Prozess Britischer Offizier dementiert Folterbefehl

Der Vorgesetzte der wegen Misshandlung irakischer Gefangener angeklagten britischen Soldaten hat seine Verantwortung für die Taten bestritten. Die Drei hatten ausgesagt, nur auf Grund von Befehlen gehandelt zu haben.


Folter von Gefangenen im Irak: Befehl vom Vorgesetzten?
REUTERS

Folter von Gefangenen im Irak: Befehl vom Vorgesetzten?

Osnabrück - Major Dan Taylor sagte heute vor dem britischen Militärgericht in Osnabrück aus. Er räumte ein, angeordnet zu haben, dass erwischte Plünderer "hart arbeiten" sollten. Die Angeklagten seien aber an der Ausführung dieses Befehls nicht beteiligt gewesen. Die Verteidiger der Soldaten hatten dagegen erklärt, diese hätten nur Taylors Befehl befolgt.

Die Soldaten gehörten zu einer Einheit, die im Mai 2003 ein Lagerhaus in der Nähe von Basra bewachte. Die Misshandlungsvorwürfe waren durch die Veröffentlichung von Fotos bekannt geworden, auf denen die Angeklagten zu sehen sind. Taylor, der von den Misshandlungen nichts bemerkt haben will, sagte, die Abteilung der drei Soldaten sei zwar zum Ergreifen der Plünderer eingesetzt worden, habe aber keinerlei Anteil "an der Arbeitsphase" gehabt.

Die Anwälte warfen dem Kommandeur vor, die Schärfe seiner Anweisungen gegenüber seinen eigenen Vorgesetzten bewusst herunterspielt zu haben. Sein Befehl sei zudem so vage gewesen, dass er fehlinterpretiert werden konnte. "Sie sind bereit, diese Soldaten als Opferlämmer zu präsentieren, um ihre eigene Karriere zu retten", erklärte Joseph Giret von der Verteidigung. Taylor wies das zurück.

Die Anordnung gegen Plünderer hatte er zuvor damit gerechtfertigt, dass man den Plünderungen kaum habe Herr werden können. Iraker selbst hätten das britische Militär aufgefordert, in solchen Fällen hart durchzugreifen.

Einer der Angeklagten hatte zu Prozessbeginn zugegeben, einen irakischen Gefangenen geschlagen zu haben. Die beiden anderen hatten die Vorwürfe, die auch sexuelle Misshandlungen umfassen, zurückgewiesen.



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