Provokation im Mittelmeer Iran schickt Kriegsschiffe als Friedensbotschafter

Der britische Außenminister prophezeit schon einen neuen Kalten Krieg im Nahen Osten - nun provoziert Iran den Westen ein weiteres Mal. Teheran hat Kriegsschiffe ins Mittelmeer entsandt und verkauft die demonstrative Unterstützung für das Regime in Syrien als "Friedensbotschaft". 

Iranischer Zerstörer (Archivbild von der Einweihung): "Friedensbotschaft" im Mittelmeer
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Iranischer Zerstörer (Archivbild von der Einweihung): "Friedensbotschaft" im Mittelmeer


Damaskus/Teheran - Iran macht erneut mit einem seltsamen Schritt auf sich aufmerksam: Teheran hat Kriegsschiffe ins Mittelmeer geschickt. Man wolle damit die Stärke der Marine demonstrieren und den Anrainerstaaten eine "Friedensbotschaft" senden, sagte Marinekommandant Admiral Habibollah Sadschari der iranischen Nachrichtenagentur Irna.

Die beiden Schiffe - ein Zerstörer und ein Versorgungsschiff - hatten zuvor den Suez-Kanal passiert. Am Nachmittag legten die beiden Schiffe im syrischen Hafen Tartus an, wo auch Russland einen großen Stützpunkt für seine Kriegsmarine unterhält. Nach Angaben des iranischen Senders Press TV sind dort Übungen mit der syrischen Marine vorgesehen.

Die Entsendung wirkt wie ein Akt der Provokation nicht nur vor dem Hintergrund, dass weite Teile der internationalen Gemeinschaft und auch die Arabische Liga das Vorgehen von Assads Regime gegen sein eigenes Volk verurteilen. Wie auch der Tatsache, dass immer offener darüber spekuliert wird, ob Israel einen Angriff auf Iran zur Zerstörung des iranischen Atomprogramms plant.

Eine Vertreterin des israelischen Außenministeriums sagte der Nachrichtenagentur AFP, ihr Land verfolge die Bewegung der Schiffe genau. Die Schiffe dürften sich nicht der Küste Israels nähern.

Im Februar 2011 hatte Iran erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten wieder zwei Kriegsschiffe in das Mittelmeer beordert. Die beiden Schiffe lösten in Israel große Sorge aus. Der stellvertretende israelische Ministerpräsident Silvan Schalom sprach von einer Provokation. Auch damals nahmen die Schiffe - die Fregatte "Alvand" und der Versorger "Kharg" - Kurs auf Syrien.

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Iran: Kalter Krieg im Nahen Osten
Der Iran unterstützt das Regime von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Darüber hinaus liefert er Waffen an die verbündete Hisbollah im Libanon. Auch militante sowie radikal-islamische Palästinensergruppen wie Dschihad oder Hamas werden von der Führung in Teheran unterstützt.

Zuletzt hatte es in US-Medien Spekulationen darüber gegeben, dass Israel iranische Atomanlagen angreifen könnte. Israel sieht in dem iranischen Atomprogramm die größte Bedrohung seiner Existenz. Die Führung in Teheran bestreitet jedoch den Vorwurf, dass sie unter dem Deckmantel der zivilen Kernforschung Atomwaffen entwickeln lässt.

Sollte es Iran gelingen, Atomwaffen zu entwickeln, würden auch andere Länder in der Region nachziehen wollen, sagte der britische Außenminister William Hague der Zeitung "Daily Telegraph". Er warnte vor einem Wettrüsten, einem "neuen Kalten Krieg" im Nahen Osten. Ein Angriff auf Iran berge aber "enorme Risiken", sagte Hague. Sein Land halte an der Strategie aus Sanktionen und Verhandlungen fest, es müssten jedoch "alle Optionen auf dem Tisch" bleiben.

US-Präsident Barack Obama schickte am Samstag seinen Nationalen Sicherheitsberater Thomas Donilon, nach Israel, unter anderem zu Gesprächen über das iranische Atomprogramm. Donilon werde sich bis Montag mit israelischen Vertretern über zahlreiche Themen wie Iran, Syrien und weitere Fragen zur Sicherheitslage in der Region austauschen, erklärte das Weiße Haus.

