] Die Kämpfe auf dem Tahrir-Platz werden offenbar wieder heftiger. Oppositionelle bewaffnen sich mit Steinen, immer mehr Barrikaden werden aufgebaut. Zudem berichtet BBC über Kämpfe in kleinen Straßen in der Umgebung.

+++ Amnesty-Mitarbeiter festgenommen +++

[17.06] Ein Mitarbeiter von Amnesty International ist in Kairo festgenommen worden, berichtet die Menschenrechtsorganisation. Er sei ebenso wie ein Mitarbeiter von Human Rights Watch an einen unbekannten Ort gebracht worden; die Organisation wisse nicht, wo sie sich befänden. Amnesty International ruft dazu auf, die Kollegen "unverzüglich freizulassen".

Molotow-Cocktails und Gewehrfeuer

+++ Hisbollah-Mitglieder aus Gefängnis geflohen +++

[17.04] Mehrere Mitglieder der libanesischen Hisbollah haben das Chaos in Ägypten zur Flucht aus dem Gefängnis genutzt. Entsprechende Fernsehberichte arabischer Sender bestätigte die Führung der pro-iranischen Islamisten-Organisation in Beirut. Unter den Geflohenen sei auch der Chef der ägyptischen Hisbollah-Zelle, Sami Chehab. Er war zusammen mit 25 weiteren Beschuldigten festgenommen worden. Der Vorwurf: Die Männer sollen Anschläge gegen Touristenziele in Ägypten und auf Schiffe im Suez-Kanal geplant sowie Waffen in den Gaza-Streifen geschmuggelt haben.

+++ "Allah verfluche die Verantwortlichen für das Blutbad" +++

[16.52] Der ägyptische Parlamentssprecher Fathi Surur findet im Staatsfernsehen überraschend deutliche Worte, beobachtet SPIEGEL-Reporter Volkhard Windfuhr. Surur fordert die "sofortige Aburteilung" und "gebührende Bestrafung der Verantwortlichen für das Blutbad auf die unschuldigen Demonstranten" auf dem Tahrir-Platz. "Allah verfluche diejenigen, die das zu verantworten haben", so Surur. Die Protestler hätten ein "legitimes Recht auf freie Meinungsäußerung".

+++ Massendemonstration in Alexandria +++

[16.44] Auch in Alexandria trotzen die Demonstranten der Ausgangssperre. Dort haben sich Hunderte Menschen versammelt, sie klatschen, sie rufen, sie tragen Flaggen und Banner.

+++ Schießereien und Brände in Kairo +++

[16.41] Die Straßenschlachten zwischen Gegnern und Anhängern des ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak werden heftiger: Nun gibt es in Kairo offenbar ein heftiges Feuergefecht, mindestens ein Mensch wurde verletzt davongetragen. Aus mehreren Teilen der Stadt und aus Vorstädten werden Brände gemeldet. So stand ein großer Supermarkt in der Nähe der Vorstadt Scheich Sajed in Flammen, hieß es aus Sicherheitskreisen. Plünderer drangen in das Gebäude ein. Im Zentrum Kairos brannte ein Gebäude neben einem Luxushotel nahe des Nil.

+++ Sicherheitskräfte suchen nach Journalisten in Hotel +++

[16.40] Reporter, die sich im Hilton-Ramses-Hotel unweit des Tahrir-Platzes befinden, berichten, dass Sicherheitskräfte das Hotel durchsuchen. In dem Hotel sind viele Fernsehsender untergebracht, die von den Balkonen aus Live-Aufnahmen der Unruhen senden. Ob die Sicherheitskräfte die Kameras beschlagnahmen, war zunächst unklar, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Matthias Gebauer. Bereits am Mittwoch waren in zivil gekleidete Männer in das Hotel gekommen und hatten nach Kameras gesucht. Diese Aktion richtete sich offenbar gegen al-Dschasira, den bei der ägyptischen Regierung verhassten TV-Sender.

+++ Merkel übt Druck auf Mubarak aus +++

[16.20] Kanzlerin Angela Merkel hat Ägyptens Präsident Mubarak aufgefordert, friedliche Demonstrationen zuzulassen und die Attacken zu beenden. Sie habe ihm am Telefon gesagt, dass er für die Sicherheit verantwortlich sei, sagte Merkel bei einer Pressekonferenz in Madrid. Mubarak müsse den Dialog mit den Regierungsgegnern sofort beginnen.

+++ "Wir werden zurückschlagen" +++

[16.13] Die Gegner des Regimes rüsten sich in Kairo für neue Kämpfe, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Matthias Gebauer. Aus einem zerstörten Lkw, der an der Straße am Ägyptischen Museum steht, füllen sie Benzin in Plastikflaschen ab und bauen Molotow-Cocktails, die sie dutzendweise in Pappkartons abtransportieren. "Wir werden zurückschlagen", sagt einer der Männer an dem Tank, "sie werden den Platz nicht einnehmen".

+++ Ägyptische Journalistin berichtet von Propaganda +++

[16.07] Shahira Amin - frühere Mitarbeiterin des ägyptischen Staatsfernsehens, die zur Opposition übergelaufen ist - erklärt gegenüber BBC, sie habe sich nicht länger in der Lage gesehen, die Realität zu unterschlagen. "Wir haben die ganze Zeit die Pro-Mubarak-Demos gezeigt, als ob dies das einzige wäre", sagte die Journalistin Shahira Amin. Ich durfte nicht zeigen, was auf dem Tahrir-Platz passiert - und nicht einmal die wahren Zahlen nennen." Nun, nach ihrer Kündigung, fühle sie sich erleichtert.

