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07. September 2014, 19:09 Uhr

Provence

Lavendelfelder in Gefahr

Eine neue EU-Direktive verlangt für Lavendelprodukte künftig Warnhinweise wie bei chemischen Giften. Die französischen Lavendelbauern fürchten um ihre Existenz und wehren sich. Sind die lila Felder in der Provence bald Geschichte?

Mitten in der romantischen Landschaft der Provence prangen Protestschilder. Zwischen den zarten lilafarbenen Blüten des Lavendels knallt es einem plötzlich rot und mit Ausrufezeichen entgegen: "Lavendel ist kein chemisches Produkt!" oder "Nein zur REACH-Regelung!". Die Bauern und Lavendelproduzenten in der Provence proben den Aufstand. Sie fürchten um ihre Existenz. Und den Bösewicht haben sie in Brüssel ausgemacht: Die EU-Kommission.

Rund 1500 Anbaubetriebe stellen im Südosten Frankreichs Lavendelöl her. Blaues Gold, nennen sie es dort. Das Kilo bringt mehr als hundert Euro. Millionen von Touristen kommen jedes Jahr in diese ganz besondere Region. Für viele von ihnen sind Provence und Lavendel Synonyme.

Seit Jahrhunderten kultivieren Landwirte die Pflanze dort. Viele Menschen schwören auf ihre schlaffördernde Wirkung, ihr Öl soll Keime und Pilze abtöten und der Geruch Motten vertreiben.

Der echte Lavendel wächst erst in über 600 Metern Höhe. Sein Öl ist besonders teuer und wird vor allem in der Medizin und der Parfumherstellung eingesetzt. In den tieferen Ebenen wächst die Mischform Lavendin - sie bedeckt inzwischen rund drei Viertel der Anbaufläche. Ihre Essenzen gehen in die Waschmittelproduktion, in Seifen und Lufterfrischer, die getrockneten Blüten finden sich in Duftsäckchen.

"Lavendelöl hat Zehntausende Leben gerettet"

Doch damit - so fürchten die Hersteller - könnte es bald vorbei sein. Ab 2018 müssen sie sich einer neuen EU-Regel beugen. Die REACH-Direktive geht davon aus, dass im Lavendelöl Stoffe enthalten sind, die als gesundheitsgefährdende Chemikalie anzusehen sind und vor denen gewarnt werden muss. Öl-Destillerien müssen demnach künftig wie Chemiewerke kontrolliert werden. Die Hersteller fürchten steigende Kosten und dass Warnhinweise auf ihren Produkten die Verbraucher abschrecken könnten. Zudem könnten zumindest Parfumhersteller ganz auf andere Produkte ausweichen.

Der Verband der Hersteller, APAL, findet die neuen Regeln zu hart. "Lavendel wird seit Tausenden Jahren verwendet," sagt Ehrenpräsident Francis Vidal. "Wir haben noch nie von einem ernsthaften Problem gehört. Im Gegenteil: Lavendelöl hat Zehntausende Leben gerettet."

Die Bauern kämpften jetzt um ihr Überleben, resümiert Vidal und prophezeit eine düstere Zukunft: "Die Konsequenzen wären, dass die Plantagen in kürzester Zeit ruiniert sind und der Lavendel aus der Region Provence verschwindet." Seine Sorgen formulierte er auch in einem Brief an Präsident François Hollande und andere Politiker. Sein Verband hat eine Onlinepetition ins Leben gerufen, die am Sonntag bereits mehr als 16.000 Menschen unterschrieben hatten.

Auch die Europäische Kommission hat erkannt, dass es schwierig ist, ein Produkt als chemisch einzuordnen, dessen Inhaltsstoffe von der Menge der Sonnenstrahlen und dem Erdboden abhängen, in dem es wächst. Ähnliche Produkte, wie etwa Wein, würden zwar auch nicht unter die Chemikalien-Direktive fallen - dafür aber durch die Lebensmittelüberwachung streng kontrolliert. Nach einem Treffen mit Lavendelproduzenten soll es nun in diesem Herbst womöglich angepasste Vorschläge geben.

ler/AP

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