Vergangene Woche erst hatte sich Iran nach langem Zögern bereiterklärt, im Atomstreit an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und US-Außenministerin Hillary Clinton begrüßten dies bei einem Treffen am Freitag in Washington.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak hat unterdessen zu einer Verschärfung der Sanktionen gegen Iran aufgerufen. Neue Sanktionen müssten schneller beschlossen werden, sagte er am Samstag bei einem Besuch in Japan. Iran könne andernfalls bald eine "Zone der Immunität" erreichen. Mit dieser Formulierung meint Barak ein mögliches Stadium des iranischen Atomprogramms, in dem es durch bewaffnete Angriffe nicht mehr gestoppt werden kann. Die Führung des Landes ist derzeit dabei, wichtige Teile des Atomprogramms in 80 bis 90 Meter unter Granitfelsen liegende Anlagen umzusiedeln.

Laut einem Bericht der "Washington Post" von Anfang Februar hat US-Verteidigungsminister Leon Panetta vor einem möglichen Angriff Israels auf iranische Atomanlagen in den kommenden Monaten gewarnt und Bedenken geäußert. Barak sagte dazu indes, die Unterstützung der USA für die Sicherheit Israels sei "sehr weit fortgeschritten und tief". Zumindest in westlichen Ländern gebe es einen Konsens, dass keine Handlungsoption ausgeschlossen werden sollte, bekräftigte Barak offenbar mit Blick auf einen möglichen Angriff.

cis/AFP/dpa

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insgesamt 165 Beiträge
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Seite 1
mr_spock 18.02.2012
1.
Zitat von sysopAPDer britische Außenminister prophezeit schon einen neuen Kalten Krieg im Nahen Osten - nun provoziert Iran den Westen ein weiteres Mal. Teheran hat Kriegsschiffe ins Mittelmeer entsandt und verkauft die demonstrative Unterstützung für das Regime in Syrien als "Friedensbotschaft". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816170,00.html
Der eine sendet Drohnen in der Luft, der andere Kriegsschiffe zu Wasser. Beides natürlich rein friedenstiftend.
Plastilin8 18.02.2012
2. Tja.
Zitat von sysopAPDer britische Außenminister prophezeit schon einen neuen Kalten Krieg im Nahen Osten - nun provoziert Iran den Westen ein weiteres Mal. Teheran hat Kriegsschiffe ins Mittelmeer entsandt und verkauft die demonstrative Unterstützung für das Regime in Syrien als "Friedensbotschaft". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816170,00.html
Diese "Schiffchen" wären im Ernstfall versenkt, bevor die Besatzung piips sagen könnte. Diese Pötte kurven dort nur rum, um die eigene Schwäche zu überdecken, ja in der Weltpresse zu übertönen. Die Iranische Regierung braucht diese Art von Provokationen, um überhaupt an der Macht bleiben zu können, denn ohne Antipode zum ewig bösen Westen würde der letzte Kitt wegfallen, der Teile der Bevölkerung mit der Machtelite noch immer teilt.
ziegenzuechter 18.02.2012
3. die sind doch alle gleich
Zitat von sysopAPDer britische Außenminister prophezeit schon einen neuen Kalten Krieg im Nahen Osten - nun provoziert Iran den Westen ein weiteres Mal. Teheran hat Kriegsschiffe ins Mittelmeer entsandt und verkauft die demonstrative Unterstützung für das Regime in Syrien als "Friedensbotschaft". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816170,00.html
wieso ist das jetzt wieder eine provokation? die westlichen staaten allen voran die usa, tummeln sich doch auch mit ganzen flottenverbaenden direkt vor der kueste des iran. ach die sind doch alle gleich.
wwwwebman 18.02.2012
4. provokation?
kriegsschiffe im mittelmeer sind eine provokation? ich bitte um eine auflistung aller nationen, die im mittelmeer "provozieren"!
simon23 18.02.2012
5.
Zitat von sysopAPDer britische Außenminister prophezeit schon einen neuen Kalten Krieg im Nahen Osten - nun provoziert Iran den Westen ein weiteres Mal. Teheran hat Kriegsschiffe ins Mittelmeer entsandt und verkauft die demonstrative Unterstützung für das Regime in Syrien als "Friedensbotschaft". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816170,00.html
Da fahren die einfach ins Mittelmeer. Was für eine Provokation. Man sollte den Sicherheitsrat einberufen. Noch nie jemand ist jemals mit seinen Kriegsschiffen ins Mittelmeer eingefahren.
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