+++ Mubarak-Anhänger stürmen Hotels +++

[16.06] Laut dem Fernsehsender al-Arabija stürmen Anhänger Mubaraks Hotels in Kairo und machen Jagd auf Journalisten. Zahlreiche Warnungen werden per Twitter verschickt.

+++ Molotow-Cocktails und Gewehrfeuer +++

[16.01] Langsam wird es dunkel über Kairo, und die Situation spitzt sich zu, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Matthias Gebauer. Oppositionelle haben den ersten Molotow-Cocktail in Richtung ihrer Gegner geworfen. Die Szenerie am Ägyptischen Museum gleicht einem Bürgerkrieg, mehrere Barrikaden mit ausgebrannten Autos versperren die Straße neben dem Museum, darauf stehen teils Vermummte mit Steinen und Flaschen mit Benzin. Hinter der Barrikade ist dumpfes Gewehrfeuer zu hören.

+++ Demonstranten ignorieren Ausgangssperre +++

[16.00] Die Ausgangssperre tritt in Kraft. Doch die Protestler auf dem Tahrir-Platz gehen nicht.

Mubarak-Propaganda über Vodafone-Netz

+++ Gewalttäter sollen bestraft werden +++

[15.54] Immer mehr Details werden aus der Pressekonferenz von Vizepräsident Omar Suleiman bekannt: Er hat die Bestrafung aller Personen angekündigt, die an den Gewalttaten auf dem Tahrir-Platz beteiligt waren. Außerdem sollen Regimegegner, die zwar verhaftet wurden, aber keine Gewalt ausgeübt haben, freigelassen werden. Bei Twitter kommentieren viele das abfällig: "Suleiman ist der gute Polizist, Mubarak der böse Polizist."

+++ Schüsse nahe Tahrir-Platz +++

[15.50] In Kairo sind Schüsse zu hören, offenbar feuert die Armee Warnschüsse in der Nähe des Tahrir-Platzes in die Luft. Augenzeugen berichten, viele Menschen würden wegrennen.

+++ Mubaraks Sohn wird definitiv nicht kandidieren +++

[15.48] Im September sollen Präsidentschaftswahlen in Ägypten stattfinden. Husni Mubarak wollte nach 30 Jahren im Amt den Posten an seinen Sohn Gamal abgeben - ihn baut er bereits seit Jahren als Nachfolger auf. Nun hat Vizepräsident Omar Suleiman dem Staatsfernsehen zufolge verkündet, Gamal werde nicht für das Präsidentenamt kandidieren - ein Versuch, die Oppositionellen zu beschwichtigen. Ob das gelingt?

+++ Frühere Minister dürfen nicht ausreisen +++

[15.23] Das staatliche ägyptische Fernsehen berichtet, ranghohe Vertreter des Regimes von Präsident Husni Mubarak dürften nicht aus dem Land ausreisen. Dies habe der ägyptische Generalstaatsanwalt entschieden. Betroffen sind unter anderem der frühere Innenminister und der frühere Tourismusminister. Ihre Bankkonten würden eingefroren.

+++ Details aus den ägyptischen Propaganda-SMS +++

[15.22] Die Nachrichtenagentur dpa berichtete über Inhalte der SMS, die laut Vodafone auf Anweisung der ägyptischen Behörden über das Netz des Mobilfunkanbieters versendet wurden. In Blogs sowie im Internet-Foto-Portal Flickr wurden Aufnahmen mit Darstellungen der SMS-Mitteilungen veröffentlicht. Diese richten sich demnach unter anderem an die "Jugend Ägyptens" mit der Aufforderung: "Hütet euch vor Gerüchten und hört die Stimme der Vernunft". Eine andere SMS richtet sich an "jede Mutter, jeden Vater, jede Schwester, jeden Bruder, an jeden ehrlichen Bürger, bewahrt dieses Land, da die Nation ewig ist". Eine weitere SMS wurde demnach als Botschaft der Streitkräfte ausgegeben und forderte "Ägyptens ehrliche und loyale Männer auf, sich den Verrätern und Kriminellen entgegenzustellen und unser Volk und unsere Ehre und unser kostbares Ägypten zu beschützen".

+++ Pro-Mubarak-SMS über Vodafone-Netz verschickt +++

[15.04] Über das Netz des Mobilfunkbetreibers Vodafone wurden in Ägypten Kurzmitteilungen mit staatlicher Propaganda verbreitet. Das Unternehmen teilte mit, es sei von den Behörden angewiesen worden, seit Beginn der Proteste "Mitteilungen an das ägyptische Volk zu verschicken". Die Behörden hätten sich dabei auf die Notstandsbefugnisse des Telekommunikationsgesetzes berufen. Vodafone folgte der Anweisung, protestierte aber nach eigenen Angaben dagegen. "Wir haben deutlich gemacht, dass all diese Mitteilungen transparent sein sollten und eindeutige Urheberangaben enthalten sollten", erklärte der Konzern: "Vodafone protestierte gegenüber den Behörden, dass die Situation inakzeptabel ist." Der Konzern habe den Inhalt der Mitteilungen nicht ändern können. In Blogs sowie im Internet-Foto-Portal Flickr wurden Aufnahmen mit Darstellungen der SMS-Mitteilungen veröffentlicht. Die Agentur Reuters berichtete, in einer Mitteilung sei für eine Pro-Mubarak-Demo geworben worden.

+++ Berichte über Schüsse in Kairo +++

[15.00] Al-Dschasira berichtet, in Kairo seien Schüsse nahe der Nil-Brücke zu hören, die zum Tahrir-Platz führt. Eine Augenzeugin meint dem Sender zufolge, es könnten Warnschüsse gewesen sein.

+++ Premierminister Schafik überrascht über Kamele in Kairo +++

[14.38] Al-Dschasira überträgt mit wackeliger Kamera Teile einer Pressekonferenz, die vor einigen Stunden mit Premierminister Ahmed Schafik stattgefunden hat. Er sei sehr überrascht gewesen, als er plötzlich Kamele auf dem Tahrir-Platz gesehen habe, so Schafik. Seine Entschuldigung für die Übergriffe dürfe nicht so verstanden werden, dass die Regierung von solchen Plänen gewusst habe. "Niemand war sich im Klaren darüber, wer hinter diesen Attacken steckt."

+++ USA verurteilen Einschüchterungsversuche gegen Journalisten +++

[14.26] Freie Berichterstattung? Davon kann in Ägypten keine Rede sein. Das US-Außenministerium hat deshalb die Versuche, ausländische Journalisten einzuschüchtern und sie damit von einer Berichterstattung über die Gewalteskalation zu verhindern, verurteilt. Es gebe eine regelrecht geplante Kampagne, erklärte Außenamtssprecher P. J. Crowley via Twitter.

+++ ZDF-Journalistin nach 20 Stunden freigelassen +++

[14.20] 20 Stunden saß sie in einem Kairoer Hochsicherheitstrakt, jetzt ist eine für die "New York Times" und das ZDF in Ägypten arbeitende Journalistin wieder auf freiem Fuß. Das sagte ZDF-Chefredakteur Peter Frey am Donnerstag. Die Frau war am Mittwochnachmittag auf der Fahrt von Alexandria nach Kairo festgenommen worden.

+++ Massenprotest in Alexandria +++

[14.10] Nicht nur in Kairo, auch in anderen Teilen Ägyptens kommt es zu massiven Protesten gegen Ägyptens Präsident Husni Mubarak. In Alexandria seien viele Menschen auf den Straßen, Gesetz und Ordnung würden nicht mehr gelten, berichtet ein BBC-Reporter.

+++ Russland fürchtet Ausufern der Gewalt +++

[13.52] Russland ist wegen der Gewalteskalation in Ägypten alarmiert. Die Regierung in Moskau rief die Konfliktparteien in dem Land zu einer gewaltfreien Lösung des Machtkampfs auf. "Wir sind über die augenblickliche Lage äußerst beunruhigt", sagte ein Sprecher von Außenminister Sergej Lawrow nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. Man appelliere an alle Seiten in Kairo, den Konflikt "mit zivilisierten Methoden und ohne Gewalt sowie in demokratischem Rahmen" zu lösen. Russland fürchte ein Ausufern der Gewalt.

+++ Al-Arabija berichtet von Gewehrschüssen +++

[13.52] Es ist nicht klar, wer die Schüsse abgibt, aber dem Fernsehsender al-Arabija zufolge ist auf Kairos Tahrir-Platz Gewehrfeuer zu hören.

Panzer drängen Regimetreue zurück

+++ Warnungen vor Mubarak-Anhängern +++

[13.34] Die ägyptische Journalistin Shahira Amin berichtet der BBC, die Demonstranten hätten ein Warnsystem für den Tahrir-Platz entwickelt. Wenn Mubarak-Anhänger sich dem Platz näherten, würden Wachmänner laut auf die Panzer klopfen und Metallstücke gegeneinander schlagen, um die Oppositionellen zu warnen. Shahira Amin war zuvor stellvertretende Leiterin des ägyptischen Staatsfernsehens und ist eigenen Angaben zufolge zur Opposition übergelaufen.

+++ Panzer drängen Mubarak-Anhänger zurück +++

[13.26] Panzer sollen jetzt Zusammenstöße zwischen Regierungsanhängern und Mubarak-Gegnern auf dem Tahrir-Platz in Kairo verhindern. Die Fahrzeuge drängten unter anderem Mubarak-Anhänger zurück, die sich von einer Brücke aus auf den Weg zu dem Platz gemacht hatten, berichtete ein AFP-Reporter.

+++ Menschenrechtler eingekesselt +++

[13.25] Mitarbeiter des Menschenrechtszentrums "Hischam Mubarak" seien in ihrem Büro von Anhängern des Regimes eingekesselt worden, sagt ein Mitarbeiter von Human Rights Watch.

+++ Armee hält Journalisten fest +++

[13.22] Laut der Nachrichtenagentur Associated Press treibt die Armee Journalisten zusammen, möglicherweise zu ihrem eigenen Schutz. Eine Gruppe Berichterstatter werde von ägyptischen Soldaten festgehalten, nachdem sie von Mubarak-Unterstützern attackiert wurden.

+++ "Korrespondenten sind kein Freiwild" +++

[12.59] Der Deutsche Journalisten-Verband appelliert eindringlich, Journalisten nicht an der Berichterstattung über die Unruhen in Ägypten zu hindern. Die körperliche Unversehrtheit der Korrespondenten sei oberstes Gebot, sagt DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken: "Korrespondenten sind kein Freiwild." Ihre Aufgabe bestehe in kritischer und unabhängiger Berichterstattung. Demonstranten, Gegendemonstranten und Sicherheitskräfte müssten dies ohne Wenn und Aber akzeptieren.

+++ Berichte: Ausländer werden abgeführt +++

[12.50] Augenzeugen berichteten mehreren Agenturen, dass zivil gekleidete Personen auf dem Tahrir-Platz Ausweise kontrollieren würden. Mehrere Ausländer seien abgeführt worden.

+++ Reuters-Mitarbeiter verprügelt +++

[12.42] In der Nähe des Tahrir-Platzes wird ein Mitglied eines Reuters-Kamerateams zusammengeschlagen, berichtet die Nachrichtenagentur. Das Team habe Geschäfte und Banken gefilmt, die wegen der Krawalle schließen mussten.

+++ Barrikaden, ausgebrannte Autos, Müll +++

[12.32] Die heftigen Straßenschlachten haben Spuren hinterlassen auf dem Tahrir-Platz in Kairo: Ausgebrannte Autos stehen dort, Pflastersteine liegen überall, außerdem Müll, Kleidung, Schlagstöcke. Die Demonstranten haben Barrikaden aus Wellblech aufgebaut.

+++ Armee drängt Mubarak-Anhänger zurück +++

[12.30] Die Armee hält sich Berichten zufolge bei den Protesten auf dem Tahrir-Platz nicht mehr völlig zurück. Die Agentur Reuters berichtet, Soldaten hätten Mubarak-Anhänger von einer Gruppe von Regierungsgegnern zurückgedrängt. Reuters zitiert einen Augenzeuge, der berichtet, ein Panzer habe seinen Geschützturm auf die Mubarak-Unterstützer gerichtet, als diese Steine Richtung Demonstranten warfen. Der Panzer sei auf die Regierungstreuen zugefahren, begleitet von Fußsoldaten, die die Männer zurückdrängten. Die BBC-Reporterin Lyse Doucet berichtet zudem per Twitter: "Eine große Menge an Leuten strömt auf den Tahrir-Platz, aber Sicherheitskräfte sperren inzwischen einige Zugänge, um die Menschen aufzuhalten." Der Sender al-Dschasira berichtete, ein von der Armee errichteter Sicherheitskorridor habe bisher gehalten.

+++ Ausländische Journalisten fürchten Übergriffe +++

[12.20] Ein Journalist, der anonym bleiben möchte, berichtet der BBC vom Tahrir-Platz: Viele Reporter seien sehr besorgt. Ein französisches Fernsehteam habe ihm berichtet, es sei von Mubarak-Anhängern auseinandergetrieben worden. Ein Kameramann sei mit einem Messer am Hals bedroht worden. Aufgrund der jüngsten Attacken auf Journalisten räumten weitere Medien ihre Büros in der Innenstadt von Kairo.

+++ Uno-Generalsekretär mahnt zu Dialog +++

[12.17] Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Regierung und Demonstranten in Ägypten erneut zum Dialog aufgefordert. Alle Beteiligten sollten sich "an einen Tisch setzen" und über die Zukunft sprechen, sagte Ban laut BBC. Die Uno stehe für Hilfe bereit.

+++ Berichte über Steinewerfer auf Tahrir-Platz +++

[12.07] Auf dem Tahrir-Platz in Kairo gibt es laut Augenzeugenberichten Kämpfe. Die Agentur Reuters berichtete unter Berufung auf Beobachter, dass sich Anhänger und Gegner von Präsident Mubarak sich mit Steinen bewerfen.

+++ Verletzter EPA-Fotograf wieder frei +++

[12.02] Der bei den Unruhen in Kairo verletzte und von der ägyptischen Armee in Gewahrsam genommene Fotograf der European Pressphoto Agency (EPA), Mohammed Omar, ist wieder frei. Die EPA beliefert auch die deutsche Nachrichtenagentur dpa. Er war während der Auseinandersetzungen, die er am Ägyptischen Museum fotografierte, attackiert und am Kopf verletzt worden. Nach Angaben von Kollegen nahmen ihn anschließend Soldaten in Gewahrsam.

+++ Plünderer überfallen SOS-Kinderdörfer +++

[12.00] Die chaotischen Verhältnisse in Ägypten bekommen auch Unbeteiligte zu spüren: Eine Gruppe von Randalierern hat in der Nacht zu Donnerstag zwei SOS-Kinderdörfer überfallen. Mehrere junge Männer sollen in die Dörfer in Kairo und Alexandria eingedrungen sein und versucht haben, Essen oder Medikamente zu stehlen. Nach kurzem Gerangel wurden die Männer vertrieben, sagte ein Sprecher der Organisation in München. Bei dem Überfall verletzte sich der Direktor des Kinderdorfs in Alexandria leicht, Kinder und Mütter blieben unverletzt. Laut der Hilfsorganisation ist die Lage um die Kinderdörfer herum in Ägypten angespannt. In dem Land gibt es mehrere SOS-Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, darunter drei Kinderdörfer. Dort leben bis zu hundert Kinder.

Ägyptens Premier bedauert Gewalteskalation

+++ BBC-Reporter berichtet über brutale Szenen +++

[11.50] Der BBC-Reporter Paul Danahar berichtet über Auseinandersetzungen auf dem Tahrir-Platz. Er habe beobachtet, wie Mubarak-Gegner einen Anhänger des Präsidenten vor einem schlagenden Mob retteten, sagte Danahar. Demnach brachten die Helfer den Verletzten weg, während andere weiter auf ihn einschlugen.

+++ Verwirrung über Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition +++

[11.39] Spricht Premierminister Ahmed Schafik auch mit Vertretern der Protestgruppen, die auf dem Tahrir-Platz versammelt sind? Laut Regierung hat er ihnen Verhandlungen angeboten - doch das könnte nur ein Manöver sein. Oppositionsführer Mohamed ElBaradei sagte, er lehne das Verhandlungsangebot der ägyptischen Regierung ab. Die meisten Oppositionellen fordern den sofortigen Rückzug Mubaraks.

+++ Vizepräsident verhandelt mit sechs Gruppen der Opposition +++

[11.33] Der ägyptische Vizepräsident Omar Suleiman verhandelt offenbar mit kleineren Oppositionsgruppen: Nach Angaben von Regierungsgegnern handelt es sich dabei um Vertreter von sechs kleineren Parteien: al-Takaful, al-Dusturi, Jugend Ägyptens, Die Generation, Der Frieden und ein Flügel der Ghad-Partei, der sich schon vor längerer Zeit von Parteiführer Eiman Nur losgesagt hatte. Die meisten Oppositionellen, die sich mit den Demonstranten auf dem Tahrir-Platz solidarisiert haben, hatten jedoch erklärt, sie wollten erst nach einem Rücktritt von Präsident Husni Mubarak mit Suleiman über demokratische Reformen sprechen.

+++ ElBaradei lehnt Verhandlungen mit Regierung ab +++

[10.48] Oppositionsführer Mohamed ElBaradei hat das Verhandlungsangebot der ägyptischen Regierung abgelehnt. Vorbedingung sei, dass Präsident Husni Mubarak sein Amt niederlege, sagte ElBaradei der Agentur Reuters. Vor Verhandlungen müsse die Sicherheit auf dem Tahrir-Platz im Zentrum Kairos wiederhergestellt werden, sagte er weiter. Premierminister Ahmed Schafik hatte Verhandlungen angeboten. BBC berichtete unter Berufung auf die Agentur AFP, dass Schafik nach eigenen Angaben in Kontakt mit Oppositionellen auf dem Tahrir-Platz steht.

+++ EU-Länder fordern raschen Übergang in Ägypten +++

[10.44] Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien haben ihre Besorgnis über die Lage in Ägypten zum Ausdruck gebracht und einen sofortigen politischen Übergang gefordert. Man würde die sich verschärfende Situation in Ägypten mit "großer Sorge" beobachten. Der politische Übergang müsse jetzt beginnen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der fünf Länder, die vom Büro des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy veröffentlicht wurde.

+++ Ägyptens Premier bedauert Gewalteskalation +++

[10.38] Ägyptens Premierminister Ahmed Schafik bedauert laut BBC die tödliche Gewalt bei den Demonstrationen in Kairo. "Es handelt sich um einen schlimmen Fehler. Ich verspreche, wenn Untersuchungen offenlegen, wer hinter diesen Verbrechen steckt und wer sie ermöglichte, dann werden die betreffenden Leute zur Verantwortung gezogen und bestraft", sagte Schafik der BBC zufolge dem arabischen Sender al-Hajat. "Es gibt keine Rechtfertigung für die Angriffe auf friedliche Demonstranten und das ist es, wofür ich mich entschuldige", wird Schafik zitiert. Zugleich mahnte er die Demonstranten, "nach Hause zu gehen, um die Krise zu überwinden". Bei den Unruhen in Ägypten sind offiziellen Angaben zufolge fünf Menschen ums Leben gekommen. In der Nacht auf Donnerstag hatten Anhänger von Präsident Husni Mubarak das Feuer auf Regimegegner eröffnet.

+++ EU ruft Mubarak zum Schutz der Demonstranten auf +++

[10.38] Die EU hat die ägyptische Regierung am Donnerstag eindringlich zum Schutz der Demonstranten und des Rechts auf Versammlungsfreiheit aufgerufen. "Es ist die Verantwortung der Streitkräfte und der Behörden, die Bürger zu schützen", erklärte EU-Außenpolitikchefin Catherine Ashton nach den schweren Unruhen in Kairo. Diejenigen, die für Tote und Verletzte verantwortlich seien, müssten für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Auch die Einschüchterungen und Angriffe auf Journalisten seien "absolut inakzeptabel", erklärte Ashton.

+++ Vizepräsident Suleiman spricht angeblich mit Oppositionellen +++

[10.32] Das ägyptische Staatsfernsehen meldet, Vizepräsident Omar Suleiman habe einen Dialog mit der Opposition begonnen. Zunächst war jedoch nicht klar, um welche Oppositionsgruppen es sich dabei handelt.

+++ Frankreich fordert Landsleute in Ägypten zur Ausreise auf +++

[10.27] Die französische Regierung hat ihre Landsleute in Ägypten angesichts der Unruhen aufgefordert, so schnell wie möglich auszureisen. "Wer keine dringenden Verpflichtungen hat, in Ägypten zu bleiben, sollte baldmöglichst zurückkommen", sagte Regierungssprecher François Baroin dem Sender France Info. Die französischen Touristen seien informiert worden, das Außenministerium stehe allen Franzosen, die sich noch in Ägypten aufhielten, zur Seite. "Wir sind sehr geschockt", sagte Baroin. Er sprach von einem "Nährboden für einen Bürgerkrieg".

Uno-Mitarbeiter werden aus Ägypten ausgeflogen

+++ Ägyptische Regierung weist jegliche Verwicklung in Kämpfe zurück +++

[10.19] Die ägyptische Regierung bestreitet jegliche Verwicklung in die Attacken auf Regierungsgegner in Kairo. Vorwürfe, die Regierung habe Mubarak-Anhänger gegen dessen Gegner mobilisiert, seien "frei erfunden", sagte ein Kabinettssprecher der Agentur Reuters. "Das würde unserer Absicht zuwiderlaufen, wieder Ruhe herzustellen", sagte der Sprecher. Die Regierung sei von der Gewalt überrascht worden. Sie werde alles daran setzen, herauszufinden, wer für den Gewaltausbruch verantwortlich sei. Premierminister Ahmed Schafik sagte im Staatsfernsehen, die Vorgänge würden untersucht.

+++ Demonstrationen auch auf dem Sinai +++

[10.18] Die Proteste gegen das Mubarak-Regime gehen auch auf der Sinai-Halbinsel weiter. Hunderte Regierungsgegner demonstrieren in der Stadt al-Arisch im nördlichen Sinai. Sie verlangen den Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak, berichten Augenzeugen. In der Nacht zuvor war es in mehreren Städten auf dem Sinai zu Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern des Mubarak-Regimes gekommen. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

+++ Uno-Mitarbeiter werden aus Ägypten ausgeflogen +++

[10.03] Die Vereinten Nationen bringen angesichts der angespannten Lage in Ägypten ihre dortigen Mitarbeiter in Sicherheit. Ein Sprecher sagte, etwa 350 Uno-Beschäftigte, die in Ägypten stationiert sind, sollen evakuiert werden. Sie hätten die Möglichkeit, nach Zypern oder Dubai zu reisen. Noch am Donnerstag sollen sie ausgeflogen worden. Nur einige Uno-Mitarbeiter sollen demnach in Ägypten bleiben, um dort grundlegende Aufgaben zu erfüllen.

+++ Massendemonstration im Jemen +++

[10.03] Zehntausende Anhänger der Opposition haben in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa gegen die Regierung von Präsident Ali Abdullah Salih protestiert. Auf Spruchbändern und mit Parolen forderten sie einen Führungswechsel und demokratische Reformen, wie AFP-Reporter berichteten. Nur wenige hundert Meter entfernt gingen Anhänger des Präsidenten auf die Straße und signalisiertem diesem ihre Unterstützung. "Nein zur Zerstörung, nein zum Aufruhr", stand auf ihren Spruchbändern.

+++ Muslimbruderschaft fordert Mubarak-Rücktritt +++

[9.56] Die offiziell verbotene Muslimbruderschaft hat Präsident Husni Mubarak zum Rücktritt aufgefordert, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Die Muslimbrüder sind die größte oppositionelle Gruppierung in Ägypten.

+++ Mubarak-Anhänger mit Messern bewaffnet +++

[9.34] Anhänger von Ägyptens Präsident Husni Mubarak strömen zum zentralen Kairoer Tahrir-Platz. Sie seien mit Messern bewaffnet, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Augenzeugen.

+++ Viele Verwundete auf Tahrir-Platz +++

[9.22] Der britische Rundfunksender BBC berichtet über Eindrücke des englisch-ägyptischen Schauspielers Khalid Abdalla vom Tahrir-Platz. Es gebe dort viele Verletzte, sagte Abdalla demnach: "Ich selbst habe Menschen mit Schusswunden gesehen." Er habe auch einen Mann mit einem Kopfschuss gesehen. Die Atmosphäre auf dem Platz sei angespannt, die Menschen seien erschöpft. "Die Verwundeten sind überall. Wir wurden die ganze Nacht belagert", berichtete Abdalla.

+++ Demonstranten werfen mit Steinen +++

[9.10] Auf Live-Bildern des arabischen TV-Senders al-Dschasira sind Menschen nahe des Tahrir-Platzes zu sehen, die große Steinblöcke zu kleineren Trümmern zerschlagen und diese dann vereinzelt auf die gegnerische Gruppe schleudern.

+++ Militär will Korridor zwischen verfeindeten Lagern schaffen +++

[9.08] Das ägyptische Militär bemüht sich erstmals um eine Beruhigung der Lage und schafft einen Korridor zwischen den beiden verfeindeten Lagern aus Mubarak-Anhängern und Gegnern des ägyptischen Präsidenten. Sowohl auf der Autobahnbrücke als auch hinter den Blockaden der Mubarak-Gegner versuchen Soldaten, den Abstand zwischen den gegnerischen Seiten zu vergrößern. Vor allem die Regimegegner kommen dieser Aufforderung nicht nach.

+++ Wachsende Nervosität beim ägyptischen Militär +++

[9.07] Der britische Rundfunksender BBC berichtet von wachsender Unruhe beim Militär. Die Soldaten seien zunehmend bereit, das Feuer zu eröffnen, sollten Mubarak-Anhänger erneut auf Regimegegner schießen, zitiert der Sender einen pensionierten General.

+++ Mubarak-Gegner strömen auf den Tahrir-Platz +++

[9.04] Ein Journalist des arabischen TV-Senders al-Dschasira berichtet, dass immer mehr Leute auf den Tahrir-Platz kommen. Die meisten seien Mubarak-Gegner. Er habe einige Busse mit Soldaten fahren sehen, berichtet der Journalist. Die Strategie der Armee sei schwer einzuschätzen. Zudem seien es viel zu wenig Soldaten, um die Situation auf dem Tahrir-Platz kontrollieren zu können.

+++ Westerwelle warnt vor weiterer Gewalt +++

[9.03] Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat vor einer weiteren Gewalteskalation in Ägypten gewarnt. Insbesondere vor dem Hintergrund der Freitagsgebete sei zu befürchten, dass es zu einer "weiteren Zuspitzung der Lage" kommen könne, sagte Westerwelle im ARD-"Morgenmagazin". Daher müsse es sofort Fortschritte hin zu einem "friedlichen Dialog" geben, in dem festgelegt werde, wie der Übergang zur Demokratie gestaltet werden könne.

+++ Panzer fahren auf +++

[8.58] Der arabische TV-Sender al-Dschasira berichtet, dass die Armee mit Panzern auf einer Brücke nahe dem Tahrir-Platz Stellung bezogen habe. Das Militär beobachte die Szenen auf dem Platz, greife aber nicht ein.

+++ Aufgeheizte Stimmung am Tahrir-Platz +++

[8.51] Die Stimmung am Rand des Tahrir-Platzes neben dem Ägptischen Muesum heizt sich auf. Auf der Autobahnbrücke vor den Barrikaden der Mubarak-Gegner haben sich Hunderte Mubarak-Anhänger versammelt. Sie skandieren ihre Parolen. Große Berge mit Steinen liegen an allen Barrikaden bereit, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Matthias Gebauer - manche Demonstranten verfügen auch über Molotow-Cocktails.

+++ Armee verschärft Kontrollen +++

[8.40] Ein Reporter des österreichischen Nachrichtenmagazins "profil" berichtet, dass die Armeeposten an den Zugängen zum Kairoer Tahrir-Platz die Ausweiskontrollen verschärft hätten. Auf dem Platz seien viele Menschen mit Kopfverbänden zu sehen.

"Wir weichen nicht"

+++ "Wir weichen nicht" +++

[8.19] Die Gegner von Husni Mubarak wollen auch nach der blutigen Gewalt in der Nacht auf Donnerstag weiter Widerstand gegen den ägyptischen Präsidenten leisten und den verhassten Machthaber zum Rücktritt zwingen: "Wir werden nicht weichen", rufen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz laut einem Bericht des arabischen TV-Senders al-Dschasira.

+++ Mubarak-Gegner kontrollieren Tahrir-Platz +++

[8.04] Die Mubarak-Gegner stellen die Mehrheit auf Kairos zentralem Tahrir-Platz, nachdem es in der Nacht zu heftigen Auseinandersetzungen mit Anhängern des Regimes gekommen war. Die Mubarak-Gegner haben inzwischen Barrikaden auf dem Platz errichtet. Der Journalist Ian Lee berichtet im US-Sender CNN, Regimegegner hätten Mubarak-Anhänger festgenommen, die sich unter die Demonstranten auf dem Platz gemischt hätten.

+++ Ägyptischer Gesundheitsminister spricht von fünf Toten +++

[7.48] Bei den Unruhen in Ägypten sind seit Mittwoch nach Angaben des Gesundheitsministeriums fünf Menschen ums Leben gekommen. 830 Menschen seien verletzt worden. In unterschiedlichen Medienberichten war zuvor von zwei bis fünf Toten alleine in der Nacht zum Donnerstag die Rede gewesen. Die meisten Verletzungen seien durch Steinwürfe und Schläge mit Metallstangen entstanden, sagte Gesundheitsminister Ahmed Samih Faridso gegenüber dem staatlichen ägyptischen Fernsehen. Es habe zudem 836 Verletzte gegeben, 86 Menschen würden noch immer in Krankenhäusern behandelt.

+++ Demonstranten werfen Steine +++

[7.47] Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira zeigt Bilder von Steine werfenden Demonstranten auf dem Tahrir-Platz. Dem Bericht zufolge wehren sie sich damit gegen Anhänger von Präsident Husni Mubarak, die sich in der Nähe des Platzes postiert haben. In der Nacht war es zu brutalen Auseinandersetzungen zwischen Regimegegnern und Anhängern Mubaraks gekommen. Es seien Schüsse gefallen und Molotow-Cocktails auf den Tahrir-Platz geworfen worden. Fünf Menschen starben.

+++ Militär nimmt Demonstranten fest +++

[7.26] Nach den Ausschreitungen in Kairo hat die ägyptische Armee am Donnerstagmorgen mehrere Menschen festgenommen. Das berichtete der Fernsehsender al-Arabija. Es wurde nicht gesagt, wie viele Verdächtige festgenommen wurden. Auf dem zentralen Kairoer Tahrir-Platz sind am frühen Donnerstagmorgen bereits Hunderte Demonstranten zu sehen. Sie haben Barrikaden errichtet.

+++ Ölpreis steigt weiter +++

[7.24] Die Gewalt in Ägypten hat die Ölpreise am Donnerstag weiter in die Höhe getrieben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im März kostete am Donnerstagmorgen 103,24 US-Dollar. Das waren 90 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 62 Cent auf 91,48 Dollar zu.

+++ "Stoppt Mubarak" +++

[7.16] Sarah, eine Kairoer Bürgerin, appelliert in einem Telefonat mit dem US-Sender CNN an die Weltgemeinschaft, in den Konflikt in Ägypten einzuschreiten: "Stoppt Mubarak", sagt die verzweifelte Frau. Der Präsident habe zuletzt eine friedliche Machtübergabe in Aussicht gestellt. "Aber es wird blutiger und blutiger", sagte die Frau.

+++ Menschen strömen auf Tahrir-Platz +++

[6.30] Auf Bildern des arabischen Senders al-Dschasira ist zu sehen, dass nach Ablauf der Ausgangssperre wieder Menschen auf den Kairoer Tahrir-Platz strömen. Überall waren aus der Nacht noch Barrikaden und ausgebrannte Fahrzeuge zu sehen.

+++ Rauchschwaden im Zentrum Kairos +++

[6.10] Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira zeigt Bilder vom Kairoer Tahrir-Platz. Rauchschwaden hüllen den Platz ein. Die Kamera schwenkt auf Soldaten, die einen Demonstranten abführen. Unklar ist, ob es sich dabei um einen Anhänger oder Gegner von Präsident Husni Mubarak handelt.

+++ Mehrere Tote und Verletzte auf dem Platz der Befreiung +++

In der Nacht zum Donnerstag haben sich auf und rund um Kairos zentralen Tahrir-Platz wieder dramatische Szenen abgespielt: Gegen 3 Uhr in der Nacht (MEZ) eröffnen Anhänger von Ägyptens Präsident Husni Mubarak das Feuer auf regierungskritische Demonstranten. Augenzeugen sprechen von Maschinengewehrsalven. Dem arabischen TV-Sender al-Dschasira zufolge sind bei den Zusammenstößen mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen, es habe mindestens 15 Verletzte gegeben. Der britische Rundfunksender BBC berichtete von mindestens drei Toten. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es jedoch zunächst nicht. Ein Augenzeuge berichtet, das Militär sei bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen nicht eingeschritten.

Das US-Außenministerium hat in der Nacht mit einem Ausreisehinweis kurzfristig für Verwirrung gesorgt. In einer Nachricht über den Kurzmitteilungsdienst Twitter wurden ausreisewillige US-Bürger in Ägypten aufgerufen, "sofort" zum Flughafen zu eilen. Später revidierte sich das Ministerium und forderte ausreisewillige Amerikaner auf, "nach Ablauf" der nächtlichen Ausgangssperre zum Flughafen zu fahren.

US-Außenministerin Hillary Clinton telefonierte am Mittwoch (Ortszeit) mit dem neuen ägyptischen Vizepräsidenten Omar Suleiman. Clinton habe von Suleiman eine Untersuchung der Übergriffe in Kairo verlangt, sagte Außenamtssprecher Philip Crowley der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge. Die Außenministerin habe dabei abermals die Gewalt verurteilt und die Verantwortung der ägyptischen Regierung betont, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Der Sprecher wiederholte den Standpunkt der US-Regierung, wonach der politische Übergangsprozess sofort beginnen müsse: "Morgen ist nicht gut genug." Es müssten "sobald wir möglich" Wahlen stattfinden. "Wir wollen einen glaubwürdigen Prozess sehen, der zu freien, fairen und legitimen Wahlen führt." Verteidigungsminister Robert Gates sprach mit seinem ägyptischen Amtskollegen Mohammed Hussein Tantawi, meldete der US-Sender CNN. Es sei der dritte Kontakt des Pentagon-Chefs mit Tantawi innerhalb weniger Tage gewesen, hieß es.

Bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen am Mittwoch sind auch zahlreiche ausländische Journalisten von Mubarak-Anhängern bedroht oder geschlagen worden. "Wir verurteilen diese Angriffe und fordern alle Parteien dazu auf, Gewalt gegen lokale und ausländische Journalisten zu unterlassen, die lediglich im Interesse der Öffentlichkeit versuchen, von den Demonstrationen und Zusammenstößen zu berichten", teilte Anthony Mills vom Internationalen Presseinstitut (IPI) in Wien mit. "Insbesondere sind wir über Hinweise besorgt, dass es bei den Angriffen möglicherweise Verbindungen zu den Sicherheitskräften gibt", sagte er weiter.

Die Bundesregierung hält einem Zeitungsbericht zufolge eine Wiederholung der Parlamentswahlen in Ägypten vom vergangenen Jahr für notwendig, um einer neuen Regierung ausreichend Legitimität zu verschaffen. In einem internen Papier, das Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) seinen EU-Amtskollegen am Montag vorgestellt habe und das der "Financial Times Deutschland" nach eigenen Angaben vorliegt, heiße es, es sei allein Sache der Ägypter zu entscheiden, wann dies geschehen solle.

hen/mmq/dpa/Reuters

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